weather-image
Pläne der Stadt zum sozialen Wohnungsbau sorgen für erheblichen Unmut

Rohrsen will nicht „überlastet“ werden

Rohrsen. Halvestorf, Haverbeck und Welliehausen – in diesen Ortsteilen leben bisher keine Flüchtlinge. Für die Rohrsener ist diese Verteilung nur schwer verständlich, denn für Rohrsen stellt die Stadt Überlegungen an, rund 40 Wohneinheiten zu errichten, in denen Flüchtlinge zukünftig wohnen sollen.

veröffentlicht am 07.04.2016 um 18:19 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 14:21 Uhr

270_008_7856049_hm117_Hottenbergsfeld_Dana_0804.jpg

Autor:

Wolfhard F. Truchseß
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Vor allem eines erzeugt in Rohrsen Unmut, wie von den Besuchern der Bürgerversammlung im Dorfgemeinschaftshaus zu hören war: Dass es Ortsteile wie Halvestorf, Haverbeck und Welliehausen gibt, in denen bislang in Ermangelung freier Mietwohnungen und wegen des Widerstands der dort lebenden Bürger noch gar keine Flüchtlinge untergebracht wurden. Für Rohrsen aber stellt die Stadt Überlegungen an, rund 40 Wohneinheiten zu errichten, in denen Flüchtlinge wohnen sollen, wenn es der Stadt nicht mehr gelingt, anderweitig Wohnungen für diesen Zweck anzumieten.

Völlig offen, ob jemals gebaut wird

Da half es auch nichts, dass die Stadträtin Martina Kurth-Harms betonte, man wisse angesichts der Schließung der Balkan-Route überhaupt nicht, ob Hameln demnächst wieder Flüchtlinge zugewiesen bekomme und Rohrsen nur die zweite Priorität in den Überlegungen der Stadt habe. Auch die Versicherung der Stadträtin, „wir werden die soziale Situation in dem Stadtteil und seine Infrastruktur so weit wie möglich berücksichtigen“, vermochte den Unmut der Rohrsener nicht zu besänftigen. 24 Wohneinheiten in Schlichtbauten stellt sich die Stadt im Hottenbergsfeld auf noch nicht erschlossenem Gelände vor. Über eine weitere Fläche am BHW wird noch mit der Bausparkasse verhandelt – Ergebnis offen.

Jobst Brüggemann, CDU-Ratsherr und Ortsvorsteher des Stadtteils, bat angesichts der von den Bürgern geäußerten Sorgen einer Überlastung und mangelnden Integration der vor allem aus dem Irak, aus Syrien und Afghanistan stammenden Flüchtlinge von ihrer Unterbringung in Rohrsen abzusehen. „Wir sind mit dem Kuckuck schon genug belastet“, warnte er, musste aber auch einräumen, dass sich in dem Problemgebiet in den vergangenen Jahren sehr vieles gebessert habe.

Sorge bereitet den Bürgern auch, was aus den Schlichtbauten werde, wenn sie eines Tages nicht mehr für Flüchtlinge benötigt würden. „Dann entwickelt sich das so wie im Kuckuck“, wurde mehrfach geäußert, obwohl Isabella Gifhorn von der Abteilung Planen und Bauen betonte, man könne die Häuser in diesem Fall „ertüchtigen“ und qualitativ aufwerten, um sie in Eigentum umzuwandeln.

Martina Kurth-Harms versicherte, dass in den Wohneinheiten für eine gute soziale Durchmischung gesorgt werden solle. „Wir brauchen Wohnraum nicht nur für Flüchtlinge. Es besteht auch Bedarf für Alleinerziehende, Ältere und finanziell schwächer gestellte Personen“, betonte die Stadträtin. Das geplante 16-Millionen-Programm der Stadt für den sozialen Wohnungsbau sei entwickelt worden, weil die Stadt viele Jahre lang in diesem Bereich nicht mehr investiert habe. Im Übrigen gehe es der Stadt darum, die Flüchtlinge dezentral in ordentlichen Wohnungen und nicht in Turnhallen oder Containern unterzubringen, wie dies beispielsweise in Hannover geschehe. „Wenn uns Flüchtlinge vom Land zugewiesen werden, müssen wir sie unterbringen“, betonte Martina Kurth-Harms, „da haben wir gar keine Wahl.“ Es sei aber völlig unklar, „ob in Rohrsen zu diesem Zweck irgendwann ein Spatenstich gemacht wird“, versuchte sie die Emotionen zu beruhigen. „Wir reden da im Augenblick vollkommen im Konjunktiv.“ Dass Rohrsen hoch belastet sei, wisse die Stadt selbstverständlich auch.

Auch dass die Stadträtin die Hamelner Bürger dafür lobte, dass viele bei der Stadt angerufen hätten, um Wohnungen anzubieten und sich der Flüchtlinge auch persönlich annehmen, sorgte nicht für Entspannung in dem Dorfgemeinschaftshaus. Stattdessen wurde nach einer intensiveren Belegung des „Englischen Viertels“ (siehe Seite 9) gefragt und weshalb sich die Stadt nicht um die fast einhundert Wohneinheiten an der Jahnstraße kümmere. Auf diese hat die Stadt allerdings keinen Zugriff, weil sie im Eigentum von Investoren sind.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt