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Hobbygärtner machen mobil: Was jetzt alles schon gepflanzt und ausgesät werden darf

Saisonstart mit Spaten, Hacke und Rechen

Hameln. Prächtig sieht es aus in Hamelns Kleingärten: Primeln, Tulpen, Stiefmütterchen und Narzissen bieten ein buntes Bild. Doch die meisten Hobbygärtner haben jetzt eher die nackte Erde im Blick: Im April, wenn die Frühlingssonne den Boden erwärmt, hält es keinen mehr im Haus: Auf den Beeten gibt es genug zu tun. Saisoneröffnung für Hobbygärtner. Hacke, Spaten und Rechen warten schon darauf, aus dem Winterschlaf befreit zu werden. Viele Parzellen der Kleingartenkolonie am See werden jetzt emsig beackert: Der Boden wird aufbereitet für das Saatgut, Jungpflanzen kommen in die Erde oder sind bereits gesetzt. „Alles, was frühjahrsfest ist, kann jetzt gepflanzt werden“, bestätigt der Vorsitzende des Kleingartenvereins, Willi Pientok. Viele Vereinsmitglieder beziehen ihre Pflanzen vom Taubblindenheim in Fischbeck: „Von dort kommen ganz exzellente Züchtungen“, sagt Pientok. An drei Terminen werden sie vor Ort in der Kolonie am See angeboten: „Am 27. April von 14 bis 17 Uhr und am 12. Mai von 10 bis 13 Uhr sind die Fichbecker wieder da“, erzählt der Kleingärtner. Jeder könne vorbeischauen und Pflanzen erwerben.

veröffentlicht am 20.04.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 13:41 Uhr

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Autor:

Karin Rohr
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Auf etlichen Parzellen in der Kolonie am See blüht es nicht nur auf den Zierflächen, sondern grünt es auch schon zaghaft auf den Nutzflächen. Die sind Pflicht für Kleingartenpächter: Je ein Drittel Nutzfläche, Zierfläche und Freifläche schreibt die Vereinssatzung vor. Zwischen 300 und 600 Quadratmeter groß sind die 378 Parzellen, die derzeit am See auf insgesamt 165 000 Quadratmetern bewirtschaftet werden. „Der Trend geht immer mehr zur Freizeit“, hat Pientok festgestellt, muss aber als Vereinschef im Auge behalten, dass die Drittelung der Parzellenaufteilung eingehalten wird. „Sonst artet das in campingähnliche Verhältnisse aus“, sagt er. Und das käme teuer.

Den Sinn einer Nutzfläche stellt keiner der Hobbygärtner in Frage, die jetzt mit dem Spaten unterwegs sind, um Saat- oder Pflanzgut in die Erde zu bringen. Der Vorteil so einer Selbstversorgung liegt auf der Hand: Wer sein Obst oder Gemüse selbst zieht, muss nicht befürchten, dass ein mit Pestiziden verseuchtes Lebensmittel auf dem Tisch landet. Er kann sich darauf verlassen, dass Tomaten oder Gurken kein schnittfestes Wasser sind, sondern noch Biss und Aroma haben. „Wir leben praktisch nur von eigenem Obst und Gemüse“, sagt Gerd Sobania, der zwei Parzellen zu einer großen vereint hat und nicht nur Kartoffeln anbaut, sondern auch alle erdenklichen anderen Gemüsesorten und in diesen Tagen sogar schon den ersten grünen Spargel geerntet hat. Ins Auge fallen bei ihm die üppig berankten Himbeer- und Brombeerspaliere. Und zwei Insekten-Hotels, wo auch wilde Bienen wohnen. „Die sind wichtig für die Bestäubung“, weiß der erfahrene Hobby-Gärtner.

Seit 30 Jahren ist Kurt Schmidt dabei: Gerade bereitet er den Boden für die Pflanzkartoffeln vor. Daneben sprießen mehrjährige Erdbeeren. Auch Steckzwiebeln und Rote Beete zieht der 82-Jährige. Und auf die Tomaten aus seinem Gewächshaus freut er sich jetzt schon. Auf einer anderen Parzelle lockert Sergej Kraft die Erde für seine Spaliergurken: Sie sollen Ende April gesetzt werden. Ein kleines Dach aus Plastikfolie hat er für sie schon gebaut, um sie vor Krautfäule zu schützen.

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  • Hat mehrere kleine Hochbeete angelegt: Marilin Römhild.

Manfred Fischer zieht Weißkohl, Kohlrabi und Bohnen auf Hochbeeten. „Da liegt Holz darunter, Grünschnitt, der Wärme entwickelt“, erklärt er. So ist das Gemüse früher erntereif: „Und man braucht sich auch nicht so zu bücken.“ Ein Vorteil, den auch Marilin Römhild zu schätzen weiß: Sie hat aus hölzernen Kompostbehältern, die es fix und fertig zu kaufen gibt, mehrere kleine Hochbeete angelegt und schwört auf Sämereien von Jamie Oliver. Viele wüssten gar nicht, dass der britische Star-Koch diese Produkte anbiete.

Michael Dahms zieht Eisbergsalat, Tomaten und Mini-Schlangengurken im Gewächshaus: 200 Stück der kleinen Gurken hat er letztes Jahr geerntet, erzählt er stolz. Im Freien hat er auch noch Beete für Radieschen, Steckzwiebeln, Schnittlauch und Pferdebohnen reserviert.

Was Hobbygärtner jetzt schon pflanzen können:

Erdbeeren: Hier bieten sich getopfte Jungpflanzen an, ab Ende April auch Monatserdbeeren, die schon Fruchtbehang haben.

Zwiebeln, Schalotten und Knoblauch können jetzt gesteckt werden. In der Nacht vor dem Stecken lässt man sie am besten in zimmerwarmem Wasser.

Kohlrabi und Kopfsalat: Vorgezogene Pflanzen dürfen jetzt ins Beet.

Kartoffeln: Leichter Nachtfrost richtet bei Jungpflanzen meist keinen Schaden mehr an. Vorgekeimte Kartoffeln vorsichtig mit Erde bedecken.

Sommerporree muss jetzt ins Beet, Herbstporree ist Ende Mai bis Mitte Juni dran und Winterporree von Juli bis Mitte August.

Grünspargel wird im April in ein schon vorbereitetes Beet gepflanzt. Die Wurzelköpfe der Spargelpflanzen müssen 15 Zentimeter tief in der Erde sein. Ernten kann man in den ersten beiden Jahren nicht. Im Herbst wird das Spargelkraut abgestoßen und verbrannt, um Krankheiten vorzubeugen. Erst im dritten Jahr gibt es die Ernte.

Rettich, Radieschen, Schwarzwurzeln, Möhren, Erbsen und Zuckermais sollten bis Ende des Monats gesät werden. Auch das Saatgut für Pflücksalat, dicke Bohnen und Spinat kann schon ins Beet.

Bohnen: Sie keimen sehr schnell und sind kälteempfindlich. Busch- und Stangenbohnen setzt man als Vorkultur entweder in Töpfen oder erst Anfang Mai unter Vlies ins Gemüsebeet.

Tomaten und Paprika, die im Gewächshaus ausgesät wurden, müssen jetzt pikiert werden. Erst nach den Eisheiligen kommen die Pflanzen ins Freie.

Kürbispflanzen sollten jetzt vorgezogen werden. Erst ab Mitte Mai kommen sie ins Beet oder in Kübel.

Kräuter: Vorgezogene Pflanzen wie Schnittlauch, Majoran, Rosmarin oder Zitronenmelisse langsam an ihren neuen Standort gewöhnen, damit sie etwas abhärten, bevor sie ins Beet kommen. Ideal für Kräuterbeete sind sonnige Plätze.

Seit 30 Jahren beackert Kurt Schmidt seine Parzelle in der Kleingartenkolonie am See. Der 82-Jährige bereitet hier gerade den Boden für seine Pflanzkartoffeln vor.

Fotos: Dana



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