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Gebäude soll an Technische Akademie verkauft werden / Und die 400 Schüler?

Raabe-Schule muss Lohstraße verlassen

Hameln. Ein Stück Hamelner Schulgeschichte geht zu Ende: Nach 104 Jahren muss die Wilhelm-Raabe-Schule den Standort in der Lohstraße verlassen. Das Gebäude soll an die Technische Akademie verkauft werden. Die Auflösung soll zum 1. August 2017 erfolgen. Wo die Schüler dann unterrichtet werden sollen, ist noch unklar.

veröffentlicht am 24.02.2016 um 17:44 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 18:21 Uhr

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Autor:

Andreas Timphaus
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Geht ein Stück Hamelner Schulgeschichte bald zu Ende? Der Standort der Wilhelm-Raabe-Schule an der Lohstraße soll im nächsten Jahr geschlossen werden. Schulleiter Werner Schmidt und sein Stellvertreter Wolfgang Lindner wurden am Montag in einem Gespräch mit Stadträtin Martina Kurth-Harms darüber unterrichtet, dass das Gebäude ab dem 1. August 2017 nicht mehr für den Schulbetrieb zur Verfügung steht. Der Grund: Die Mitglieder des Verwaltungsausschusses beauftragten die Stadt, das 1913 eröffnete Gebäude zu verkaufen. Einen potenziellen Käufer haben die Lokalpolitiker bereits im Blick: Die Verwaltung wurde angewiesen, Verhandlungen mit der Technische Akademie (TA) aufnehmen, die sich schon länger in Hameln vergrößern möchte (wir berichteten).

Die Schulleitung traf die Entscheidung, den Standort nach 104 Jahren zu schließen, wie ein Schock. „Wir hätten nicht im Traum daran gedacht, dass wir bei dem Treffen solch eine Nachricht erhalten. Die Betroffenheit im Kollegium ist sehr groß“, sagt Schmidt. Zur Wilhelm-Raabe-Schule, die an der Loh- und der Königstraße untergebracht ist, gehen über 700 Schüler. Den Standort an der Lohstraße besuchen 400 Schüler. Sie gehen in die 7. und 8. Klasse der Oberschule, die 9. und 10. Klasse der auslaufenden Haupt- und Realschule sowie in eine von zwei Sprachlernklassen. Die entscheidende Frage lautet nun: Wo sollen diese Schüler ab dem Schuljahr 2017/18 unterrichtet werden?

Stadt sagt, sie wolle die Schule nicht auflösen

Laut dem Oberschuldirektor habe die Stadt bislang trotz mehrerer Nachfragen keine Lösung präsentieren können. „Das ist reiner Wahnsinn. Die gesamte Schullandschaft wird darunter zu leiden haben“, klagt Schmidt und fügt hinzu: „Wenn man so etwas entscheidet, müssen doch die Folgen bedacht werden.“ Es dränge sich die Vermutung auf, dass die Schule „plattgemacht“ werden solle, meint der Schulleiter.

Die Verwaltung wehrt sich gegen diesen Vorwurf. „Das ist derzeit absolut kein Thema. Die Frage einer Auflösung der Schule stellt sich nicht“, sagt ein Stadtsprecher. Er gibt aber zu, dass es „eine große Herausforderung“ werde, alle Schüler adäquat unterzubringen. „Die Entscheidung der Politik kam für uns zu früh, wir hätten uns mehr Zeit gewünscht“, sagt der Sprecher und begründet die Idee auch mit dem Zustand des Gebäudes, das „erhebliche Defizite“ aufweise und nur noch bedingt für schulische Zwecke geeignet sei. „Die Pausen- sowie die Sporthalle sind sanierungsbedürftig. Und auch der Inklusionsgedanke kann nur teilweise verfolgt werden.“

Auf der anderen Seite stehe mit der TA ein Bildungsträger, der expandieren wolle und mit dem man sich dauerhaft in Gesprächen befinde. „Die Bedeutung der Technischen Akademie für Hameln ist sehr hoch zu bemessen. Deshalb versuchen wir natürlich alles, um passende Optionen zu schaffen“, sagt der Sprecher. Forderungen seitens der Technischen Akademie, endlich eine Lösung zu finden, weil sonst die Gefahr bestehe, dass sich der Bildungsträger aus der Weserstadt zurückzieht, habe es nie gegeben.

Technische Akademie will Option prüfen

Auch die Technische Akademie weist entsprechende Anschuldigungen weit von sich. „Wir distanzieren uns von dieser Aussage. Ein Rückzug aus Hameln ist in keinster Weise geplant. Wir haben weder der Stadt noch sonst jemandem die Pistole auf die Brust gesetzt“, sagt TA-Geschäftsführer Frédéric Philipp Thiele. Zum Angebot, das Schulgebäude an der Lohstraße 9 zu übernehmen, gibt sich das Bildungszentrum zurückhaltend. „Das Gebäude befindet sich in der Nähe zu unserem jetzigen Standort und ist von daher attraktiv. Zum Gebäude selbst kann ich aber nichts sagen, weil ich es mir noch nicht angesehen habe“, erklärt Thiele. Die neue Option müsse nun geprüft werden. Dabei gehe es auch um finanzielle Aspekte wie den Kaufpreis und den Aufwand, den die TA betreiben müsste, um das Gebäude für ihre Zwecke herzurichten. „Erst dann können wir in konkrete Verhandlungen treten“, sagt der Geschäftsführer.

Und wie geht es jetzt mit der Schule weiter? Inzwischen hat ein Gespräch zwischen Schule, Verwaltung und Fraktionsvorsitzenden stattgefunden. „Dabei wurde der Konsens geschlossen, die bestmögliche Lösung für die Schule zu finden“, sagt der Sprecher. Erste Ideen will die Stadt noch vor den Osterferien präsentieren. Eine Option könnte es sein, dass der Standort an der Königstraße ausgebaut wird. „Wir sind aufgefordert worden, eine Lösung unter einem Dach zu finden“, sagt der Stadtsprecher.

Zunächst hatte Schmidt angekündigt, eine „solide Form des Widerstands“ leisten zu wollen. „Wir tragen die Verantwortung für die Kinder und letztlich für unsere eigenen Interessen als Arbeitnehmer.“ Nun will die Schulleitung erst einmal beobachten, ob sich die Stadt an die Vereinbarung hält.



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