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Niedersachsens Kultusministerin sieht die Schulpolitik auf einem guten Weg / Lob für Körtner

Rücktritt für Heister-Neumann kein Thema

Hameln. Ihre Schulpolitik ist umstritten, und die Zahl der Kritiker wächst – auch in der eigenen Fraktion. Doch an einen Rücktritt verschwendet Elisabeth Heister-Neumann keinen Gedanken. Ganz im Gegenteil: Mit Dr. Bernd Althusmann als neuem Staatssekretär will Niedersachsens Kultusministerin noch einmal durchstarten, wie die CDU-Politikerin im Gespräch mit Hans-Joachim Weiß betonte.

veröffentlicht am 11.06.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 18:41 Uhr

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Frau Heister-Neumann, in Niedersachsen fehlen bald jede Menge Lehrer. Wie wollen Sie der drohenden Pädagogen-Knappheit entgegentreten?

Der Lehrermangel hat unterschiedliche Gründe. Das hat vor allem etwas mit der Dauer der Ausbildung zu tun, denn Lehrerinnen und Lehrer brauchen eine bestimmte Zeit für das Studium und den Vorbereitungsdienst, bis sie in den Schulen ankommen. Wir wollen deshalb zum Einen für diesen werben und junge Menschen bewegen, dieses Studium aufzunehmen. Es geht aber auch darum, anschließend die Vorbereitungsplätze zur Verfügung zu stellen, damit man dann nachher die ausgebildeten Lehrer hat. Was wir heute erleben, sind die Versäumnisse vergangener Zeiten, hier geht es um die Folgen einer Studienentscheidung gegen den Lehrerberuf, die vor acht oder zehn Jahren getroffen wurde. Das ist das eine. Wir stehen auch vor einer anderen Herausforderung: Wir haben in den nächsten Jahren im Lehrerberuf eine hohe Pensionierungswelle vor uns. Dafür müssen wir Vorsorge tragen, aber das haben wir auch getan.

Inwiefern?

Wir haben das einmal berechnet und festgestellt, dass wir in den nächsten Jahren aus Altersgründen mit knapp 3000 Lehrerinnen und Lehrern zu rechnen haben, die jährlich in Pension gehen. Wir haben deshalb die Anzahl der Plätze in den Studienseminaren sehr stark erhöht – auf 5900 Plätze. Das bedeutet, dass wir nach dem Vorbereitungsdienst auch so viele Abgänger aus den Seminaren haben. Auf das Jahr gerechnet sind dies 3000 Lehrkräfte für die allgemein bildenden Schulen.

Das heißt, es wird in Niedersachsen keine Lehrer-Knappheit geben?

Das eine sind die Ausbildungskapazitäten, die wir in ausreichender Zahl geschaffen haben, das andere ist die zusätzliche Herausforderung in Bezug auf bestimmte Fächer. Naturwissenschaften sind bei den Studenten nicht so gefragt. Wir sind natürlich davon abhängig, dass auch Bewerbungen für die richtigen Fächer kommen. Aber auch hier haben wir bereits gehandelt, denn in den Vorbereitungsseminaren wird für diese Fächer eine höhere Quote vorgehalten, die ausschließlich Studenten von Mangelfächern vorbehalten bleibt.

Um die Probleme in der Schulpolitik zu meistern, ist Ihnen jetzt Bernd Althusmann als Staatssekretär und Krisenmanager zur Seite gestellt worden. Ist das eine Bedrohung für Ihr Amt?

Auf keinen Fall. Ich habe Herrn Althusmann selber angesprochen und gefragt, ob er bereit wäre, als Amtschef ins Kultusministerium zu wechseln, weil ich der festen Überzeugung bin, dass bestimmte Reibungsverluste in der Vergangenheit sicherlich beseitigt oder gemindert werden können. Deshalb ist das für mich definitiv keine Bedrohung. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit.

Das ist in den Medien allerdings etwas anders rübergekommen. Selbst in Ihrer eigenen Fraktion setzen nur wenige auf eine gedeihliche Zusammenarbeit. Wie erklären Sie das?

Tja, woher Gerüchte kommen, das ist immer so eine Geschichte. Tatsache ist, dass die Minister Ihre Staatssekretäre selber aussuchen. Das habe ich vor einiger Zeit schon auf den Weg gebracht und mich sehr gefreut, dass ich dann auch die Zustimmung im Kabinett bekommen habe. Ich bin auch ganz sicher, dass durch die Veränderungen innerhalb der Landtagsfraktion, für die Zusammenarbeit zwischen Kultusministerium und Fraktion, alles auf einem sehr, sehr guten Weg ist.

Die heimische Landtagsabgeordnete Ursula Körtner hat mit ihrem Rücktritt als schulpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion für ein Beben auch im Kultusministerium gesorgt. Was für Schlüsse haben Sie persönlich aus der Konsequenz der Bad Pyrmonterin gezogen?

Ihre Landtagsabgeordnete hier, Frau Körtner, ist eine unglaublich engagierte Person. Das war sie immer, ist sie und wird es bleiben. Sie ist Vollblutpolitikerin und unglaublich engagiert. Ich bin der festen Überzeugung, dass sie für Hameln-Pyrmont weiterhin ihre ganze Kraft im Landtag einsetzen wird. Wir, Ursula Körtner und ich, haben persönlich wirklich gut zusammengearbeitet.

Frau Körtner hat auch von Ihnen geschwärmt. Nichtsdestotrotz: Warum ist es dann zu dem Zerwürfnis gekommen?

Ich denke, das hat andere Gründe, die aber nichts mit unserem persönlichen Verhältnis zu tun haben. Ich schätze sie sehr.

Ihre Schulpolitik gilt als umstritten. Wo wollen Sie jetzt den Hebel zur Krisenbewältigung und zum Verstummen Ihrer Kritiker ansetzen?

Schauen Sie mal, was in den vergangenen Monaten alles geschehen ist. Die Arbeitszeitkonten der Lehrer sind bewältigt, ich habe ein Konzept zur Weiterentwicklung des niedersächsischen Schulsystems und zur Unterrichtsversorgung insbesondere der zwei kommenden Schuljahre auf den Weg gebracht, ich habe bereits eine Konzeption für die Neuorganisation der Landesschulbehörde. Was wir auf den Weg gebracht haben, durch Beschlüsse der Landesregierung, den anstehenden Beschlüssen des Landtages und der Fraktionen, diese politische Weichenstellungen liegen klar auf dem Tisch, jetzt geht es um die Umsetzung. Und zwar um die Umsetzung im Interesse für die Schülerinnen und Schüler. Es darf nicht darum gehen, dass man im Rahmen des Bundestagswahlkampfes jetzt diesen Schlagabtausch durchführt, sondern es muss darum gehen, dass die Maßnahmen, die wir beschlossen haben, etwas für Schülerinnen und Schüler bewegen. Und da muss es einen guten, konsequenten und stringenten Umsetzungsprozess geben. Das wird gemeinsam mit Bernd Althusmann hervorragend gelingen. Und das werden Sie sehr schnell spüren.

Nun ist David McAllister, Chef der CDU-Landtagsfraktion, eine Freud‘sche Fehlleistung herausgerutscht, als er bezüglich Althusmann von der Inthronisierung des neuen „Kultusministers“ gesprochen hat. Ist Rücktritt für Sie ein Thema?

Das ist definitiv für mich kein Thema. Ganz im Gegenteil: Ich habe herzhaft über den Versprecher lachen können. Ich habe so vieles auf den Weg gebracht und ich möchte, dass das Früchte trägt. Deshalb werde ich meine ganze Kraft daransetzen, für die Schülerinnen und Schüler diesen Weg weiter zu gehen.



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