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Ärger um Gelben Sack: Landkreis, Stadt und KAW schalten sich ein / Landrat Bartels kritisiert Auftragsvergabe

Remondis wird Abfuhr-Frist gesetzt

HAMELN-PYRMONT. In den Ärger um die Abholung der Gelben Säcke hat sich nun auch Hameln-Pyrmonts Landrat Tjark Bartels (SPD) eingeschaltet. Bartels zeigt sich „höchst verärgert“ über das Entsorgungsunternehmen Remondis, das zum Jahreswechsel die Abfuhr der Gelben Säcke im Landkreis Hameln-Pyrmont übernommen hatte. Der Landkreis hat dem Unternehmen nun eine Abfuhr-Frist gesetzt.

veröffentlicht am 15.01.2019 um 18:20 Uhr
aktualisiert am 15.01.2019 um 20:50 Uhr

Gelbe Säcke im Wind: Auch an der Hamelner Schillerstraße ließ das Abholfahrzeug lange auf sich warten. Foto: dana
Lars Lindhorst

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Lars Lindhorst Reporter zur Autorenseite
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Bartels spricht von einer „äußerst ungünstigen Regelung“, wonach Remondis für die nächsten drei Jahre den Zuschlag für die Entsorgung der Gelben Säcke erhalten hatte.Hunderte von Beschwerden in schriftlicher und mündlicher Form seien in den letzten Tagen im Hamelner Kreishaus eingegangen. „Die Bürger sind in hohem Maße verärgert über die nicht abgeholten Gelben Säcke“, heißt es in einer Mitteilung des Kreishauses vom Dienstag. Der Ärger in der Bevölkerung werde zudem durch die „nahezu unmögliche Erreichbarkeit“ von Remondis verstärkt. Das Entsorgungsunternehmen sei ganz offensichtlich „überfordert mit diesem Auftrag“ – dies, „obwohl es sich nicht um einen Branchenneuling handelt“.

Landrat Bartels bedauert es nun sehr, dass die Gelben Säcke nicht mehr von der heimischen Kreisabfallwirtschaft (KAW) eingesammelt werden. Die kreiseigene KAW habe die Abfuhr immerhin „pünktlich und verlässlich“ erledigt.

Wie berichtet, hatte das Duale System Deutschland (DSD) die Gelbe-Sack-Entsorgung zum 1. Januar 2019 an Remondis vergeben. Bis Ende vergangenen Jahres hatte sich die KAW gemeinsam mit dem privaten Entsorger Tönsmeier um die Gelben Säcke in Hameln-Pyrmont gekümmert. Dann wurde der Auftrag von DSD neu ausgeschrieben. Auch die KAW hatte sich erneut beworben, war dem Remondis-Angebot allerdings unterlegen. Die Remondis Kiel GmbH bekam den Zuschlag von DSD, einem Unternehmen, das im Herbst vergangenen Jahres von dem Remondis-Konzern gekauft worden war.

Tjark Bartels, Landrat Hameln-Pyrmont

KAW kritisiert: Kontaktaufnahme zu Remondis ist erfolglos verlaufen

„Wir können die derzeitige Situation, in der wir aufgrund bestehender Vertraglichkeiten nicht mehr zuständig sind, zwar nicht ändern, dennoch ist die hier gelaufene Vergabepraxis genauestens unter die Lupe zu nehmen“, kündigt der Landrat an. „Und auch der Bund ist gehalten, darüber nachzudenken, ob mit dieser Regelung nicht der Bock zum Gärtner gemacht wurde.“

Die KAW-Betriebsleiterin Sabine Thimm hatte kürzlich in der Dewezet vermutet, dass der kreiseigene Entsorger offenkundig ein zu teures Angebot abgegeben habe. Bartels dazu: „Hier zeigt sich einmal mehr sehr deutlich, dass billig nicht unbedingt besser bedeutet.“ Die KAW hat ihrerseits das Duale System Deutschland dazu aufgefordert, hinsichtlich der kreisweit liegen gebliebenen Gelben Säcke unverzüglich Abhilfe zu schaffen. In einem Schreiben der KAW, das dieser Zeitung vorliegt, setzt der Hamelner Entsorger dem Dualen System eine Frist bis Mittwoch, 16. Januar: Bis dahin sollen die nicht abgeholten oder liegen gebliebenen Säcke abgeholt sein. Das DSD solle das beauftragte Unternehmen Remondis Kiel GmbH darüber hinaus auf die Einhaltung der vertraglichen Bestimmungen hinweisen.

Hier zeigt sich einmal mehr sehr deutlich, dass billig nicht unbedingt besser bedeutet.

Tjark Bartels, Landrat Hameln-Pyrmont

„Kein Durchkommen“ bei der Hotline, an die die Kunden verwiesen worden seien, bemängelt auch die KAW in dem Schreiben. In dieser Folge seien etliche Anrufe im Kundencenter der KAW gelandet. „Vielen Anrufern ist nicht verständlich zu machen, dass die Beauftragung von Remondis im Rahmen des Dualen Systems erfolgt ist und machen den Landkreis Hameln-Pyrmont für die Mängel verantwortlich“, heißt es in dem Schreiben weiter. Auch der KAW hätten bislang keine Informationen von Remondis vorgelegen, wie und wann die nicht erfolgten Abholtermine nachgeholt werden sollen. Versuche der Kontaktaufnahme mit Remondis seitens der KAW seien erfolglos verlaufen. „Erbetene Rückrufe erfolgten nicht“, so die KAW, die in dem Schreiben eine sogenannte Ersatzvornahme ankündigt. Heißt: Sollte Remondis die Säcke nicht unverzüglich entsorgen, macht es jemand anders – allerdings auf DSD-Kosten.

Bereits am Montag hatte der Hamelner Ratsherr und Kreistagsabgeordnete Rüdiger Zemlin (FDP) beim Landkreis und der Stadt Hameln eine Ordnungswidrigkeitsanzeige erstattet. Auch er wirft Remondis vor, seiner Verpflichtung, die Gelben Säcke pünktlich abzuholen, nicht nachzukommen.

Hamelns Stadtsprecher Thomas Wahmes teilte am Dienstagabend mit, dass auch aus dem Rathaus ein Schreiben aufgrund liegen gebliebenen Mülls an Remondis gegangen ist. „Nicht akzeptabel“ sei es, dass Gelbe Säcke auf den Straßen liegen würden. Laut Wahmes werden die Säcke teils von städtischen Betriebshofmitarbeitern eingesammelt. Die Stadt Hameln habe Remondis „über Handlungsbedarf informiert und angekündigt, den zusätzlichen Aufwand in Rechnung zu stellen“, so Wahmes.



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