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Vogel unverletzt in Freiheit entlassen

Rettung: Uhu verfängt sich in Hühnerzaun

TÜNDERN. Jörg Rolla zögerte keine Sekunde, als er das gefangene Tier in seinem Garten sah. Ein Uhu war in einem grobmaschigen Hühnerzaun steckengeblieben. Allein konnte sich das Tier nicht aus den Maschen befreien. Kompliziert wurde es erst, als er nach Hilfe suchte, um den Vogel untersuchen zu lassen.

veröffentlicht am 29.05.2018 um 17:01 Uhr
aktualisiert am 29.05.2018 um 17:40 Uhr

Jörg Rolla entlässt den Vogel wieder in die Freiheit. Foto: Nicole Rolla
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Ein Uhu ist hauptsächlich nachtaktiv. Allenfalls in der Brutzeit jagt der Vogel auch tagsüber, um seine Jungen mit ausreichend Nahrung zu versorgen. Am helllichten Tag steckte einer der lautlos fliegenden Vögel in der Klemme. Genauer in einem grobmaschigen Hühnerzaun. Ein Uhu war in das Hindernis auf einem Grundstück in Tündern geflogen. Allein konnte sich das Tier nicht aus den Maschen befreien. Hilflos und erschöpft hing das Tier zwischen Kunststoffschnüren, als es am Sonntagvormittag gefunden wurde.

„Als ich gegen 7.30 Uhr in den Garten kam, entdeckte ich plötzlich ein Häufchen Elend“, erzählt Jörg Rolla. Eigentlich wollte der Tünderaner in der Frühe ganz andere Haufen beseitigen: Maulwurfshaufen auf seinem Rasen sollten plattgemacht werden. „Wie jeden Morgen“, sagt Rolla. Das Tier hat bei seinem Flugunfall Glück im Unglück gehabt. Der Zaun stand nicht unter Strom. „Glücklicherweise hatten die Kinder abends mal wieder vergessen, den Zaun einzuschalten“, erklärt der Naturfreund.

Rolla zögerte nicht lange. Er zog sich schwere Schweißhandschuhe an, griff nach einem Taschenmesser und schnitt den schon entkräftet und verstört wirkenden Vogel frei. Bei dem Versuch ihn auf die Füße zu setzen, sei der Vogel immer wieder umgefallen, so Rolla. „

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Das Tier hängt in den Zaunmaschen fest. Foto: Nicole Rolla

„Ich brachte das Tier in unseren leicht dämmrigen Gartenschuppen, legte ihn zunächst auf den Tresen und holte ihm eine Schale mit frischem Wasser. Als ich wiederkam, stand er bereits wieder auf seinen Beinen, wirkte jedoch noch etwas verwirrt“, sagt 40-Jährige.

Er war sich sicher, dass der Uhu mehr benötigte, als nur frisches Wasser und vielleicht verletzt war. Ein Anruf bei der Polizei brachte Rolla weiter. Die Beamten erklärten ihm, dass weder sie noch ein Jagdpächter für das geschützte Tier – Uhus unterliegen nicht dem Jagdrecht – zuständig seien. Die Polizei bot dem Mann an, den Uhu von den Tierrettern der Feuerwehr in das Wisentgehege bringen zu lassen.

Das wollte Rolla jedoch selbst erledigen. Am Telefon erfuhr er, dass man ihm in Springe nicht helfen konnte und verwies ihn an die Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen. Dort erreichte der Tünderaner allerdings niemanden. Zu guter Letzt halfen Tierärzte in Osterwald. „Zwei sehr freundliche Damen untersuchten den Vogel und konnten keine Brüche oder Verletzungen feststellen. Sie haben ihn zur Beobachtung dabehalten und liebevoll versorgt“, so der erleichterte Tierretter.

Am Montag konnten Rollas den Uhu aus der Tierklinik abholen und am Abend wieder in die Freiheit entlassen. Der Vogel habe einen ganz anderen Eindruck gemacht als noch am Tag zuvor. „Er hatte wieder das majestätische Auftreten eines ordentlich großen Greifvogels“, freut sich Jörg Rolla.

Die Bestände des geschützten Vogels haben sich in den letzten Jahren erholt. Es gibt kaum einen Steinbruch, in dem nicht ein Uhu-Paar Junge aufzieht. Auch in Wäldern brüten Uhus, sagt Erhard Lefers vom Naturschutzamt. Obwohl die Vögel sehr gut sehen können, komme es immer wieder vor, dass Uhus sich in Zäunen verfangen. Selbst aus den Netzen von Fußballtoren habe man schon Uhus befreien müssen, weiß Dr. Florian Brandes von der Wildtier- und Artenschutzstation. „Die erkennen die großmaschigen Zäune zwar, versuchen aber dennoch, hindurchzufliegen. Ähnlich wie ein Sperber, der bei der Jagd durch ein Gebüsch fliegt“, erklärt der Tierarzt.



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