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Hamelner Museum erhält großformatige Bildspende

Rattenfänger kehrt heim – als Geschenk

Hameln. Einen besseren Start hätte sich Stefan Daberkow, der neue Museumsleiter in Hameln, gar nicht wünschen können: Nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt bekam das Museum gestern eine Spende überreicht, für die es nach Auffassung von Klaus Arnold, dem Leiter des Museumsvereins, gar keinen besseren Platz geben könnte: ein großformatiges Ölgemälde des Rattenfängers, gemalt von dem 1879 geborenen Künstler Prof. Hans Kohlschein aus Düsseldorf.

veröffentlicht am 08.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 21:21 Uhr

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Autor:

Christa Koch
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Das vor etwas mehr als 100 Jahren entstandene Bild war fast fünfzig Jahre aufgerollt im Düsseldorfer Atelier des Bruders Edmund Anton Kohlschein (1900-1996) in Vergessenheit geraten. Bei Aufräumarbeiten kam es Anfang der 1980er Jahre ans Licht, wurde restauriert und eingerahmt. Seither befand es sich im Besitz von Dr. Kurt Schultze, eines Enkels von Hans Kohlschein in Düsseldorf. Im Weserbergland war es 2010 erstmals anlässlich einer Ausstellung in Schloss Corvey bei Höxter zu besichtigen.

Auf die Spur des Bildes kam der Museumsverein durch einen Hinweis der Kunsthistorikerin Dr. Silke Köhn aus Beverungen, die in Hameln Kunstsprechstunden abgehalten hat. Sie stellte auch die Verbindung zur Familie her. Und nachdem Arnold diese Verbindung aufgenommen, zunächst über Kauf und dann über Leihgabe verhandelt hatte, gelang es, die Familie von der Seriosität der Hamelner Einrichtung zu überzeugen: Sie trennte sich großherzig von dem Gemälde.

Kohlscheins Bild schildert den Moment, in dem der Flöte spielende Rattenfänger die Hamelner Kinder durch die Straßen aus der Stadt entführt. Begeistert springen Jungen fröhlich um ihn herum und scheinen weder seinen unheimlichen Gesichtsausdruck noch die toten Ratten an seiner Tasche zu bemerken. Die im Hintergrund sichtbaren Häuser spielen zwar nicht auf konkrete Hamelner Gebäude an, geben der Sage aber etwas Überregionales und Überzeitliches. Das Kolorit und der eher flüchtige Farbauftrag sind charakteristisch für Hans Kohlscheins Arbeiten vor dem Ersten Weltkrieg.

Bereits mit 13 Jahren war der Sohn eines Kupferstechers an der Düsseldorfer Kunstakademie aufgenommen worden und entschied sich für die Laufbahn des Historien- und Genremalers. Viele seiner großformatigen Historienbilder entstanden als Auftragsarbeiten für Rathäuser, Kirchen und Fabrikantenvillen. Weite Beachtung fand Kohlschein als offizieller Kriegsmaler im Staatsauftrag ab 1916 in Polen. Hier entstanden Bilder vom Alltagsleben in Warschau, darunter Straßenszenen und Frauenakte.

Dieser Erfolgskurs mündete 1918 in eine Ehrenprofessur der preußischen Akademie und ab 1921 in einen Lehrstuhl für Malerei an der Düsseldorfer Kunstakademie. Im Juni 1943 verlor der Maler bei einem verheerenden Angriff auf sein Wohnhaus in Düsseldorf auch sein Atelier und darin enthaltene Werke. Nach diesem Verlust lebte er in Warburg.



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