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Verkehrsminister will Bußgelder für Verkehrssünder im Sattel erhöhen / ADFC reagiert gelassen

Radfahren könnte bald teurer werden

Hameln (ni). Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer will an der Bußgeldschraube für Radfahrer drehen. Wer sich nicht an die Verkehrsregeln hält – und dabei erwischt wird – soll künftig kräftiger zur Kasse gebeten werden. Ob der verschärfte Griff ins Portemonnaie eine erzieherische Wirkung entfaltet, ist unter Experten umstritten. Dass zunehmendes Rowdytum auf zwei Rädern ihn rechtfertigt, scheint zumindest auf Hameln nicht zuzutreffen.

veröffentlicht am 17.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 18:21 Uhr

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Die EDV-Anlage der Bußgeldstelle beim Landkreis spuckt die Zahl nach ein paar Mausklicks aus: Von 2006 bis heute hat die Behörde insgesamt 1500 Bußgeldbescheide an Radler rausgeschickt. Getroffen hat es überwiegend Fahrer, die trotz eindeutigen Verbotes in der Fußgängerzone in die Pedale getreten haben oder im Dunkeln ohne Licht unterwegs waren. Auch die Zahl der Verkehrsunfälle, an denen Radler beteiligt waren, bewegt sich seit Jahren auf gleichem Niveau. 193 waren es nach der Polizeistatistik im vergangenen Jahr; in 17 dieser Fälle verursachten Radler die Unfälle, meist durch Missachtung der Vorfahrt. Auffallend ist laut Polizeioberkommissar Jörn Schedlitzki allerdings, dass die Zahl der schwer verletzten Radler – 33 im Jahr 2011 – zugenommen hat. Eine Erklärung dafür gebe es nicht.

Genauso wenig, wie es in Hameln ausgewiesene Fahrradunfall-Schwerpunkte gebe. Die für Radler auch in die „falsche“ Richtung freigegebenen Einbahnstraßen sind es entgegen weitverbreiteter Vermutung jedenfalls nicht. „Wir sind mit dieser Regelung in Hameln eigentlich gut gefahren“, sagt Schedlitzki und erinnert sich an eine schon etwas zurückliegende Auswertung. Danach sind an der Kreuzung Baustraße/Emmernstraße in sieben Jahren genau zwei Unfälle mit Radler-Beteiligung passiert.

Durchweg vorbildlich verhalten sich die Radfahrer in Hameln deshalb aber trotzdem nicht. Beim Weg über die Münsterbrücke sitzen sie im Sattel, obwohl sie schieben müssten; sie radeln durch die Fußgängerzone, obwohl das verboten ist; sie benutzen Radwege entgegen der vorgeschriebenen Richtung. Eigentlich nichts, worüber man sich entrüsten müsste, „solange die Radfahrer dabei umsichtig sind und Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer nehmen“, meint Horst von Bültzingslöwen vom Fahrradclub ADFC.

Der Lobbyist ist bekennender „Verkehrssünder“, radelt auch schon mal über die Brücke („wenn ich damit keinen Fußgänger belästige“) oder auf der falschen Seite eines Radwegs, wenn er sich umständliche Straßenüberquerungen ersparen will. Aber „grundsätzlich sollte sich natürlich jeder Radler an vernünftige und einsichtige Regeln halten“, sagt von Bültzingslöwen. Wer es nicht tut, gefährde zwar zuallererst sich selbst, könne aber auch Autofahrer und Fußgänger in Not bringen. Abends ohne Licht oder verkehrt herum durch die Einbahnstraße – dafür hat der passionierte Radler genauso wenig Verständnis wie für Rüpel im Sattel. „Sich mit Umsicht und gegenseitiger Rücksichtnahme den zur Verfügung stehenden Verkehrsraum teilen“ ist sein Credo.

Dass höhere Bußgelder die Rücksichtslosen unter den Radfahrern zur Raison bringen, will von Bültzingslöwen weder ausschließen noch als gegeben hinnehmen. „Ich weiß es nicht“, sagt er, plädiert aber dafür, „Kontrollen zu verstärken und Verstöße zu ahnden“. Polizist Schedlitzki dagegen misst der Höhe der Straftarife durchaus eine gewisse Bedeutung für die Verhaltensänderung bei. Bußgeldbescheide, die „richtig wehtun“, gepaart mit „erhöhtem Kontrolldruck“, verfehlten ihre Wirkung nicht, ist er überzeugt. Das gelte aber nicht nur für Radler, sondern genauso gut für Autofahrer.

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