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Übergangswohnung als Lösung für Andrang im Frauenhaus: Landkreis dagegen, Politik bisher dafür

Ringen um mehr Schutz

HAMELN. Immer mehr Frauen suchen Schutz im Frauenhaus, und immer mehr müssen abgewiesen werden (wir berichteten). Eines der Hauptprobleme ist die ungewollt lange Verweildauer in der Einrichtung, weil die Frauen im Anschluss keine Wohnung finden. Schuld ist die schwierige Situation auf dem Wohnungsmarkt. Deshalb ist der dringlichste Wunsch der Mitarbeiterinnen eine Übergangswohnung, denn im Frauenhaus sind die räumlichen Kapazitäten erschöpft.

veröffentlicht am 13.11.2018 um 16:32 Uhr
aktualisiert am 13.11.2018 um 17:50 Uhr

Wünschen sich eine Übergangswohnung für die schutzsuchende Frauen: Mitarbeiterinnen Heidi Schaper und Katrin Meister. Foto: Dana
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite

„Wichtig wäre, dass die Wohnung für uns fußläufig zu erreichen ist, denn die Frauen bedürfen noch der Betreuung und die Arbeitswege sollten nicht zu lang sein“, erklärte Katrin Meister vom Frauenhaus beim „Runden Tisch Frauenhaus“, den die Dewezet initiiert hat und bei dem die Mitarbeiterinnen ihre Arbeit umfassend vorstellten. Problematisch wäre eine Wohnung in einem anderen Einzugsbereich auch, weil die Kinder vieler Frauen oftmals bereits eine Kita oder eine Schule in der Nähe des Frauenhauses besuchen.

Praktisch heißt das, die Wohnung sollte im Bereich der Innenstadt liegen, Deister- und Kaiserstraße wäre auch okay, sagt Meister. Potenziellen Vermietern sollte bewusst sein, dass die Mieterinnen oft wechseln. Ein Vorteil wäre aber, dass regelmäßige Mietzahlungen durch das Amt gesichert seien.

Bisher ist die Übergangswohnung ein Wunsch. Ob überhaupt gesucht wird, muss die Politik entscheiden. Für die Idee einer solchen Wohnung hatten sich Vertreter parteiübergreifend ausgesprochen. Die CDU-Kreistagsfraktion stellte im September einen Antrag, um die Situation im Frauenhaus zu verbessern. Die Gruppe SPD/Helmuth Mönkeberg/ Grüne/Linke im Kreistag stellte ebenfalls einen Antrag zur Schaffung von zusätzlichem Wohnraum für das Frauenhaus durch die KSG.

Information

Forderungen an die Politik

  • Erweiterung der personellen Ressourcen.
  • Erweiterung der Anzahl der Zimmer im Frauenhaus selbst.
  • Kurzfristige Zurverfügungstellung von Übergangswohnungen beziehungsweise Anmietung von Wohnungen, damit Frauen mit ihren Kindern das Frauenhaus möglichst schnell wieder verlassen können. Dabei soll hauptsächlich Wohnraum in Hameln angemietet werden.
  • Aussetzung von Wohnsitzauflagen bei häuslicher Gewalt.
  • Erhöhung der Anzahl der ehrenamtlichen Helfer z. B. Integrationslotsen für die Zeit nach dem Aufenthalt im Frauenhaus.

Die Verwaltung des Landkreises indes ist dagegen. Dort möchte man, vereinfacht gesagt, nicht für die Kosten aufkommen, die von Frauen aus anderen Landkreisen verursacht werden, in denen weniger Frauenhausplätze zur Verfügung stehen als in Hameln. „Eine Ausweitung der Kapazität (...) könnten dazu führen, dass Frauen aus anderen Regionen noch stärker als bisher Zuflucht im Hamelner Frauenhaus suchen werden. Insofern werden Frauen aus dem Landkreis Hameln-Pyrmont von einer Erweiterung der Kapazität nur in geringem Maße profitieren“, heißt es in der Vorlage für den heutigen Ausschuss. Stattdessen will man mit dem Verein nach „Anschlusslösungen“ suchen. Im Auge hat man die Häuser im Englischen Viertel, wo die KSG bald günstigen Wohnraum anbietet. Die Häuser seien demnächst bezugsfertig, heißt es. Außerdem solle stärker nach Wohnraum in den übrigen Städten und Gemeinden gesucht werden. Das bedeutet im Klartext: Eventuell punktuelle Lösungen, statt einer dauerhaften, die den Landkreis zusätzlich Geld kostet.

Auch die Stadt Hameln ist von der Politik beauftragt worden zu prüfen, ob für Frauen mit ihren Kindern aus dem Frauenhaus Wohnungen über die HWG und GSW vermittelt werden können und nach Unterstützungsmöglichkeiten zu suchen.
Das Thema wird heute im Ausschuss für Soziales und Gesundheit behandelt, Beginn 15 Uhr, Kreishaus, Großer Sitzungssaal, sowie Donnerstag im städtischen Ausschuss für Familie, Kita, Schule und Sport, Beginn 16 Uhr, Forum Schiller-Gymnasium.



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