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Ehemalige Reinigungskraft packt aus: Reinigung der Schulen in vorgegebener Zeit nicht zu schaffen

Putzen mit der Angst im Nacken?

HAMELN. Kann die Sauberkeit der Schulen von den Reinigungskräften unter den gegebenen Arbeitsumständen gewährleistet werden? Schulleiter hatten den Zustand ihrer Schulen beklagt – jetzt nimmt eine ehemalige Reinigungskraft Stellung.

veröffentlicht am 26.12.2018 um 17:20 Uhr
aktualisiert am 08.01.2019 um 16:54 Uhr

Philipp Killmann

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Reporter zur Autorenseite

Nachdem mehrere Schulleiter über die Putzleistung an ihren Schulen geklagt haben, Ratspolitiker daraufhin forderten, die Reinigung der öffentlichen Gebäude wieder in die Hände der Stadt zu legen, und die Stadtverwaltung dann jüngst die Idee zur Gründung einer städtischen Putz-GmbH in den Raum stellte, hat sich jetzt eine ehemalige Reinigungskraft an die Dewezet gewendet. Sie sagt: Nein, in der von den Reinigungsunternehmen vorgegebenen Zeit kann die Sauberkeit an den Schulen nicht gewährleistet werden.

Ursula Müller (Name von der Redaktion geändert) aus Hameln hat so lange als Reinigungskraft gearbeitet, bis sie vor zwei Jahren die Arbeit aufgrund von Krankheit aufgeben musste. Bis zuletzt, sie wird in wenigen Jahren 60, hat sie an einer Hamelner Grundschule und vertretungsweise an einem Gymnasium und Jugendzentrum geputzt. An der Grundschule hat sie 19 Jahre lang für Sauberkeit gesorgt. „Als ich dort angefangen habe, war die Schule noch ganz klein“, erzählt Ursula Müller. Sie und eine Kollegin hätten pro Tag jeweils drei Stunden Zeit gehabt, um die Schule zu reinigen.

Im Laufe der Jahre habe sich die Reinigungsfläche an der Schule dann durch Anbauten vergrößert – das Zeitkontingent für die Reinigung wurde aber verkleinert. Laut Stadtverwaltung beträgt die zu reinigende Fläche dort mehr als 1000 Quadratmeter. „Zuletzt hatten wir nur noch eine Stunde und 32 Minuten Zeit für die Reinigung“, sagt Ursula Müller. „Die müssten eigentlich selbst wissen, dass man das nicht schaffen kann.“ Mit „die“ meint Müller zum einen die verschiedenen Reinigungsfirmen aus ganz Deutschland, bei denen sie in all den Jahren angestellt war, zum anderen die Stadtverwaltung, der die Gebäude hören. Sowohl die einen als auch die anderen würden in unregelmäßigen Abständen die Putzleistung überprüfen. Dass es immer mal etwas zu beanstanden gibt, sei unter den bestehenden Arbeitsbedingungen kein Wunder. „Wer sucht, der findet auch was“, sagt Müller.

Sie ist überzeugt: Man kann in der vorgegebenen Zeit gar nicht alles schaffen, schon gar nicht im Winter, wenn witterungsbedingt besonders viel Dreck in die Schulräume getragen werde. Aber die Reinigungsfirmen würden sich auf ihre eigenen Zahlen beziehen, wonach das alles zu bewältigen sei. „Und wenn man ganz viel Pech hat, dann kriegt man sogar noch eine Abmahnung oder Rüge oder gesagt, dass man bummelt“, sagt die Hamelnerin. „Man putzt mit der Angst im Nacken: Hab‘ ich was vergessen? Werde ich dann gekündigt?“ Mit Blick auf die Grundschule, an der sie so lange geputzt hat, sagt sie, dass mindestens zwei Stunden erforderlich seien, um die Schule so zu reinigen, dass die Sauberkeit gewährleistet ist. „Allein für die Toiletten braucht man ja schon eine Dreiviertelstunde“, sagt sie.

Die Schulleitung der Schule hat Verständnis für Müllers Kritik. Wenn die Reinigungsfläche größer werde, die Reinigungskräfte aber nur noch die Hälfte der Zeit zur Verfügung hätten, sei klar, dass es eine Schieflage gebe, sagt sie im Gespräch mit der Dewezet.

Bei der Frage an die Stadtverwaltung, warum die Stunden von drei auf anderthalb Stunden gesenkt worden seien, verweist das Rathaus auf die „Reinigungsdienstleistungen Schulgebäude“ nach DIN 77400. „Die Zeit, die den Reinigungskräften zur Verfügung steht, ist also zentral vorgegeben“, heißt es weiter. „Wir bewegen uns im Rahmen der DIN 77400, wenn wir Aufträge erteilen beziehungsweise Leistungen ausschreiben.“ Beschwerden vonseiten der Reinigungskräfte seien der Stadt nicht bekannt. Zumal solche „bei den jeweiligen Arbeitgebern, bei der Handwerkskammer, der Innung etcetera eingereicht werden“ müssten.

1,56 Millionen Euro lässt sich die Stadt laut Oberbürgermeister Claudio Griese die Reinigung der Schulen kosten. Die Verträge mit den externen Unternehmen liefen noch bis 2020/22. Selber zu reinigen, würden laut Griese Mehrkosten in Höhe von 925 000 Euro bedeuten. Die Ratsgruppe SPD/Linke hatte beantragt, eine Rekommunalisierung der Schulreinigung zu prüfen. Erweitert (und beschlossen) wurde der Antrag um die Prüfung der Gründung einer möglichen städtischen Putz-GmbH (wir berichteten).



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