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Vorstandsarbeit bei DITIB widerspreche städtischem Auftrag

Ratsmitglied Güsgen: Integrationsmanagerin soll sich zwischen Ämtern entscheiden

HAMELN. Ratsmitglied Hans Wilhelm Güsgen (FDP) fordert von Suna Baris, sich zwischen ihren beiden Ämtern als Integrationsmanagerin der Stadt Hameln einerseits und Vorstandsmitglied der Türkisch-Islamischen DITIB-Gemeinde andererseits zu entscheiden. Aufgrund der Nähe der „Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion“ (DITIB) zur türkischen Regierung und damit zu dem umstrittenen Präsidenten Erdogan stellt Güsgen die Funktion von Suna Baris als Integrationsmanagerin in Frage.

veröffentlicht am 19.04.2017 um 13:10 Uhr
aktualisiert am 20.04.2017 um 14:20 Uhr

„Das Zeichen der Neutralität ist nicht gegeben“, befindet Ratsmitglied Hans Wilhelm Güsgen (FDP) über die städtische Integrationsmanagerin Suna Baris aufgrund ihrer Vorstandsarbeit in der Türkisch-Islamischen DITIB--Gemeinde in Hameln. Foto/Archiv: w
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Die DITIB-Gemeinde Fatih am Thiewall gehört dem DITIB-Verband an. Güsgen hält Baris‘ Vorstandsarbeit deshalb für unvereinbar mit ihrem städtischen Amt als Integrationsmanagerin. Außerdem zweifelt Güsgen an dem Demokratieverständnis von DITIB – und damit an dem von Suna Baris. Da die Imame in den DITIB-Gemeinden von der Türkei gestellt und bezahlt werden, fürchtet Güsgen eine antidemokratische Einflussnahme auf die Hamelner Gemeinde. Ferner lege DITIB „auch nicht viel Wert auf Integration“ der Türken in Deutschland, so Güsgen gegenüber der Dewezet. Dies „beiße sich“ mit Baris’ Aufgabe als Integrationsmanagerin. „Das Zeichen der Neutralität ist nicht gegeben“, meint Güsgen über Baris.

Dabei ist die Funktion von Suna Baris als zweite Vorsitzende in der DITIB-Gemeinde nicht neu. Die Dewezet berichtete bereits Ende letzten Jahres darüber, als die Stadtverwaltung bekanntgab, dass Baris, die bis dahin als städtische Mitarbeiterin im FiZ („Familie im Zentrum“) tätig gewesen war, zum 1. Januar die neu geschaffene Stelle als Integrationsmanagerin antreten würde. Güsgen war das nach eigenen Angaben aber erst Anfang April klar geworden, als sich Baris im Ausschuss für Familie, Kitas, Schulen und Sport vorstellte. Dort hat sie laut Güsgen „einen guten Eindruck hinterlassen“. Trotzdem solle sie „eines ihrer beiden Ämter ruhen lassen – für die öffentliche Außenwirkung“, so Güsgen.

Suna Baris wollte sich als zweite Vorsitzende der DITIB-Gemeinde gestern nicht dazu äußern. Dafür teilte der Vorsitzende Murat Bas mit, dass man in seiner Gemeinde „sehr unglücklich“ über Güsgens Forderung sei. Zumal der Vorstand den Ratspolitiker mehrmals in die Gemeinde eingeladen habe. „Aber er war nie hier“, sagt Bas.

Politik spiele in der Fatih-Gemeinde „keine Rolle“, so der Vorsitzende. So lasse Bas auch sein eigenes politisches Engagement innerhalb der CDU in seiner Gemeinde stets außen vor. Der einzige Einfluss auf die Gemeinde vonseiten DITIBs bestehe in dem jeweiligen Imam. „Der wird von der Türkei geschickt und bezahlt“, sagt Bas. Politische oder gar antidemokratische oder antiintegrative Äußerungen seitens der Imame seien ihm noch nie untergekommen. „Dann wäre hier auch die Hölle los“, beteuert Bas.

Abgesehen von den Imamen sei die Gemeinde „praktisch unabhängig“ von DITIB. Sie würde sogar gerne auf in Deutschland ausgebildete und Deutsch sprechende Imame zurückgreifen, aber dafür fehle es der Gemeinde an Geld. „Wir stehen für Demokratie und gegen Rassismus“, betont Bas. Dafür habe man erst vor wenigen Wochen mit einer Plakataktion ein Zeichen gesetzt (wir berichteten).

Die Forderung Güsgens hält Bas für falsch. Baris’ zwei Funktionen widersprächen einander nicht. „Im Gegenteil“, meint Bas“, „es ist vorteilhaft für beide Seiten und gut für den Dialog.“

Die Stadtverwaltung stellt sich hinter Suna Baris. Ihre ehrenamtliche Arbeit im DITIB-Vorstand sei der Verwaltung bei der Auswahl der Bewerber für die Stelle des Integrationsmanagers von vornherein bekannt gewesen, teilt Stadtsprecherin Janine Herrmann auf Anfrage mit. „Wir haben zu keinem Zeitpunkt eine Veranlassung gesehen, dass Frau Baris hier in Konflikten mit ihrem Hauptamt kommen könnte und sehen dies auch jetzt nicht“, so Herrmann. „Sowohl Frau Baris als auch der Vorstand der Hamelner DITIB-Gemeinde distanzieren sich von einer antidemokratischen und religiös fundamentalistischen Einstellung.“

Nach Auffassung der Stadtverwaltung engagiert sich die Hamelner DITIB-Gemeinde „im interreligiösen Dialog“. Baris nehme ihre Aufgabe dabei „neutral und ohne religiösen oder politischen Einfluss wahr“, so Herrmann. Daher stelle sich der Stadtverwaltung die Frage nicht, ob Baris eines ihrer beiden Ämter aufzugeben habe.

Information

Was ist DITIB?

DITIB ist die türkische Abkürzung für die „Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion“ (türk.: Diyanet Isleri Türk Islam Birligi). Diese untersteht dem „Präsidium für Religiöse Angelegenheiten“ der türkischen Regierung. DITIB war in den vergangenen Monaten wegen antidemokratischer Äußerungen einzelner Mitglieder und dem Vorwurf der Spionage für die Türkei in die Kritik geraten. Das Land Niedersachsen brach deshalb Anfang des Jahres die Gespräche mit DITIB über einen Staatsvertrag, etwa für den Religionsunterricht, ab. Kritiker von Präsident Erdogan fürchten ein Abdriften in eine Diktatur.

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