weather-image
28°
Polizei und Stadt reagieren skeptisch auf Anfrage der Mehrheitsgruppe zur Verkehrsregulierung

Raserei auf der B 1 – hilft mehr Kontrolle auch mehr?

Wangelist (bha). So tief gelegt, dass der Unterboden auch ohne Bodenwellen fast auf dem Asphalt kratzt, und quietschende Reifen, als könne mit dem Wagen gar nicht anders angefahren werden – in Wangelist messen junge Fahrer regelmäßig die Kräfte ihrer Karren. Die Mehrheitsgruppe im Hamelner Rat möchte diesem Phänomen und anderen Verkehrssünden auf der Bundesstraße 1 zwischen Fort Luise und Multimarkt den Garaus machen. Doch nicht alle Mittel, zu denen sie greifen will, finden bei Polizei und Stadtverwaltung Zustimmung.

veröffentlicht am 08.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 20:41 Uhr

270_008_5301466_hm205_0803.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

In der Beurteilung der Verkehrslage sind sich Polizei und Politik fast einig: Es gibt die Raser, es gibt die, die wie blöde durchstarten, es gibt die, die sinnlos hin- und herfahren und Lärm verursachen. Aber, so die Polizei, dort hätten weder juristisch verwertbare „Rennen“ festgestellt werden können, von denen die Mehrheitsgruppe in einer Anfrage schreibt, noch handele es sich an irgendeinem Abschnitt um einen Unfallschwerpunkt, sagt Hauptkommissar Wilfried Ludwig.

Die Forderungen, die Gruppensprecher Claudio Griese (CDU) und seine Mitstreiter um Ursula Wehrmann (Grüne) und Klaus Lamprecht (Unabhängige) aufgestellt haben, gehen vom fest installierten Blitzer über Tempo-50-Begrenzung und Rot-Überwachungen bis zu Schleifen im Boden, deren Überquerung mit mehr als 50 km/h prompt mit Umschalten der nächsten Ampel auf Rot bestraft wird, so dass gehalten werden muss und Raser ausbremsen werden. Griese fordert stärkere Kontrolle, und die Einschätzung, dass dort kein Unfallschwerpunkt vorliegt, ist für ihn nicht ausschlaggebend. „Entscheidend ist doch, was bei den Unfällen passiert“, sagt er und nennt einen mit Todesfolge an der Kreuzung Fort Luise/Wangelister Straße im Jahr 2010 und einen mit einem Schwerverletzten in Höhe des China-Restaurants.

15 Verkehrsunfälle hat die Polizei im vergangenen Jahr zwischen Fort Luise und Böcklerstraße registriert. Die meisten an den frühen Sonntagmorgenden, wenn die Leute aus der Disco „Nachtschicht“ am Multimarkt kommen. Für den Verkehr, der dort fließt, sei das wenig, sagt Ludwig. Die B 1 zählt mit 26 000 Fahrzeugen täglich zu den meistbefahrenen Straßen der Stadt. Ganz verhindern lassen sich Unfälle nie, konstatiert die Stadtverwaltung in ihrer Stellungnahme. Die Forderung nach mehr Kontrollen trifft nicht ganz Ludwigs Nerv: Im vergangenen Jahr habe die Polizei dort 21-mal Geschwindigkeiten kontrolliert und die Fahrer rausgefischt. Das sei schon häufiger als an anderen vergleichbaren Strecken. Gemessen worden sei immer nach 18 Uhr, um auch die betreffende Zielgruppe zu erwischen. „Die macht abends Probleme“, so Ludwig über die jungen Fahrer, deren Ziele hauptsächlich Burger King im Wangelister Feld und die „Nachtschicht“ sind.

Mit 108 Stundenkilometern sei einer unterwegs gewesen – Spitzengeschwindigkeit –, der Rest der Erwischten sei ab 70 km/h aufwärts gefahren. Zusätzlich zu den Polizeikontrollen hat auch der Landkreis fünfmal in Höhe der Kapelle und in beide Richtungen geblitzt. 376 Verstöße wurden dabei festgestellt, wovon 331 bis zu 20 km/h zu schnell waren und dafür bis 35 Euro zahlen mussten. 45 Bußgelder ab 80 Euro mit je einem Punkt wurden verhängt. Auch wenn Erwischtwerden und Zahlenmüssen schmerzen – vom Aufstellen eines Starenkastens, der 60 000 Euro kosten würde, hält Ludwig nichts. „Damit kann man die nicht einfangen“, sagt er über die Hauptzielgruppe der jungen Raser. Die stellten sich schnell drauf ein.

Er sieht an dieser Straße einen Konflikt: Der vierspurige Ausbau lässt den Verkehr tagsüber gut fließen, was immer auch ein Ziel der Verkehrsplaner und Überwacher ist; nachts aber, wenn wenig los ist, verleitet die Strecke mit ihrer Senke zum Gasgeben. Trotzdem scheinen aus Sicht der Polizei und der Stadt weitere Maßnahmen nicht angemessen. Einen Aspekt will die Stadt aber prüfen lassen: Was es kostet, die bisherige Nachtabschaltung der Ampelanlage Wertheimer Straße/Kapellenweg in eine Bedarfsschaltung für Fußgänger umzustellen. Zwar seien die Fußgängerströme dort ab 23 Uhr selten, „gleichwohl haben wir die Firma Siemens um ein Angebot gebeten“.

Claudio Griese bleibt dabei: „Die Angelegenheit ist für uns nicht abgeschlossen.“ Das Thema kommt heute, Donnerstag, im Ausschuss für Recht und Sicherheit zur Sprache; Beginn ist um 14.45 Uhr im Sitzungssaal des Ratshauses.

Blick von der Fußgängerbrücke in Wangelist. Tausende Fahrer sind hier schon geblitzt worden. Foto: Dana



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare