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Räumung angeordnet – Gartenpächter fühlen sich von Stadt alleingelassen

Ratlos am Radweg

HAMELN. George Bird ist einer der 16 Gartenpächter, die spätestens diesen Dienstag ihre Grundstücke an der Fischbecker Straße geräumt haben müssen. Die Frist, die ihm die Stadt Hameln gesetzt hat, wird der Brite aber nicht einhalten können. Grundsätzlich sei er ja bereit, seinen Garten zu übergeben, doch wie er die Räumung in Eigenleistung schaffen soll, bereitet Bird arges Kopfzerbrechen. Von der Stadtverwaltung fühlt sich der 75-Jährige „ziemlich alleingelassen“.

veröffentlicht am 27.02.2017 um 18:34 Uhr

„Es ist einfach eine schöne Ecke hier.“ Nun müssen Peter Kaufmann (li.) und George Bird müssen ihre Gärten an der Weser räumen. Foto: ll
Lars Lindhorst

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Lars Lindhorst Reporter zur Autorenseite
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Bird steht ratlos in seinem Garten, in dem er vor vielen Jahren auch einen Holzunterstand errichtet hat. Seit 30 Jahren hat er das Grundstück gepachtet, sagt er. Weil hier in nicht allzu ferner Zukunft ein Radweg direkt an der Weser gebaut werden soll, müssen die Gärten weg – mit ihnen auch alle Aufbauten. Bird hat einst den Boden seines Holzunterstands mit schweren Waschbetonplatten ausgelegt. Damit sie auch bei Hochwasser liegenbleiben. Denn die Gartengrundstücke befinden auf sogenanntem Grabeland. Hier dürften laut Pachtvertrag die Flächen nur mit einjährigen Pflanzen bestellt werden. Die Bauwerke in den Gärten seien in dem Überschwemmungsgebiet ohnehin nur geduldet, argumentiert die Stadt.

Erst gestern Morgen war George Bird noch einmal im Rathaus. Vor einer Woche hat ihm die Stadt in einem Erinnerungsschreiben angedroht, dass im Falle einer Nicht-Räumung Kosten von bis zu 3000 Euro auf Bird zukommen könnten. „Ich bin Rentner und lebe von einigen Hundert Euro im Monat. Wie soll ich das bezahlen?“, fragt sich der Brite. Im Rathaus wollte er gestern erfahren, wie er denn seinen ganzen Bauschutt aus dem Garten transportieren solle. Es gibt keine Zuwegung, die mit einem Auto befahrbar wäre. Der einzige Zugang zum Garten ist eine schmale Treppe zur Fischbecker Straße, auf der zudem absolutes Parkverbot herrsche, beklagt sich Bird.

Peter Kaufmann sei in dem Garten an der Fischbecker Straße „groß geworden“. Seit rund 50 Jahren verbringt er an der Weser seine Freizeit, erzählt er. Im Gegensatz zu George Bird, der seinen Garten von der Stadt gepachtet hat, ist Kaufmann einer von vier Eigentümern, deren Gärten in Privatbesitz sind. Hier kann die Stadt keine Pachtverträge kündigen. Verkaufsverhandlungen mit den Eigentümern sind allerdings schon einmal gescheitert. Deshalb hat die Verwaltung den Radwegebau vorsorglich schon einmal um die Privatgrundstücke herum geplant (wir berichteten).

Schwierige Aufräumarbeiten: Eine Zufahrt für Autos haben die Gärten nicht.

Verkaufsbereit ist Kaufmann nach eigener Aussage nach wie vor „absolut nicht“. „Es ist einfach eine schöne Ecke hier“, sagt der Eigentümer, während er Richtung Weser blickt. Kaufmann hat freie Aussicht auf den Klüt. „Und ich habe den ganzen Tag Sonne, von morgens bis abends.“

Einem Nachbarn habe die Stadt schon einmal fünf Euro pro Quadratmeter geboten, sagt Kaufmann – für den Fall eines Verkaufs. Viel zu wenig, meint er. Die Eigentümer hätten noch zu D-Mark Zeiten viel mehr für die Gartenfläche bezahlt, als die Verwaltung zuletzt angeboten hätte.

Die Stadt hat ihrerseits angekündigt, die Gespräche mit den Privatbesitzern erneut zu führen, wenn die Räumungsfrist für die Pächter abgelaufen ist. „Die tun ja so, als würde übermorgen hier gebaut“, regt sich Kaufmann auf.

Was einmal aus seiner Gartenhütte wird, die ja auch im Überschwemmungsgebiet liegt und von der Stadt bloß geduldet wird, weiß Peter Kaufmann jetzt noch nicht. Davon, einen Radweg in ein Überschwemmungsgebiet zu bauen, hält der Freizeitgärtner jedenfalls nichts. „Bei Hochwasser fließt auch viel Lehm in der Weser. Die Stadt müsste den Radweg ja ständig reinigen“, meint er.

„Der Radweg wird dann dreckiger als normal sein, er muss also gesondert gesäubert werden“, teilt die Stadt mit. Von größeren Schäden am Weg, die Überschwemmungen hervorrufen könnten, geht die Verwaltung nicht aus. Bird und Kaufmann bringen auch eine vorhandene Gasleitung der Stadtwerke gegen den Radwegebau an. Sie liege dann unter dem geplanten Radweg. Doch das ist laut Stadt kein Problem: „Um den Radweg zu bauen, wird zwar der Boden etwas ausgekoffert, jedoch nicht so tief, das Gasleitungen beschädigt werden können“, heißt es.



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