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Sind Handschuhe hygienischer?

Sauber verkauft

Hameln. Für viele Käufer ist es ein sicheres Zeichen für Sauberkeit und Hygiene, wenn das Verkaufspersonal an Frischetheken Einweghandschuhe trägt. Viel besser, als wenn sie die Ware mit den bloßen Händen anfassen würden, oder? Da hat man doch gleich ein gutes Gefühl, wenn die Salami oder das Brötchen mit behandschuhten Fingern gegriffen wird.

veröffentlicht am 13.09.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:21 Uhr

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Autor:

von svenja-a. möller
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Leser Claus Jäger hält jedoch gar nichts von diesen dünnen Einweghandschuhen. Als Besucher des Wochenmarktes stört er sich „stetig bei den Ständen von Fleischern, Fischhändlern und Bäckern über die Gummihandschuhe an ihren Händen“. Er, als gelernter Lebensmitteleinzelhandelkaufmann, sei überzeugt, dass es hygienischer sei, die Ware ohne Handschuhe zu verkaufen. Aber wie ist es denn nun besser? Mit Latexhandschuhen oder ohne?

Handschuhe haben zwar einen gewissen Vorteil, jedoch stark überwiegende Nachteile. „Es gibt keine lebensmittelrechtlichen Vorschriften, die das Tragen von flüssigkeitsdichten Handschuhen verlangen“, so die Aussage der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN). In der Verordnung für Lebensmittelhygiene heißt es lediglich: „Personen, die in einem Bereich arbeiten, in dem mit Lebensmitteln umgegangen wird, müssen ein hohes Maß an persönlicher Sauberkeit halten; sie müssen geeignete und saubere Arbeitskleidung und erforderlichenfalls Schutzkleidung tragen.“ Schutzhandschuhe sind also nicht grundsätzlich verpflichtend. Die Entscheidung, ob die dünne Latexhaut zu tragen ist, wird den Betreibern der Geschäfte und Stände überlassen.

So hat sich Norbert Meyer an seinem Fischstand auf dem Hamelner Wochenmarkt zu einer Kompromisslösung entschieden. Er trägt Handschuhe, aber nur bei bestimmten Arbeiten. „Wenn ich zum Beispiel Lachs aufschneide und in sehr dünne Scheiben zerlege, dann habe ich an der Hand, die den Fisch hält, einen Handschuh an“, erklärt Meyer. Dieser würde direkt danach entsorgt. So kommen am Tag schon 100 bis 200 Handschuhe zusammen. „An einem Markttag verbrauchen wir etwa eine Box der Handschuhe“, so Meyer. Den regulären Verkauf absolviert er jedoch ohne Handschuhe, achtet dabei aber natürlich strikt auf die Hygiene: „Ein Fischbrötchen fasse ich direkt mit einer Folie und lege es dann auf eine Serviette.“ Den frischen Fisch greift Meyer nur mit Zangen oder Gabeln.

Dazu rät auch die BGN. An Frischetheken empfiehlt die Berufsgenossenschaft den Einsatz von Hilfsmitteln wie Greifzangen, Gabeln oder Papierunterlagen. Auch beim Verkauf trockener Backwaren sei ein Einsatz von Handschuhen nicht erforderlich. Denn die Handschuhe suggerieren eine falsche Sicherheit. Zunächst sind sie keinesfalls gesund für das Personal. Unter der Polyethylenschicht kann die Haut nicht atmen, schwitzt, und bildet einen optimalen Nährboden für Keime. Des Weiteren verursachen die gebrauchten Handschuhe viel Abfall. Auch verleiten sie zu einer Art „Pseudo-Sicherheit.“ Die BGN erklärt: „Werden keine Handschuhe getragen, so ist bei den Beschäftigten das Bewusstsein dafür, dass kontaminierte Oberflächen wie zum Beispiel Türgriffe oder Geldscheine angefasst wurden, geschärft und sie waschen sich häufiger die Hände.“ Mit Handschuhen fehlt dieses Sauberkeits-Bewusstsein. Zudem sind Handschuhe nur so lange keimfrei, bis sie mit einer kontaminierten Fläche in Berührung gekommen sind. Erreger können über die Latexhandschuhe also ebenso übertragen werden, wie über die bloßen Hände. Werden diese jedoch regelmäßig gewaschen, getrocknet, desinfiziert, die Nägel kurz und sauber gehalten und dazu noch Verkaufshilfsmittel genutzt, ist die Keimbelastung gering.

Das gleiche gilt übrigens für den Verbraucher: Denn hatte dieser seit längerer Zeit keine Möglichkeit die eigenen Hände zu waschen, sollte das gekaufte Brötchen nur mit der Folie oder Serviette berührt werden. Selbst wenn der Verkäufer alle Hygienevorschriften beachtet: Bakterien und Viren gelangen sonst auch über die eigenen Hände auf die Ware und in den Körper.

Und auch der Landkreis Hameln-Pyrmont stellt fest: „Unter praxisorientierten Bedingungen bringt das Tragen von Einmalhandschuhen oft keinen hygienischen Vorteil.“ Und: „Die Verwendung von Handschuhen ist nicht entscheidend für einen hygienischen Umgang mit Lebensmitteln.“

Handschuhe allein reichen nicht für einen hygienischen Umgang mit Lebensmitteln.Dana



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