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Lebendige Tradition – Pfeifertage beleuchten Geschichte aus mehreren Perspektiven

Rattenfänger first

HAMELN. Zum 733. Mal jährt sich in diesem Jahr die düstere Geschichte vom Rattenfänger, der am 24. Juni 1284 Juni die Kinder Hamelns aus der Stadt führte und mit ihnen auf Nimmerwiedersehen verschwand. Seit zwei Jahren hat die Erinnerungskultur an die Geschichte ohne Happy End eine weitere Facette bekommen: Die „Pfeifertage“.

veröffentlicht am 25.06.2017 um 19:19 Uhr
aktualisiert am 30.06.2017 um 15:25 Uhr

Vernissage in der Tourist-Info: Hans Witte im Gespräch mit dem Rattenfänger. foto: km
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Katharina Mork Reporterin
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Ein Wochenende lang erinnerte sich die Stadt erneut ganz im Sinne ihrer bedeutendsten Geschichte – die des „Pied Piper“.

In Ergänzung zum Figurenspiel, den Stadtführungen, dem Musical und dem Freilichtspiel präsentierte Hameln an drei Tagen vielfältige Veranstaltungen zum Thema. Mit dem Jahrestag soll stetig auf den Stellenwert der Sage für die Stadt hingewiesen werden. Dass die Aufmerksamkeit so nachhaltig auf die lebendige Tradition gelenkt wird, hat seinen Grund: Gelingt das Unterfangen gut, hat Hameln nach der Anerkennung als nationales immaterielles Kulturerbe die Chance, die nächste Stufe zu erklimmen: die Anerkennung durch die UNESCO.


Lange Filmnacht: Gesagt, getan. Los geht es am Freitag in Hamelns ältester Gaststätte – dem Rattenkrug. Unter der Leitung von Hamelns wohl bekanntestem Rattenfänger, Michael Boyer, lädt der British-German-Club Hameln zu einer ganz besonderen Filmnacht.

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In den Räumlichkeiten werden von Dokumentarfilm über Musical verschiedenste Filme über den Rattenfänger gezeigt, dazu gibt es leckere Gerichte aus der Rattenkrug-Küche und Bier vom Fass. „Typischer 50er-Jahre-Sound“, bemerkt ein Zuschauer mit vollem Mund.

Auf der Internetplattform Youtube zeigt Michael Boyer, der bereits seit 1994 den Rattenfänger mimt und dabei voll in seiner Rolle aufgeht, das Musical „The Pied Piper of Hamelin“ aus dem Jahre 1957.

„In meiner Kindheit wurde ich unter anderem von diesem Film inspiriert, Rattenfänger zu werden“, sagt er. Dann beginnt der Film zu stocken. Jeder, der im Internet Filme schaut, kennt wohl das Problem: Der Ladebalken signalisiert Überlastung.

Glücklicherweise versteht Michael Boyer es, die Zwangspause erträglicher zu machen und erzählt von weiteren Geschichten, in denen der Rattenfänger in Film und Fernsehen verkörpert wird. Nach kurzer Zeit spielt das Internet wieder mit.

Im Film gibt Kay Starr – damals eine Berühmtheit – die Tochter des korrupten Bürgermeisters, der den Rattenfänger letztendlich um seinen Lohn betrügt und die Misere über Hameln hereinbrechen lässt, denn – die Rache des Rattenfängers ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Bereits vor 60 Jahren wurde in der Filmindustrie schon mit Spezialeffekten getrickst und so hüpft ein Rudel Ratten am Weserufer ins Wasser, obwohl nicht ein einziges Tier bei dem Film mitgewirkt haben soll, erklärt Michael Boyer. Möglich machte es damals der Zeichentrick.
Ausstellung „Die Kunst des Rattenfängers“: Am nächsten Tag ist Michael Boyer als Rattenfänger von Hameln erneut im Einsatz. Gemeinsam mit Kinderbuchsammler Hans Witte führt er eine interessierte Gruppe durch Wittes Buch- und Grafik-Ausstellung in der der Tourist-Info am Bürgergarten. Dort hat Witte seine Schmuckstücke ausgestellt, die die Rattenfänger-Figur in fünf Jahrhunderten zeigen und unterschiedlich interpretieren – auch in Comics. „Je nachdem, welcher Theorie man folgt und welchen Aspekt der Geschichte man beleuchtet, steht der Rattenfänger in einem guten oder schlechten Licht dar. Diese Interpretationsfreiheit macht diese Sage auch so einzigartig,“ so Witte. Die auffälligen Kleider des Mannes, der damals von Stadt zu Stadt zog und die Bewohner von Plagen befreite, begründet Witte mit dessen Job: Um aus der Masse herauszustechen, habe sich der umherziehende Selbstständige in Signalfarben gehüllt. Besonderes Markenzeichen: sein Hut, der in so gut wie jeder Illustration mit mindestens einer Feder bestückt ist.

Vom Heilsbringer bis hin zur Dämonisierung der Figur finden sich die verschiedensten Interpretationen von Künstlern aus aller Welt in der Sammlung von Hans Witte. Auch Gegenstand politischer Instrumentalisierung ist der Rattenfänger von Hameln häufig geworden, sei es in der DDR oder im Dritten Reich. Schon Adolf Hitler beschrieb in „Mein Kampf“ den politischen Gegner als Rattenfänger.


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