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Reaktionen auf umstrittenes Grass' Gedicht: "Er soll sich aus der Politik heraushalten"

veröffentlicht am 06.04.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:34 Uhr

Hameln (HW). Das Gedicht von Günter Grass (84) „Was gesagt werden muss“, das der Literaturnobelpreisträger am Mittwoch dieser Woche in der „Süddeutschen Zeitung“ veröffentlicht hat, stößt auf heftige Kritik. Die Dewezet hat in Hameln Reaktionen eingeholt.

Grass sollte sich aus der Politik heraushalten, „wenn er nichts davon versteht“, fordert Rachel Dohme. Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Hameln bekennt zwar, das Gedicht wegen der Vorbereitung des Pesach-Festes noch nicht gelesen zu haben, doch die gestrigen Schlagzeilen sind auch ihr ins Auge gesprungen. „Ich denke, er hätte seine Kritik auch gegen den Iran und nicht nur gegen Israel richten sollen. Aber bevor ich das Gedicht nicht gelesen habe, werde ich mich dazu nicht äußern“, meinte Dohme auf Anfrage.

Einen Befürworter findet der Nobelpreisträger jedoch in Bernhard Gelderblom. „Ich kann Günter Grass nicht widersprechen“, erklärte der Hamelner Historiker. Ein Erstschlag der Israelis wäre eine Katastrophe. Es sei nach wie vor eine Vermutung, dass der Iran atomar aufrüste, was jedoch keinen Krieg rechtfertige, so Gelderblom. In eine antisemitische Ecke will er den Schriftsteller nicht gerückt wissen: „Da darf er nicht hingestellt werden. Er fühlt sich Israel verbunden. Und so geht es auch mir – mit vielen, vielen Kontakten zu ehemaligen Hamelner Juden.“

In seinem neuesten Werk äußert sich der gebürtige Danziger politisch und behauptet, dass Israel den Weltfrieden gefährde und den Iran bedrohe. Der Kernsatz, der bundesweit für Empörung sorgt: „Warum sage ich jetzt erst, gealtert und mit letzter Tinte: Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden? Weil gesagt werden muss, was schon morgen zu spät sein könnte; auch weil wir – als Deutsche belastet – Zulieferer eines Verbrechens werden könnten, das voraussehbar ist, weshalb unsere Mitschuld durch keine der üblichen Ausreden zu tilgen wäre.“ In seinem Gedicht geißelt der Schriftsteller zudem die geplante Lieferung eines deutschen U-Boots nach Israel, „… dessen Spezialität darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe dorthin lenken zu können, wo die Existenz einer einzigen Atombombe unbewiesen ist, doch als Befürchtung von Beweiskraft sein will, sage ich, was gesagt werden muss.“



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