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Ränkespiel gegen den eigenen Kandidaten

veröffentlicht am 07.07.2011 um 09:56 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:35 Uhr

von Frank Werner
Hameln/Landkreis. Wenn heute Abend die „Unabhängigen“ ihre Bewerber für die Kreiswahl aufstellen, ist Harmonie das Letzte, was auf der Tagesordnung steht. Erwartet wird ein hitziger Kampf um Kandidaturen, vielleicht sogar der ganz große Eklat: Fritz Rieger, Chef der Hamelner Bürgerliste und aktuell größter Widersacher des eigenen Landratskandidaten Hermann Schmidtchen, droht als Spitzenkandidat für den Kreistag durchzufallen. Ob und in welcher Zusammensetzung die Unabhängigen dann noch zur Kreiswahl antreten, ist offen.

Schon seit Wochen wächst im Lager der Unabhängigen der Unmut über den eigensinnigen Hauptmatador aus Hameln. Erhebliche Irritationen hat Riegers völlig überraschender Rückzug aus dem Verein „Unabhängige Bürgerlisten“ ausgelöst, der eigens für die gemeinsame Bewerbung um Kreistagssitze gegründeten Plattform. Den Vorsitzenden Schmidtchen forderte Rieger zum Rücktritt auf, weil dieser als Mitglied der Bürgerliste nicht Vorsitzender einer anderen Gruppierung sein könne und nicht gegen die Bürgerliste antreten dürfe. Was allerdings nur dann der Fall wäre, wenn die Bürgerliste mit den Unabhängigen bricht und bei der Kreiswahl auf eigene Faust um Stimmen wirbt.
 Um die gemeinsame Kampagne zu retten, hat sich Schmidtchen gefügt und den Vorsitz abgegeben (wir berichteten). Andere, wie der Vorsitzende des Pyrmonter Bürgersinns, Wilfried Seibel, haben sich entnervt von Rieger abgewandt und wollen mit ihm nicht mehr antreten.
 Inzwischen hat sich der Verein in „Die Unabhängigen Hameln-Pyrmont“ umbenannt – ein Zugeständnis an Rieger, der den Zusatz „Bürgerlisten“ wegen der Nähe zur Hamelner „BL“ gestrichen haben wollte. Und seit dem 30. Juni ist Schmidtchen auch wieder Vorsitzender des Vereins. Die Wiederwahl nach gerade erfolgtem Rücktritt begründet er so: „Ich musste feststellen, dass mein Rückzug Herrn Rieger nicht gereicht hat, er will den Verein an sich kaputt machen.“
 Inzwischen ist die gemeinsame Basis vollends zerstört. Nicht gerade deeskalierend wirkte die Anzeige, die unter dem Pseudonym „Die Freunde der Bürgerliste“ am Montag in der Dewezet geschaltet wurde. Der Text ruft dazu auf, den Landratskandidaten der Unabhängigen nicht zu wählen, weil dieser „über Nacht“ sein Parteibuch gewechselt habe – „aus Selbstsucht“. Der Hintergrund: Schmidtchen trat aus der SPD zur Bürgerliste über.

Auf Anfrage räumt Rieger ein, die Anzeige aufgegeben zu haben – aber nur „im Auftrag der Freunde der Bürgerliste, die das Geld gegeben haben“. Wer diese „Freunde“ seien, die dem Chef Anweisungen erteilen, wollte er lieber nicht verraten. Inhaltlich distanziert sich Rieger: „Ich führe doch nicht unseren Kandidaten vor.“ Wenig später ruft Riegers Ehefrau in der Redaktion an: „Ich habe die Anzeige geschaltet.“

Das Tischtuch zwischen Rieger und Schmidtchen dürfte damit endgültig zerschnitten sein. Am Montag erlebten beide Hauptdarsteller des internen Machtkampfes einen Vorgeschmack auf die Listenplatz-Kämpfe, die heute bei der Delegiertenversammlung in Bad Münder bevorstehen. Bei der vorbereitenden Versammlung der Bürgerliste fiel der Landratskandidat bei zwei Kampfabstimmungen durch und landete auf den Vorschlagslisten nur auf einem zweiten Platz. Durchsetzen will die Bürgerliste die Spitzenkandidaten Holger Rieger, Stefan Schulze und Fritz Rieger.

Schmidtchen kündigt für heute eine Kampfkandidatur gegen Holger Rieger um den ersten Platz im Wahlbereich 4 an. Am Montag hat er die Abstimmung gegen Fritz Riegers Sohn verloren, doch bei der Kreisversammlung stehen die Chancen besser, denn hier rekrutiert sich nur rund ein Drittel der Delegierten aus den Reihen der Bürgerliste.

Entsprechend schlechte Karten könnte Fritz Rieger selbst haben. Aber schon am Montag hat die Bürgerliste darüber nachgedacht, was bei einem Scheitern des eigenen Wahlvorschlags möglich wäre: Die Hamelner Gruppe bewirbt sich eigenständig um Kreistagsmandate. In diesem Fall müssten sich auch die Unabhängigen neu formieren.  Gegenüber unserer Zeitung lässt Rieger offen, ob er für den Kreistag antreten wird. Aus gesundheitlichen Gründen erwäge er, seine Kandidatur zurückzuziehen – die Entscheidung treffe der Arzt.



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