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Miteigentümer will Vollstreckung verhindern

Redenhof droht Zwangsversteigerung

HAMELN. Der Redenhof soll zwangsversteigert werden. Kurz vor Weihnachten soll der letzte noch erhaltene Adelshof in Hameln laut Amtsgericht Hameln unter den Hammer kommen. Der Verkehrswert belaufe sich auf 924 000 Euro. Dabei hatte die Erbengemeinschaft von Reden in den letzten Jahren erst umfangreich in die Sanierung des jahrhundertalten Hofs investiert. Sollte der Redenhof und mit ihm das gesamte Rittergut Hameln nun – fast auf den Tag genau 450 Jahre nach dem Erwerb von Grund und Boden – tatsächlich den Besitz der namensstiftenden Adelsfamilie von Reden verlassen? Nicht, wenn es nach Eckart von Reden geht.

veröffentlicht am 12.07.2018 um 15:19 Uhr
aktualisiert am 13.07.2018 um 16:40 Uhr

Eines der beiden Mehrfamilienhäuser des Redenhofs ist mitsamt der Parkanlage in den vergangenen Jahren aufwendig saniert worden. Die Sanierung des sogenannten Herrenhauses nebenan steht noch aus. Foto: Dana
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Eckart von Reden ist eine der drei Eigentümerparteien und Verwalter des Ritterguts Hameln, dessen Mittelpunkt der Redenhof bildet. Auf Anfrage stellt von Reden klar: „Das Rittergut ist schuldenfrei.“ Es handele sich also nicht um eine Zwangsversteigerung „auf Forderungen“. Grund für die vom Amtsgericht anberaumte Zwangsvollstreckung sei vielmehr eine sogenannte Teilungsversteigerung. Die kann anfallen, wenn, wie hier der Fall, eine Erbengemeinschaft aufgelöst werden soll. Eine Miteigentümerpartei, die Erbinnen des verstorbenen Arnd von Reden, wolle schon seit längerem aus dem gemeinsamen Erbe rausgekauft werden, schildert Eckart von Reden. Allerdings hätten die drei Eigentümerparteien bislang keine Einigung über den Kaufpreis finden können. „Seit fast fünf Jahren werden Verfahrensweisen und Abfindungsberechnungen sowie ein Gutachten zur Bewertung des Gesamtbesitzes – ein zweistelliger Millionenwert im unteren Segment – erstellt“, führt von Reden aus.

Das heißt: Tatsächlich gehe es nicht nur um den Redenhof, sondern um das gesamte Rittergut der Familie von Reden. Dies umfasse Ländereien – mitsamt Land- und Erbpacht sowie Mietwohnungen – in einer Größe von knapp 100 Hektar in und um Hameln. Alle damit verbundenen rund 180 Verträge drohten nun zwangsversteigert zu werden. Denn da sich die Eigentümer bislang auf keinen Kaufpreis hätten einigen können, habe die eine Eigentümerpartei nun die Teilungsversteigerung beim Amtsgericht beantragt.

Für Eckart von Reden nur schwerlich nachvollziehbar. Für ihn und andere sei immer klar gewesen, das Erbe in der Familie fortzuführen. So habe es Ernst von Reden, der das Rittergut am 4. Juli 1568 – also vor genau 450 Jahren – erwarb und den Redenhof erbauen ließ, in seinem Testament festgehalten und so sei es auch von seinen Nachfolgern fortgesetzt worden.

Eckart von Reden Foto: Archiv
  • Eckart von Reden Foto: Archiv
Auch die „Klönecke“ am Ostertorwall wurde zuletzt im Zuge der Sanierung des Redenhofs wieder in Schuss gebracht. Foto: Dana
  • Auch die „Klönecke“ am Ostertorwall wurde zuletzt im Zuge der Sanierung des Redenhofs wieder in Schuss gebracht. Foto: Dana

Doch nun steht alles auf dem Spiel. „Welche Volte, die Ehefrau und Tochter (von Arnd von Reden; Anm. d. Red.) klagen und streiten mit ihren Verwandten 1. Grades über den Besitz“, sagt Eckart von Reden. „Wenn das der Ehemann und Vater der beiden Klägerinnen wüsste, hätte er keine ruhige Minute in seinem Grab.“

Dennoch bleibt Eckart von Reden zuversichtlich. „Es wäre eine bittere Veranstaltung, wenn es nicht gelänge, den Erbenstreit vor den anstehenden Versteigerungen aller Grundstücke und des Redenhofs zu beenden“, sagt er.

In den vergangenen fünf Jahren sei nicht nur viel Geld, sondern auch „viel Herzblut“ und „sehr viel Zeit“ in die Sanierung und Neugestaltung des Redenhofs gesteckt worden (wir berichteten). Daher versuchten Eckart von Reden und ein weiterer Miteigentümer derzeit mit ihrer Hausbank, eine Finanzierung für den Kaufpreis sowie die entsprechenden Verträge mit ihren Notaren und Beratern zu erarbeiten. „Das Gebilde ist aber aufgrund von Nießbrauchansprüchen und der vielen Grundstücksverträge nicht so einfach zu erstellen“, so von Reden. Über allem schwebe „die bisher ungeklärte Preisgestaltung“.

Dabei wollten die von Redens in diesem Sommer doch, wie berichtet, eine große 450-Jahr-Feier auf dem Redenhof veranstalten. Daran soll sich auch nichts ändern, sagt Eckart von Reden gegenüber der Dewezet. Die Feier solle unverändert am 1. September im Kreise der gesamten Familie und Gästen stattfinden. Von Reden rechnet an diesem Tag mit dem Besuch von etwa 80 der heute rund 120 noch lebenden Familienmitglieder. „Der Redenhof ist so eine Art Nucleus für die weitverzweigte Familie“, sagt Eckart von Reden.

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