weather-image
Warnstreik im Öffentlichen Dienst wird zum Politikum

Sana-Klinik droht Hamelner Streikenden

HAMELN. Das Sana-Klinikum in Hameln hat versucht, Mitarbeiter durch Drohungen vom Warnstreik am Freitag abzuhalten. Dieses Verhalten zum Warnstreik im Öffentlichen Dienst soll nun zum politischen Thema im Bundestag werden. Nach der Drohung der Sana-Chefetage gegenüber Mitarbeitern – wer am Warnstreik teilnehme, habe mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen zu rechnen – will die Hamelner Bundestagsabgeordnete Jutta Krellmann von den Linken „dieses undemokratische Verhalten zum Thema im Bundestag machen“.

veröffentlicht am 09.03.2018 um 20:25 Uhr

Ließen sich nicht von der Chefetage einschüchtern: Streikende vom Sana-Klinikum in Hameln. Foto: FN
Thomas Thimm

Autor

Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Die Verdi-Gewerkschaftssekretärin Christine Meier sagt unserer Zeitung, dass die Sana-Geschäftsleitung Mitarbeitern mitgeteilt habe, dass sie für den Streiktag dienstverpflichtet seien. Wer dennoch am Warnstreik teilnehme, habe mit arbeitsrechtlichen und eventuell auch strafrechtlichen Konsequenzen zu rechnen. Sana bestätigt: „Wir haben aktuell so viele Patienten, die wir trotz der von uns im Vorfeld geplanten Maßnahmen nicht adäquat hätten versorgen können, hätten sich die genannten Mitarbeiter vom Dienst abgemeldet, um dem Streikaufruf zu folgen. Daher sahen wir uns zu diesem Schritt gezwungen, um die medizinische und pflegerische Versorgung der uns anvertrauten Patienten nicht zu gefährden“, erklärt Norbert Reelsen, Prokurist und Leiter Personalmanagement.

Die Gewerkschaft kontert, dass sie für die Sicherstellung der medizinischen Versorgung eine Notdienstvereinbarung angeboten habe, die in dem sensiblen Gesundheitssektor in solchen Fällen üblich sei. Das Sana-Klinikum hat eine solche Vereinbarung abgelehnt. Gewerkschaftssekretärin Meier sagt: „Das Sana sah keine Notwendigkeit für eine Vereinbarung und hat sie schlicht nicht gewollt.“ Reelsen dagegen teilt mit, dass das Angebot von Verdi erst am Vortag und damit zu spät gekommen sei.

Klinikum und Gewerkschaft streiten heftig darüber, ob das Verhalten von Sana rechtens ist oder nicht. Sana-Sprecherin Natalie Arnold teilt mit: „Mit unserem Vorgehen verstoßen wir nicht gegen geltendes Streikrecht. Nach aktueller Rechtsprechung gilt das Streikrecht nicht unbegrenzt. Es müssen die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt und damit Patientenwohl und Streikausmaß gegeneinander abgewogen werden. In diesem besonderen Fall haben wir uns für ein milderes Vorgehen entschieden und nicht allen Mitarbeitern das Streiken untersagt, sondern lediglich vereinzelten Mitarbeitern, um die Patientenversorgung nicht zu gefährden.“ Verdi-Vertreterin Meier sieht hier keine Milde: „Eine solche Drohung schüchtert alle Mitarbeiter ein. Was Sana da macht, ist nicht rechtens.“ Unterstützung kommt von der Linken-Abgeordneten Krellmann: „Streikrecht ist Menschenrecht. Was Sana macht, ist ein Einschüchterungsversuch. Sana sollte sich an geltendes Recht halten.“

„Streikrecht ist Menschenrecht. Was Sana macht, ist ein Einschüchterungsversuch.“ Jutta Krellmann, Linken-Bundestagsabgeordnete
  • „Streikrecht ist Menschenrecht. Was Sana macht, ist ein Einschüchterungsversuch.“ Jutta Krellmann, Linken-Bundestagsabgeordnete

Zwischen den Stühlen sitzt Landrat Tjark Bartels (SPD), der zugleich im Sana-Aufsichtsrat sitzt, weil der Landkreis Hameln-Pyrmont 49 Prozent der Anteile am Sana Hameln hält. Bartels sagt gegenüber unserer Zeitung: „Zum einen unterstütze ich das Recht, zu streiken. Dieser Streik ist absolut berechtigt. Aber die Absprache zur Notdienstvereinbarung hätte besser laufen können, da hätte Verdi vielleicht früher kommen müssen.“

Nach Sana-Angaben haben 14 Mitarbeiter gestreikt, nach Verdi-Angaben waren es 70.

Hameln | 9



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt