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Wo Hameln auf dem Weg zur fahrradfreundlichen Stadt steht / 2013 ist der Ostertorwall dran

Rathausplatz erhält Radlertrasse – aber wie?

Hameln. Hameln muss noch kräftig in die Pedale treten, um zur fahrradfreundlichen Stadt zu werden. Die Note 3,78 beim Fahrradklimatest von ADFC und Bundesverkehrsministerium (wir berichteten) unterstreicht, was die heimischen Radler und Verkehrsplaner längst wissen. 300 Punkte sind im Handlungskonzept „Fahrradfreundliche Stadt Hameln“ aus dem Jahr 2010 aufgelistet. Für die Umsetzung wurde vor einem Jahr eine Begleitkommission gebildet – gegen die Stimmen von SPD und Grünen, die meinen, dass es mit dem Fachausschuss des Stadtrates und dem Fahrradbeirat genügend Gremien gibt. Eine Übersicht zum Stand der Planungen:

veröffentlicht am 14.02.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 14:41 Uhr

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Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Wie oft hat die Begleitkommission bisher getagt? Das Gremium aus Ratsmitgliedern, Straßenbaufachleuten, Polizisten, Fahrrad- und Umweltlobbyisten, Eltern und Schülern, Senioren und Behinderten hat zweimal zusammengesessen. „Die Sitzungen waren sehr konstruktiv“, sagt Fachbereichsleiter Ralf Wilde. Hingegen meint Horst Maler vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC): „Wegen der großen Besetzung ist ein effektives Arbeiten schwierig.“

Was wurde 2012 abgehakt? Der Hastenbecker Weg hat stadtauswärts einen Fahrradstreifen auf der Fahrbahn erhalten. Solche Streifen dürfen bei durchgezogener Linie von Autos nicht mitbenutzt werden – das klappt nach Beobachtung Malers „ziemlich gut“. Mitunter werde aber der Sicherheitsabstand von 1,5 Metern zum Radfahrer nicht eingehalten. Das Linksabbiegen aus der Tunnelstraße in den Hastenbecker Weg ist nun auch für Radfahrer ohne mehrfaches Warten an der Ampel möglich. Der bogenförmig verlaufende rote „Schutzstreifen“ gaukelt allerdings Sicherheit nur vor, sofern die abbiegenden Radler kein Handzeichen geben und geradeaus wollende Autofahrer irritiert werden. Die Eisenbahnunterführung ist unverändert ein problematischer Engpass.

Wo sieht die Begleitkommission jetzt den dringendsten Handlungsbedarf? Die Querung der Wallstraßen per Fahrrad ist durchweg schlecht gelöst, an manchen Stellen besonders gefährlich oder sogar unmöglich. Voraussichtlich im Sommer/Herbst wird im Zuge der Sanierung des Ostertorwalls die Kreuzung zur Mühlenstraße umgestaltet. Nach der Fertigstellung können Radfahrer dort aus Richtung Bahnhof in den Kopmanshof hineinfahren. Bisher führt der Radweg nur nach rechts; dass Radler die Altstadt ansteuern oder die Weser überqueren wollen, wurde einst bei der Verkehrsplanung ausgeblendet. Eine Verbesserung für den Radverkehr wird auch die Fertigstellung der neuen Münsterbrücke und des neu gestalteten Brückenkopfes bringen.

Wie wird die Kreuzung „Grüner Reiter“ gestaltet? Auch an dieser zentralen Kreuzung am Ende der Deisterallee hatten die Verantwortlichen mehrere Verknüpfungen für den Radverkehr weggelassen, um den Auto- und Busverkehr möglichst wenig zu stören oder die Radfahrer nicht in Sicherheit zu wiegen. „Die Probleme stecken dort im Detail“, sagt Wilde. Es gebe inzwischen Stimmen, alles so lassen, wie es ist – nach dem Motto: „Man muss dort ja nicht unbedingt langfahren.“ Im Sinne des Radwegekonzeptes, das durchgängige Radrouten von den Wohnquartieren ins Stadtzentrum vorsieht, sei das jedoch nicht.

Wie sollen Radfahrer aus Richtung Deisterstraße und Basbergviertel in die Altstadt kommen – und wo geht es zurück? An der Kreuzung Kastanienwall/ Sedanstraße werden Radfahrer künftig die Altstadt legal in Richtung Steigerturm verlassen können. Zusätzlich sehen die Gutachter eine mit Ampeln geregelte Überfahrt am Rathausplatz vor. Ob das wirklich nötig ist und wo der Weg genau verlaufen sollte, wird in der Begleitkommission „heftig diskutiert“. Praktikabel erscheint wegen des Wochenmarktes allenfalls eine Positionierung in Richtung Kunstkreis und Baustraße. Eine „einvernehmliche Lösung“ ist nach Worten Malers nicht absehbar.

Wird die Wettorstraße tatsächlich zur „Fahrradstraße“? In einer Fahrradstraße haben Radler auf der Fahrbahn Vorrang, sie dürfen auch nebeneinander fahren. Autos sind allenfalls „geduldet“. Die Wettorstraße könnte Hauptein- und -ausfallroute für das Gebiet Schöt/Süntelstraße/ Kiepestraße sein. Die Auswirkung der Umwidmung auf andere Straßen werde derzeit durch ein Fachbüro geprüft, berichtet Wilde. Ergebnisse werden voraussichtlich im März oder Mai im Ausschuss für Umwelt, Nachhaltigkeit und Klimaschutz vorgestellt.

Was geschieht auf dem Bahnhofsvorplatz? Wilde kündigt für 2013 Verbesserungen an. Der Bahnhof ist täglich das Ziel Hunderter Radfahrer; für sie gibt es bisher keine spezielle und einigermaßen sichere Zufahrt. Nun soll im mittleren Bereich – zwischen Autoparkplatz und Busspuren – ein Radweg angelegt werden. Auch die Fußgängerführung werde verbessert. Es gebe aber noch Abstimmungsbedarf mit der KVG als Busbetreiber.

Welche weiteren Maßnahmen gelten als vordringlich? Das Konzept für eine fahrradfreundliche Stadt nennt auch die Verbindungen von der Altstadt in die Bismarckstraße und in die Wilhelmstraße, vom 164er Ring in die Hermannstraße, vom Zehnthof in die Domeierstraße, die Gröninger Straße aus Richtung Krankenhaus über die Erichstraße hinweg sowie die Punkte Mertensplatz und Hastenbecker Weg/ Hefehof/Stephanplatz.

Wann werden die innerstädtischen Radrouten ausgeschildert? Die Kreisverwaltung hat in Hameln eine auf die Region zielende Radwegbeschilderung vorgenommen. Die Stadt plant nun eine Wegweisung der besten Wege von den Wohnquartieren ins Zentrum und zurück. Hierzu laufen Gespräche mit den Verantwortlichen im Kreishaus, außerdem mit dem ADFC. Die Ausarbeitung nimmt ebenfalls ein Planungsbüro vor; die Umsetzung soll im laufenden Jahr erfolgen.

Führt ein verstärkter Radverkehr zu sinkenden Umsätzen in der Innenstadt? Nach Einschätzung der Radlerlobby ist das Gegenteil der Fall: Radfahrer seien treuere Kunden als Autofahrer. Zwar können auf dem Gepäckträger nicht so viele Einkäufe transportiert werden wie im Kofferraum, dafür kämen die Radfahrer häufiger ins selbe Geschäft. Der ADFC und die Initiative „Pro Rad“ wollen im Frühjahr bei Kaufleuten und Gastronomen die Werbetrommel rühren. Diese könnten sich daran beteiligen, dass sich Radfahrer willkommen fühlen. Das Aufstellen von Abstellbügeln zum Anschließen der Zweiräder etwa sei viel sinnvoller als das Aufhängen von Schildern „Fahrräder abstellen verboten“, sagt Maler.

Die Kreuzung Mühlenstraße/ Ostertorwall wird in diesem Jahr neu gestaltet. Dann können Radfahrer von dort aus in den Kopmanshof hineinfahren.



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