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Hamelner Zulieferer leidet unter der globalen Schiffbau-Krise – und reagiert mit Betriebsruhe

Reintjes erneut in der Krise

veröffentlicht am 16.09.2016 um 10:50 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:56 Uhr

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Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Die Auslastungsquote bei Reintjes liegt nach Darstellung von Pressesprecherin Vanessa Plenker „bei 60 bis 80 Prozent“. Betriebsratschef Kai Marschner modifiziert diese Aussage mit den Worten „wohl eher bei 60 Prozent“. Seit letztem Jahr gehen die Aufträge in der Branche teilweise dramatisch zurück, was eben auch der international tätige Getriebespezialist aus Hameln deutlich spürt.

Gerüchte, dass Reintjes vor einer Entlassungswelle stehe, wollen weder Geschäftsleitung noch Betriebsrat bestätigen. Unternehmenssprecherin Plenker: „So etwas ist nicht geplant.“ Aus einer Betriebsversammlung ist zudem von Mitarbeitern überliefert, dass der Reintjes-Geschäftsführer Klaus Deleroi gesagt habe, er wolle „Entlassungen auf jeden Fall vermeiden“.

Nichtsdestotrotz ist die Situation offenbar ernst und angespannt. Plenker erklärt: „Der Markt ist in der Krise, die aktuelle Situation ist nicht rosig. Um die geringe Auslastung abzufedern und Entlassungen zu vermeiden, verlängern wir die traditionelle Betriebsruhe zum Jahreswechsel bis zum 13. Januar.“ Dieses Instrument soll helfen, die 400 Stellen im Unternehmen zu erhalten. Plenker weiter: „Wenn der Plan nicht aufgehen sollte, dann schauen wir weiter. Aber wir glauben daran, dass er funktioniert.“

Im weltweiten Schiffbau ist der jahrelange Boom einer tiefen Krise gewichen. Für die Branche sind dunkle Wolken am Horizont heraufgezogen. Aus der einstigen Auftragsflut im Schiffbau ist ein schmales Rinnsal geworden. Wegen der seit Jahren anhaltenden Schifffahrtskrise, Überkapazitäten im Markt und knapper Investitionsmittel bestellen die Reeder gegenwärtig kaum noch Schiffe. In diesem Jahr gingen bei den Werften Aufträge über 225 Schiffe ein, bis zum Jahresende dürften es kaum mehr als 500 werden. Das sind nicht einmal halb so viele wie erwartet. Auch der Offshore-Bereich läuft nicht gut, weil die Ölpreise nur noch halb so hoch sind wie vor zwei Jahren. Das schlägt auf mittlere Sicht auch auf Zulieferer wie Reintjes durch.

Die Branche besteht in Deutschland aus rund 400 Industrieunternehmen mit einem Jahresumsatz von zuletzt 11,7 Milliarden Euro und ist damit deutlich größer als der deutsche Schiffbau selbst. Der Exportanteil beträgt mehr als 70 Prozent. Die Unternehmen sind nicht nur in den Küstenländern ansässig, sondern ebenso in Niedersachsen, Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Die Zulieferer produzieren maritime Komponenten für die Werften in der EU ebenso wie für die drei großen Schiffbauländer China, Korea und Japan.

Die Tatsache, dass Reintjes-Betriebsratschef Marschner von der Geschäftsführung keine Informationen über Entlassungen in größerem Stil oder einen Sozialplan bekommen hat, wertet dieser zwar als eher gutes Zeichen – doch weiß Marschner auch um die Gefährlichkeit der wirtschaftlichen Situation des Industriespezialisten: „Fast allen Mitarbeitern ist bewusst, wie die Situation ist, dass wir einen relativ großen Umsatzeinbruch haben und es dem Unternehmen nicht gut geht.“ So sei die aktuelle Situation sogar schlechter als seinerzeit in den Jahren nach der Finanzkrise 2008/09, als auch die Schiffbaubranche nach der US-Immobilienblase und der Finanzkrise wie alle anderen global tätigen Branchen in die Weltwirtschaftskrise schlidderte. Auch damals litt Reintjes unter einer geringen Zahl an Auftragseingängen. Marschner vergleicht die Situation von damals mit jener von heute: „Damals haben wir noch Gewinne gemacht.“



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