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Archäologen legen Diele aus dem 13. Jahrhundert frei / Wertvolle Funde für die Dauerausstellung

Reiche Ernte bei Grabung in Hamelns Museum

Hameln (ni). Das Hamelner Museum geht seiner baugeschichtlichen Vergangenheit auf den Grund. Bis ins 13. Jahrhundert haben sich die Archäologen in der Diele des Leisthauses schon nach unten vorgegraben und dabei auch eine Keramikscherbe aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts gefunden.

veröffentlicht am 02.02.2009 um 19:34 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 13:41 Uhr

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Die Grabung vollzieht sich hinter den verschlossenen Türen des leergeräumten Museums. Doch was sie ans Licht der Gegenwart bringt, soll der Öffentlichkeit nach Umbau und Erweiterung des Hauses so weit wie möglich zugänglich gemacht werden. Wie etwa eine mit grobem Kies und Backsteinen gepflasterte Diele, die etwa 60 Zentimeter unter dem ehemaligen Eingangsbereich des Museums verborgen lag und jetzt von Grabungsleiter Dr. Thomas Küntzel und seinen Mitarbeitern Sabrina Reichler und Gregor Brose freigelegt wurde. Und die darauf hindeutet, dass das in der Renaissance erbaute Leisthaus einen deutlich älteren Vorgänger hatte.

Ein Fenster in die

Vergangenheit

Möglicherweise ein „Steinwerk“ – ein Steinhaus, wie es im Mittelalter „nur die besonders wohlhabenden Bewohner der Stadt hatten“, so die Vermutung Küntzels. Ein solches Steinwerk ist als Teil des Museumskomplexes bis heute erhalten und vom Museumshof aus gut zu erkennen. Das zur Osterstraße gelegene Steinhaus sei vermutlich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts abgerissen worden; darauf deuteten zumindest die Schätze hin, die die Ausgrabung zutage gefördert habe: viele Keramikscherben aus dem 13. Jahrhundert und eine noch frühere; die allerdings entdeckten die Experten in einem erst in der Neuzeit gebuddelten Graben für die Kanalisation. In welchen bauhistorischen Kontext dieser Fund einzuordnen ist, sei noch nicht geklärt, so Küntzel.

Jüngeren Datums, dafür aber „recht erlesen“ sind die glänzend dunkelgrün glasierten Ofenkacheln, die die Archäologen im hinteren Teil des Eingangsbereiches fanden – direkt unter der Treppe, die in das ehemalige Museumsbüro im Steinhaus führte. Küntzel ordnet sie dem 16. Jahrhundert zu. Nahezu unversehrt erhalten ist ein rechteckiges Exemplar mit einem Portrait-Medaillon in der Mitte. Andere, länglich geformte Kacheln zeigen biblische Szenen aus dem Alten Testament.

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Aus etwa der gleichen Zeit stammen die Scherben von Keramikgefäßen, die im sogenannten „Pottland“ zwischen Alfeld, Duingen und Coppengrave produziert wurden. Und ein Kleinod unter den Funden: der obere Teil einer 500 Jahre alten „Schnelle“ – eines schlanken, hohen Bierseidels, einst in einer Töpferei in Siegburg bei Köln hergestellt. Was diese Gefäße auszeichnet, ist der fast weiße Ton, aus dem sie gebrannt und die kunsthandwerklich äußerst hochwertige Verzierung, mit der sie versehen wurden.

Die Fundstücke haben im neuen Museum schon einen festen Platz: als Exponate in der geplanten Dauerausstellung zu Handel und Wandel in der Historie Hamelns. Damit die Besucher im umgebauten Leisthaus später außerdem sehen können, „dass auch dieses Gebäude eine Geschichte hat“, laufen laut Museumsleiterin Dr. Gesa Snell zurzeit Überlegungen, Teile der Ausgrabung ebenfalls in das neue Konzept zu integrieren. Eine denkbare Version: Die freigelegte Diele unter dem Eingangsbereich durch eine Glasplatte abzudecken und so das von den Archäologen geöffnete Fenster in die Vergangenheit auch künftig offen zu halten.



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