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Kakerlake unterm Reis

Schabe in Imbissessen entdeckt

HAMELN. In vier von fünf untersuchten Betrieben der Stadt-Galerie haben Lebensmittelkontrolleure die Schädlinge entdeckt. Eine Hamelnerin hatte eine Schabe im Essen eines Thai-Imbisses gefunden. Nun muss der Schädlingsbekämpfer kommen. Die Betriebe bleiben geöffnet, da keinerlei Gefährdung für die Verbraucher bestehe.

veröffentlicht am 06.04.2017 um 17:31 Uhr
aktualisiert am 07.04.2017 um 17:52 Uhr

Box 6 aus dem Thai-Imbiss: In dieser Mahlzeit fand eine Kundin die Kakerlake. Foto: Dana
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Eine Kakerlake. Im Essen. Da kann einem schon mal der Appetit vergehen. Immerhin war die Schabe, die Michaela Jeretzky am Mittwoch in ihrer Mittagspause am Boden der Box aus dem Thai-Imbiss in der Stadtgalerie fand, schon tot. Es sei ein bräunliches Exemplar gewesen, sagt sie, was die Vermutung zulässt, dass die Art aus Deutschland stammt. Die Hamelnerin meldete den Vorfall dem Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung. Dort wunderte man sich zunächst: Erst am Dienstag hatte ein Lebensmittelkontrolleur in diesem Imbiss alles überprüft – und nichts gefunden.

Das Ergebnis nach erneuter Kontrolle: In vier von fünf kontrollierten gastronomischen Betrieben der Stadt-Galerie haben sich die Tiere eingenistet. Entdeckt wurden sie in leicht überprüfbaren Klebefallen. Sie gehören zum vorgeschriebenen Standard.

„Wir kümmern uns bereits intensiv um eine Lösung“, sagt Center-Managerin Vivien Wilmers. Man stehe in enger Abstimmung mit dem Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung. In Absprache mit den Behördenexperten wurden alle nötigen Maßnahmen eingeleitet, insbesondere eine weitere Überprüfung des Bereichs durch die Lebensmittelüberwachung sowie die Beauftragung einer Spezialfirma. „Bisher gab es in der Stadt-Galerie keinen derartigen Vorfall“, sagt Wilmers.

Eine „deutsche Schabe“ hat sich in gastronomischen Betrieben breit gemacht. Gestern rückten die Schädlingsbekämpfer an. Foto: dpa
  • Eine „deutsche Schabe“ hat sich in gastronomischen Betrieben breit gemacht. Gestern rückten die Schädlingsbekämpfer an. Foto: dpa

Um welche weiteren Betriebe es sich handelt, wollte man nicht sagen. „Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass wir nach Rücksprache mit dem Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung keine Namen der Betriebe nennen“, heißt es in der schriftlichen Antwort.

Einen Grund, die Betriebe zu schließen, sah man beim Veterinäramt ebenfalls nicht. Dazu bestehe keine Veranlassung, erklärt die Sprecherin. Von einem gesundheitlichen Risiko geht man nicht aus. „Es gibt keinen Grund zur Panik.“ Nach der gestrigen Überprüfung könnten die Betriebe heute wieder geöffnet werden, sagt Vivien Wilmers.

Dass es den Schaben in der Stadt-Galerie gefällt, ist gar nicht mal so verwunderlich: Die bauliche Situation mit Versorgungs-, Leitungs- und Lüftungsschächten leiste dem Vorschub, sagt Sandra Lummitsch, Sprecherin des Landkreises.

Und wie kommen die Tiere dorthin? Das lässt sich schwer nachvollziehen: Sie können auf der Suche nach Nahrung und einer Nische dorthin gelangt sein, aber auch zusammen mit unverpackten Lebensmitteln. Kakerlaken fühlen sich dort am wohlsten, wo es warm und feucht ist und es genug zu fressen gibt. Dabei ist es ihnen egal, ob es sich um fauliges Obst oder verdorbene Nahrungsreste handelt.

Hier könnte man ein gesundheitliches Problem vermuten: Schaben, die mit Krankheitserregern in Verbindung kommen, können diese verbreiten. Beispielsweise können Salmonellen oder Schimmelpilzsporen übertragen werden, wie die Verbraucherzentrale informiert.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Michaela Jeretzky sich einen Keim eingefangen hat, schätzt Dr. Raffael Boragk, Allgemeinmediziner in Hameln, aber als sehr gering ein. „In den Tropen ist das ein anderes Thema“, sagt er. Falls die Kakerlake tatsächlich gesundheitlich bedenkliche Erreger auf die Zutaten übetragen hätte, seien die spätestens bei. der Zubereitung verkocht. „Ich sehe grundsätzlich kein Risiko“, sagt er.

Dass Kakerlaken nur in verdreckten Häusern vorkommen ist übrigens ein Mythos. Selbst der sterilste Wohnraum ist nicht vor ihnen sicher. Ihr Ansprüche werden vor allem in modernen, vollklimatisierten Gebäuden erfüllt. Besonders in Großküchen, Lebensmittel verarbeitenden Betrieben und Bäckereien finden sie ideale Lebensbedingungen. Ein weiteres Problem: Schaben vermehren und verbreiten sich rasant. Von dort wo sie eingeschleppt wurden, wandern sie in angrenzende Bereiche. Schaben sind nachaktive Tiere, sollten sie am Tage sichtbar sein, ist von einem starken Befall auszugehen. Ein Grund, weshalb der Schädling niemals laienhaft bekämpft werden sollte. Der Imbiss in der Stadtgalerie hat bereits gründlich gereinigt und desinfiziert. Beim Landkreis geht man davon aus, dass professionelle Schädlingsbekämpfer heute aktiv werden.

Michaela Jeretzky hat sich inzwischen von ihrem Schreck erholt. Dem Besitzer des Imbisses sei der Vorfall sehr unangenehm gewesen: Er habe sich bei der Hamelnerin entschuldigt und ihr das Geld zurückerstattet. Er habe versichert: „So etwas ist noch nie vorgekommen.“

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