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Auch Jahrhunderte nach dem sagenhaften Auftritt des Pfeifers haben Schädlingsbekämpfer alle Hände voll zu tun

„Rattenfänger“ mit Köder und Spritze

Hameln. Wenn er auf den Plan tritt, hat meistens jemand anderes ein Problem – nicht selten mit lästigen Tierchen: Ralf Schmidt ist einer von drei Schädlingsbekämpfern der Hamelner Firma Klimasch. „Kammerjäger? Nein“, korrigiert er: „So heißen wir schon lange nicht mehr.“ Und auch das Aufgabenfeld ist längst breiter und umfassender geworden oder hat sich im Tierbereich durch eingeschleppte Arten erweitert. „Marder“, sagt Schmidt, „die gibt’s schon seit Jahren in der Stadt. Aber jetzt bekommen wir es immer häufiger mit Waschbären zu tun.“ Die seien sehr viel aggressiver als das Fluchttier Marder und auch schwieriger zu bekämpfen. Auf der Schädlingsliste ganz oben aber stehen – wie könnte es in Hameln anders sein: Ratten und Mäuse. Vor allem auf landwirtschaftlichen Flächen werden sie zur Plage – „seit immer mehr Mais angebaut wird“, weiß der Schädlingsbekämpfer aus Erfahrung: „In Maisfeldern fühlen sich Ratten richtig wohl.“

veröffentlicht am 02.07.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 16:41 Uhr

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Autor:

Karin Rohr
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Erfahrung. Das ist – neben einer soliden dreijährigen Ausbildung, die sich auf alle Aufgabenfelder bezieht – das A und O in seinem Berufsstand. Mit jedem Fall kommen neue Erkenntnisse und neues Wissen hinzu. Die Sach- und Fachkunde, die der 46-Jährige bei seinen Einsätzen mitbringt, sind für die Betroffenen oft hilfreich. Wenn so ein Marder gerade mal wieder unter der Motorhaube eines Autos gewütet, Kabel gezogen und zerbissen hat, dann hilft Schmidt eben nicht nur mit dem Ausspritzen der Garage mit einem Vergrämungsmittel, sondern hat auch noch ein paar zusätzliche Tipps parat, wie man des Deutschen „liebstes Kind“ gegen Beißattacken ungeliebter Marder schützen kann.

Gerade ist Ralf Schmidt in eine Tiefgarage im Herzen von Hameln gerufen worden, wo sich nachts ein Raubtier an den Zündkabeln eines Autos ausgetobt hat. Jetzt spritzt er mit Flocky Stopp die gesamte Parkfläche des Wagens ab: „Das hält zwei bis drei Monate“, meint er. Als Pulver wird das Mittel zur Vergrämung von Mardern auch auf Dachböden eingesetzt. „Es löst bei ihnen einen Juckreiz aus“, erklärt der Experte. So richtig wohl dürfte sich der Marder dann nicht mehr auf dem Dachboden fühlen. „Darum geht es: Man muss dem Tier den Wohlfühlfaktor entziehen“, weiß Schmidt. Manchmal genüge es da schon, dass man ordentlich Durchzug auf dem Boden schaffe, damit der Marder auszieht. Aber jeder Fall sei anders: „Zuerst müssen wir immer die Gebäudesituation in Augenschein nehmen.“

30- bis 40-mal im Jahr müssen die Klimasch-Schädlingsbekämpfer allein wegen der Marder ausrücken. Daneben gibt es aber auch noch unzählige weitere Probleme. „Oft sind die jahreszeitlich bedingt“, sagt Schmidt und nennt Ameisen und Wespen als Beispiele. Im Mittelpunkt der Schädlingsbekämpfung stehe zunächst die Ermittlung der Befallsursache: „Nur wer weiß, wie es zu dem Auftreten der Schädlinge gekommen ist, kann sie wirksam und dauerhaft bekämpfen.“ Auch die „humane Vogelabwehr“ gehört zum Programm der Schädlingsbekämpfer, zum Beispiel, wenn es um das massenhafte Auftreten von Stadttauben geht und die damit verbundenen Hygieneprobleme. Aber auch Desinfektion, Lebensmittelhygiene und Holz- und Bautenschutz gehören zu den Aufgaben der Experten. „Ein- bis zweimal pro Woche sind wir unterwegs“, meint Schmidt. Als Wilhelm Klimasch 1948 die Firma gründete, stellte er fest: „664 Jahre nach dem Rattenfänger beginnt in Hameln ein neues Zeitalter der Schädlingsbekämpfung.“ Auch heute noch gibt es für „Rattenfänger“ reichlich zu tun.



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