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Buchautor Johannes Bröckers geht mit der Datensammelwut von Amazon und Co. hart ins Gericht

Rote Karte für Alexa

HAMELN. Er ist Journalist, Texter, Marketingberater – und kein Freund von „Alexa“. „Schnauze, Alexa!: Ich kaufe nicht bei Amazon“ heißt das Buch von Johannes Bröckers, das er im LaLu vorstellte. Darin setzt er sich kritisch mit der auf Amazon-Abhängigkeit auseinander.

veröffentlicht am 22.03.2019 um 16:30 Uhr

Beim Hamelner Forum in der Kritik: Sprachassistenten wie Amazons Alexa. Foto: DPA

Autor:

Karin Kellerer
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Dennoch ist Bröckers der digitalen Dame, die uns scheinbar jeden Wunsch erfüllt, sehr nahe gekommen. Aber nur, um sie kritisch unter die Lupe nehmen zu können. Das Ergebnis liegt in analoger Form vor sprich zwischen zwei Buchdeckeln gepresst und trägt einen Titel, der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt: „Schnauze, Alexa!: Ich kaufe nicht bei Amazon.“

Johannes Bröckers stellte als „Hamelner-Forums“-Gast im Lalu im Hefehof sein Buch vor beziehungsweise ging auf die Amazon-Abhängigkeit und die damit verbundenen Gefahren ein. Ein Thema, dass mehr als 50 Besucher lockte.

Bröckers erläuterte das Prinzip von Alexa. „Alexa, koch Kaffee! Alexa, sauge die Wohnung!“ Doch jeder leichthin gesagte Befehl wird gespeichert. Damit sei eine neue Qualität von Datenspeicherung erreicht. Die Stasi sei dagegen ein Kindergarten gewesen. Bröcker kritisierte die Monopolstellung und Datensammelwut des Online-Unternehmens und fragte: „Was geschieht mit unserer persönlichen Freiheit, mit unseren Freiheitsrechten?“

„Die Zukunft, auf die wir uns einlassen, ist die Gegenwart, in der wir leben werden“, betonte Bröckers, um sich dann den zahlreichen Fragen der Besucher zu stellen. Der Hamelner Wolfgang Nowotny brach eine Lanze für den heimischen Handel: „Nur die Vernunft kann uns weiterbringen. Ich gehe in eine ortsansässige Buchhandlung, werde fachmännisch beraten und kaufe mein Buch. Es ist ein zentraler Mangel, online zu kaufen, denn dann mache ich den Einzelhandel kaputt.“

Am Beispiel von Amazon stellte Bröckers Szenarien vor, die ihre Wirkung zeigten. So etwa bei Rosa Huppert. „Sie verbreiten eine Schwarzmalerei einer Wohlstandsgesellschaft und ich habe Angst, heute hoch depressiv nach Hause zu gehen. Solch ein finsteres Bild der Digitalisierung ist mir noch nie untergekommen.“

Sie sehe keine Chance, dem Ganzen zu entrinnen. „Es gibt in Deutschland sechzehn Datenschutzbeauftragte, die nichts bewirken. Ich vermisse von Ihnen positive Impulse, bleibe ohnmächtig zurück“. Bröckers betonte, dass wir ein Bewusstsein herstellen müssen, in dem uns klar wird, was wir erleben. „Unter welchen Umständen wünschen wir uns Digitalisierung? Mit Sicherheit nicht, dass Ikea nach der Reinigung mit einem lustigen Staubsauger erfährt, wie groß mein Schlafzimmer ist.

Wir wollen kein gläserner Konsument sein und schon gar nicht in eine digitale Unmündigkeit und Leibeigenschaft geraten“, so Bröckers. Wie viele andere große Unternehmen senkt Amazon seine Steuern jedes Jahr durch eine Vielzahl von Schlupflöchern. „Aber wenn wir unser Konsumverhalten nicht ändern, werde Amazon einfach so weitermachen.“ Und natürlich müsse auch die Politik in die Pflicht genommen werden.

Bei dem Thema der künstlichen Intelligenz werde ihm angst und bange, räumte ein Hamelner ein. Annemarie Knoke wünschte sich dagegen eine Gegenbewegung der örtlichen Einzelhändler. „Wir Verbraucher müssen unser Konsumverhalten ändern. Die Einzelhändler vor Ort links liegen lassen und gleichzeitig den Leerstand von Geschäftsräumen bemängeln, so funktioniert das nicht.“

Bröckers Ausführungen wurde ihrerseits teils kritisch kommentiert: „Ihre Äußerungen sind zu schwammig. Ich wünsche mir Vorschläge, was jeder Einzelne von uns tun kann. Was ist Ihre Utopie?“ Mit solchen Fragen sah sich der Buchautor konfrontiert, ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen. „In der digitalen Prärie gibt es keine Spielregeln“, entgegnete Bröcker. „Wir müssen regulierend eingreifen und das jeder für sich. Mithilfe der Lokal- und Kommunalpolitik, aber auch auf Bundesebene muss ein Neuanfang diskutiert werden. Da gehören Steuern, Datenschutz und Produktsicherheit auf den Tisch“.

„Wo sehen Sie uns in 20 Jahren?“, lautete die Schlussfrage von Moderatorin Lena Specht. „Wir müssen einen Weg finden, uns zu solidarisieren. Es gibt viel kritisches Potenzial“, betonte Bröckers und gab den Tipp: „Wir sollten bei jedem Klick am Rechner überlegen, ob es richtig ist, wenn wir den OK-Button drücken.“



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