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Historikerin hilft beim Einschätzen des Wertes

Rattenfängerhaus verkauft Inventar: Flohmarkt Anfang Juni

HAMELN. Für Flohmarktliebhaber gibt es einen interessanten Termin am Sonntag, 2. Juni: Ein Flohmarkt im geschichtsträchtigen Rattenfängerhaus. Betreiberin Christina Hartlieb-Fricke schließt das Traditionsrestaurant Ende des Jahres. Bis dahin will sie möglichst viel vom Inventar verkaufen. Beim Einschätzen des Wertes steht ihr Kunsthistorikerin Dr. Silke Köhn zur Seite.

veröffentlicht am 24.05.2019 um 17:25 Uhr
aktualisiert am 24.05.2019 um 19:40 Uhr

Kunsthistorikerin Dr. Silke Köhn hat beim Einschätzen des Wertes der vielen Gegenstände. Foto: Dana
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Auf acht Tischen stehen in der Mitte des Raumes Gläser, Services, Kupfertöpfe, Zinnbecher, Bilderrahmen und und und... An den Wänden geht es mit Tischen, Schränken, Bildern und Truhen weiter, auch alte Nähmaschinen (noch funktionstüchtig) sind dabei. All das, was im ersten Stock des Rattenfängerhauses liebevoll aufgebaut ist, hat sich im Laufe des Gastronomenlebens der Familie Hartlieb-Fricke angesammelt. Und das ist nicht wenig. Zum Sammeln gab es Platz auf 500 Quadratmetern, sagt Christina Hartlieb-Fricke. Die Gastronomin wird Ende des Jahres den Betrieb des traditionsreichen Lokals in einem der geschichtsträchtigsten Häuser Hamelns einstellen (wir berichteten). Bis dahin möchte sie möglichst viel vom Inventar verkaufen.

Doch mitunter geht es ihr wie den Leuten, die (Kunst-) gegenstände in der Sendung „Bares für Rares“ vorstellen: Sie kann den Wert der Dinge, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben, nicht einschätzen. Deshalb hat sie sich Hilfe bei der Kunsthistorikerin Dr. Silke Köhn geholt. Köhn und ihr Partner Dr. Oliver Gradel sind in Hameln keine Unbekannten: Sie halten im Kunstkreis regelmäßig die Kunstsprechstunde ab, bei der Interessierte ihre „Schätze“ begutachten lassen können.

Dr. Silke Köhn hat die GEgenstände in drei Gruppen eingeteilt: Die erste beinhaltet Dinge, die sich über einen langen Zeitraum im Restaurant angesammelt haben, in der zweiten sind die Objekte mit Rattenfängermotiv und in der dritten diejenigen mit Bezug zur Hamelner Geschichte.

2 Bilder
Für Liebhaber: alte Bügeleisen, die auf der Herdplatte warm gehalten wurden. Foto: Dana

Dazu gehört zum Beispiel ein großformatiges Bild, einst eine Auftragsarbeit für das ehemalige Hotel Thiemann. Ob diese kulturhistorisch wertvollen Dinge verkauft werden sollen, oder ob die Stadt Hameln unter Umständen Interesse daran haben könnte, müsse noch geklärt werden. Wichtig ist der Gastronomin, dass solche Dinge nicht einfach verschleudert werden. „Das ist auch der Grund, warum ich Frau Dr. Köhn angesprochen habe.“ Privat kennen sich die Frauen schon seit Jahren.

Für die Kunsthistorikerin ist die Aufgabe gar nicht so ungewöhnlich: Es gehöre nicht zum Schwerpunkt ihrer Arbeit, aber es komme vor, dass sie Inventare für Sammlungen erstellen muss. Diese Aufgabe ist ihr auch schon mal in einem Haus mit einer unglaublich großen Sammlung zugefallen: „Bei 10 000 Teilen haben wir aufgehört.“

Mittlerweile ist Köhn für Begutachtungen bundesweit unterwegs. Um die Preise realistisch einschätzen zu können, bedürfe es viel Erfahrung. Bei ihr sind es 25. Köhn sieht die Schätzchen sofort, hat quasi einen eingebauten Scanner. Bei Christina Hartlieb-Fricke gehört zum Beispiel ein Rosalinglas aus der Biedermeierzeit dazu, das dem Laien wohl kaum aufgefallen wäre. Doch nicht alles, was alt sei, sei automatisch wertvoll. Auch hier bestimme die Nachfrage den Preis. „Das ändert sich ständig“, sagt sie. Um sich auf dem Laufenden zu halten, besucht Köhn auch große Flohmärkte, wie den in Leipzig (der größte in Deutschland) oder in Tongeren, Belgien. Allerdings seien Flohmärkte längst nicht mehr so gefragt wie früher. Das habe vor allem mit dem Internet, speziell eBay zu tun. Beim Flohmarkt im Rattenfängerhaus finde sich für jeden etwas, sagt Köhn. Die Preise würden sich zwischen einem und 500 Euro bewegen. Der Flohmarkt beschränke sich auf den einen Raum, der laufende Betrieb soll nicht gestört werden. Fertig ist die Kunsthistorikerin übrigens noch lange nicht: Je nachdem, wie der Flohmarkt läuft, soll es auch noch einen zweiten und dritten Termin (nach der Schließung) geben.


Flohmarkt, 2. Juni, ab 10 Uhr an der Osterstraße im Rattenfängerhaus.



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