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Musik, Getrampel oder Sex – Geräusche von nebenan häufigster Grund für Auseinandersetzungen

Ruhe! Nachbarn streiten vor allem über Lärm

Hameln. Wenn Nachbarn einen Streit vom Zaun brechen – dann kann es beispielsweise daran liegen, dass das Grün über eben denselben hinausgeschossen ist: Hecken und Bäume, einst von der Größe her überschaubar, wachsen im Laufe der Jahre höher hinaus, als es dem Nachbarn recht ist. Ausragendes Blattwerk raubt ihm Luft und Licht, und das Wurzelwerk, grenz- und maßlos wächst es, drückt des Nachbarn Zaun weg, erstürmt fremden Boden und fremdes Mauerwerk – Nachbarstreit ist da geradezu programmiert, weiß Klaus Dieter Neumann vom Eigentümerschutzverein Haus und Grund Hameln und Umgebung.

veröffentlicht am 16.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 05:21 Uhr

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Autor:

Alda Maria Grüter
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Hohe Gewächse, Laub und Früchte, die auf das Nachbargrundstück und in Regenrinnen fallen, seien ein häufiges und immer wiederkehrendes Problem. „Im vergangenen Jahr hatten wir einen extremen Fall von dichtem Baumwuchs. Es kam so gut wie kein Tageslicht mehr in den Wohnbereich, ganzjährig musste im Haus das Licht eingeschaltet werden.“ Wegen derartiger Grundstücksangelegenheiten würden jährlich rund 20 Beratungen in Anspruch genommen. Gespräche gebe es häufig dann, wenn in älteren Wohngebieten ein Eigentümer-Wechsel stattfindet, jüngere Käufer zu der bestehenden Gemeinschaft dazukommen und „anders mit dem Grundstück umgehen“. Allerdings einigen sich die streitenden Parteien fast immer einvernehmlich, ohne dass eine Schiedsstelle oder das Gericht eingeschaltet werden müsste, sagt Neumann. Woraus er folgert: „Die Hamelner scheinen ein gesittetes Volk zu sein.“ Dennoch: Etwa 70 Beratungen wegen Störungen des Mietverhältnisses führt die 1700 Mitglieder starke Interessenvertretung für Hausbesitzer pro Jahr durch. Die häufigsten Anlässe: Lärm unterschiedlicher Ursache innerhalb der vier Wände und auf dem Balkon, Nachbarn, die nicht leise über den Boden gehen, sich zu laut unterhalten, zu laut Musik hören und Fernsehen schauen, zu laut streiten und feiern.

Auf der Internetplattform nachbarschaftsstreit.de sind nicht nur aktuelle Nachrichten zum Thema Streit unter Nachbarn zu lesen, Betroffene finden dort auch Gesetzestexte und Listen von Anwälten und Mediatoren. Und: jede Menge Einträge von „Gleich-Geplagten“, die im Forum den Erfahrungsaustausch suchen. Da geht es um Mieter, die darauf bestehen, dass der Nachbar auf leisen Sohlen, sprich barfuß über den Laminatfußboden zu laufen hat, um Blumenwasser, das auf Nachbars Balkon tropft und Anlass bietet, die Waffe zu zücken. Und neben lauten Spieleabenden sind es auch die gellenden Geräusche des WC-Druckspülers oder dröhnende Vibrationen der Klimaanlage auf dem Dach, die den Nachbarn auf die Palme bringen. Dass fast jeder Deutsche von seinen Nachbarn etwas auf die Ohren bekommt, hat eine Trend-Umfrage von Immobilienscout24 herausgefunden.

Nummer eins unter den ungeliebten Ruhestörern sind Hobby-Heimwerker, gefolgt von lauter Musik, die für ein Drittel der Deutschen ein Ärgernis darstellt. Getrampel und geräuschvolle Streits, die bei 30 Prozent der Bundesbürger durch die Wände dringen, landen auf Platz drei der nervigsten Geräusche. Und jeder zehnte Befragte hört seinen Nachbarn hin und wieder unfreiwillig beim Sex – in dieser Rubrik registrierte Haus & Grund in den vergangenen drei Jahren ein Beispiel. Ein anderes Ärgernis: wenn stinkende Grillschwaden ins Haus ziehen. Laut Immobilienscout24 sucht ein Großteil der Lärmgeplagten die direkte Konfrontation mit den Störenfrieden: 39 Prozent klingeln bei den Nachbarn und beschweren sich. Einige setzen auf passive Methoden. Jeder dritte Befragte nimmt den Zustand hin, unternimmt gar nichts. Während einige zu sanften Hilfsmitteln wie Ohropax oder Kopfhörern greifen, um dem Lärm zu entkommen, gehen andere nach dem Wie-du-mir-so-ich-dir-Motto vor, starten einen Gegenangriff, indem sie selbst Krach machen. Etwa jeder Achte beschwert sich bei den Vermietern. Jeder Zehnte geht sogar so weit, die Polizei oder das Ordnungsamt anzurufen und eine Anzeige wegen Ruhestörung zu erstatten. Immobilienscout24 zufolge haben solche Ärgernisse oft Konsequenzen für das nachbarschaftliche Zusammenleben. Bei etwa einem Fünftel der Befragten haben Auseinandersetzungen wegen Lärmbelästigung dazu geführt, dass sie ihren Nachbarn seitdem aus dem Weg gehen.

Aaaaaah! Wenn Nachbarn die Stereoanlage so richtig aufdrehen oder sich laut streiten, schützen auch die eigenen vier Wände nicht immer. Wer Hilfe beim Umgang mit dem Nachbarn braucht, kann sich an Haus und Grund wenden oder im Internet umsehen.

Foto: Bilderbox



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