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Pläne für Bad Münder

Purrmann Logistik kehrt Hameln den Rücken

HAMELN. Die Stadt ist bald um ein Unternehmen ärmer. Die Spedition Purrmann Logistik will sich vergrößern – und Hameln deshalb verlassen. Das Unternehmen hat in der Weserstadt keinen geeigneten Standort für seine angestrebte Expansion finden können, wie Geschäftsführer Gerhard Purrmann auf Anfrage der Dewezet bestätigt.

veröffentlicht am 28.06.2017 um 14:00 Uhr

Bislang hat die Spedition Purrmann ihren Sitz an der Marienthaler Straße in Hameln-Rohrsen – ein Wechsel ins Gewerbegebiet Rascher Ort ist geplant. Foto: Dana
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Die Ansiedlung in dem geplanten Gewerbegebiet Langes Feld in Afferde ist für die Spedition damit vom Tisch. Aus der Welt sein wird Purrmann aber nicht. Zuletzt war im Ortsrat Afferde von einer Spedition die Rede, die sich im Langen Feld auf einer Fläche von 30 000 Quadratmetern niederlassen wolle. Namen wurden zwar nicht genannt. Aber als wenig später eine Spedition aus der Umgebung im Gespräch war, die an einer Fläche im Langen Feld in der gleichen Größenordnung Interesse hat, lag nahe, dass es sich um ein und dasselbe Unternehmen handeln würde. Hinter vorgehaltener Hand fiel bereits der Name Purrmann. Tatsächlich handelt es sich dabei um das Hamelner Logistik-Unternehmen.

„Die Stadt hatte nichts weiter zu bieten“, sagt Purrmann. Dies deckt sich mit den in der jüngeren Vergangenheit wiederholt getroffenen Aussagen der Stadtverwaltung, derzeit nicht über ausreichend Gewerbeflächen zu verfügen. So verfügt das Gewerbegebiet im Hottenbergsfeld demnach nur noch über Restflächen. Andere Flächen, wie das Lange Feld in Afferde, sind noch gar nicht erschlossen.

Dort hatte sich ursprünglich auch das Unternehmen Purrmann niederlassen wollen, wie Geschäftsführer Purrmann im Gespräch sagt. Eigentlich, so Purrmann, habe er das Privatgrundstück selbst kaufen und erschließen wollen. Das war Anfang des Jahres. „Aber ohne die Stadt ging das nicht“, sagt er. Insofern hat Purrmann der Stadt sozusagen zu einem neuen Gewerbegebiet verholfen. Die Stadtverwaltung wollte sich auf Anfrage der Dewezet dazu indes nicht äußern.

Purrmann habe jedenfalls „mehrere Optionen im Umkreis“ ins Auge gefasst gehabt. „Aber wir tendieren derzeit zum Raschen Ort“, sagt der Geschäftsführer. Unterschrieben ist mit dem Landkreis zwar noch nichts. Doch die Fläche von 30 000 Quadratmetern in dem zur Stadt Bad Münder gehörenden Gewerbegebiet Rascher Ort in Hasperde entspricht den Vorstellungen des Unternehmers. Das dort vom Landkreis schon vor Jahren erschlossene Gewerbegebiet Rascher Ort liegt direkt an der Bundesstraße 217. Klar, dass dieser Standort mit der Anbindung an die Autobahn in Richtung Hannover eine attraktive Lage für eine Spedition ist. „Die gute Verkehrsanbindung am Raschen Ort ist ein Vorteil“, sagt Purrmann.

Zwar ist die Spedition schon jetzt nicht unweit der B 217 gelegen. Sie ist in der Marienthaler Straße 6 und 12 ansässig. Der Standort in Afferde jedoch wäre zwar nicht viel, aber doch wieder etwas weiter von der B 217 entfernt gewesen als bisher. Entscheidend war am Ende aber wohl die Preisfrage. Der Kreistag hatte erst Ende Juni die Kaufpreissenkung im Raschen Ort gesenkt (wir berichteten) beschlossen. Das Gewerbegebiet ist seit geraumer Zeit mehr oder weniger verwaist, konnte nie merklich besiedelt werden. „Die Preissenkung war sicherlich ein ausschlaggebender Punkt“, sagt Purrmann. „Zu dem alten Preis hätten wir es nicht gemacht.“ Dabei sei die Stadt Hameln Purrmann zwar auch preislich entgegengekommen. Aber das Gewerbegebiet in Afferde ist noch gar nicht erschlossen. Zeit ist Geld.

Die Wirtschaftsförderung der Stadtverwaltung habe sich „im Rahmen ihrer Möglichkeiten sehr bemüht“, sagt Purrmann, ihn in Hameln zu halten. „Ich habe nur Lob für die Wirtschaftsförderung der Stadt“, so der Geschäftsführer weiter. Mit dem geplanten Umzug nach Hasperde verlagert sich der Sitz des Unternehmens mit 55 Mitarbeitern von Hameln in die Kommune Bad Münder. „Aber ich sehe das nicht so, dass ich mich von Hameln verabschiede“, sagt Purrmann. „Wir verlegen unseren Sitz nur vor die Tore der Stadt.“ Vor 2018 wird das nichts mehr. Der Baubeginn am Raschen Ort ist für 2017 nicht vorgesehen. Zur Investitionssumme möchte sich Purrmann nicht äußern.

Für Hameln bedeutet dies jedoch einen Verlust – nicht zuletzt von Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Die Angestellten des Unternehmens dürften Hameln erhalten bleiben, schließlich liegt Hasperde nur wenige Kilometer entfernt. Trotzdem ist das Bedauern bei der Stadt Hameln groß. „Wir haben alles unternommen, das Unternehmen an Hameln zu binden – umso größer ist die Enttäuschung“, sagt Wirtschaftsförderer Thomas Wahmes.

Das Gewerbegebiet Langes Feld stehe durch den Absprung Purrmanns jedoch nicht in Frage. „Die Planungen gehen weiter“, sagt Wahmes. Gibt es denn einen Interessenten? „Nicht nur einen Interessenten“, so Wahmes. Welche das sind, sagt er nicht.

Mein Standpunkt
Philipp Killmann
Von Philipp Killmann

Hameln hat ein Problem. Es mangelt der Stadt an Gewerbeflächen. Günstige Verkehrsanbindungen hat Hameln derzeit gar nicht im Angebot. Da kann sich die Stadt noch so viel Mühe geben, ein Unternehmen zu halten. Sie kann nur mit dem locken, was sie auch zu bieten hat.

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