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Gute Resonanz auf Aufruf zum Schöffenamt

„Richter ohne Robe“ unverzichtbar

HAMELN. Angelika Warnecke will sich einen lang gehegten Wunsch erfüllen. „Schon als wir in der Schule über das Schöffenamt gesprochen haben, wollte ich das werden. Nach dem Dewezet-Aufruf ist es soweit.

veröffentlicht am 14.01.2018 um 13:03 Uhr

Michael Schmädecke verteilt die heiß begehrten Anmeldeformulare. Foto: eaw
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Ernst August Wolf Reporter
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Jetzt oder nie“, sagt die 57-Jährige. Rund 40 Interessenten waren der Einladung von Volkshochschule und Amtsgericht zur gemeinsamen Informationsveranstaltung gefolgt. Knapp zweieinhalb Stunden lang erfuhren die Schöffen in spe von den beiden Berufsrichtern Kathrin Heimann und Ulrich Schöpe viele Details über das Schöffenamt.

Die Themenbreite reichte dabei von den rechtlichen Grundlagen, dem Aufbau des Gerichtssystems, dem Ablauf eines Prozesses bis hin zu Fragen der Kostenerstattung. Den beiden Volljuristen gelang es, die trockenen Inhalte durchaus nachvollziehbar und anschaulich zu verdeutlichen.

Für den Amtsgerichtsdirektor Dr. Herbert Seutemann eröffnet das Schöffenamt den Interessenten eine gänzlich neue Welt. „Sie können da in ein Netzwerk schauen, da wir auch mit sozialen Einrichtungen zusammen arbeiten. Und Sie erhalten Einblicke in menschliche Problematiken, von jenen, die Fehler, auch schwere Fehler gemacht haben. Und Sie müssen Charaktere mit beurteilen, von Zeugen, Tätern und Opfern.“ Keine leichte Aufgabe. Für Besserwisser, Weltverbesserer oder gar Law-and-Order-Typen ist das Schöffenamt nach Meinung der Juristen deshalb keinesfalls geeignet.

Seutemann: „Man muss dem Täter gerecht werden wie auch den Opfern, ein komplexer, schwieriger Vorgang, den man keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen darf.“ Wer ins Schöffenamt will, der muss sich an seine Kommune wenden. Die allerdings haben sämtlich unterschiedliche Anmeldefristen. „Da der Rat nach Diskussion im Verwaltungsausschuss die Vorschläge absegnen muss, muss das alles in die jeweiligen Sitzungskalender eingepasst werden“, so Michael Schmädecke vom Landesverband der Schöffinnen und Schöffen. Interessenten sollten sich per Anmeldungsformular deshalb so schnell wie möglich bei ihrer Kommune auf die Liste setzen lassen. Deutliche Kritik äußerte Schmädecke an der immer wieder zu beobachtenden Praxis, dass vor allem Arbeitgeber im öffentlichen Dienst das verpflichtende Schöffenamt ihrer Mitarbeiter in deren Freizeit drängen wollten. „Die machen die Dienstpläne dann bewusst so, dass eine Befreiung nicht möglich ist.“ Ein unzulässiges Verfahren, denn Arbeitgeber sind – gegen entsprechende Entschädigung – kraft Gesetz verpflichtet, Schöffen für den Zeitraum ihres Einsatzes freizustellen.

Auch die Altersgrenze stieß bei Schmäckede auf Unverständnis. „Mit 69 ist Schluss. Das ist widersinnig, denn heute werden die Menschen älter und gerade die sollten ihre Lebenserfahrung aktiv einbringen können“, forderte er. Dass jeweils die doppelte Anzahl der benötigten Schöffen zur Verfügung stehen muss, sieht der 65-Jährige als nicht notwendig an. „Der Faktor 1,5 reicht“, meint er. Der allerdings wird nach der VHS-Info-Veranstaltung im Landkreis sicher erreicht werden.

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