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In der Notaufnahme war „die Hölle los“ / Senioren und Kranke müssen aufpassen

Puh, ist das warm – „Diana“ heizt ein

Hameln. Er tut, was er kann, damit die zentrale Temperatur konstant niedrig bei etwa 36,8 Grad Celsius bleibt. Aufheizen, Gefäße erweitern, Schwitzen, abkühlen lassen – der Körper leistet bei diesem Wetter Schwerstarbeit, hauptsächlich mit dem Ziel, das Gehirn vor Schäden zu schützen. Viele können sich mit wiederholten Kurzkommentaren wie „Puh, ist das warm“, „Mann, ist das schwül“, „Bei der Hitze kann ich nicht denken“ und Klagen über dicke Füße durch den Tag retten. Mancher aber macht richtig schlapp: Konzentration im Keller, Blutdruck am selben Ort und reif für die Notaufnahme. Dort war am Montag und Dienstag „die Hölle los“, wie Krankenschwester Lydia Düsterhöft die Lage beschreibt, und auch gestern Nachmittag kamen vermehrt ältere Männer und Frauen, die ausgetrocknet waren.

veröffentlicht am 01.07.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 14:41 Uhr

Ihnen macht das Wetter nichts – außer Spaß: Lana (2) mit M
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Die Anzahl der Notfälle im Kreiskrankenhaus an der Weser lag mit 75 Fällen am Dienstag um ein Drittel höher als sonst, die leidgeplagten Patienten mussten geduldig sein bei etwa zweistündigen Wartezeiten. Kreislaufprobleme bei niedrigem Blutdruck und Herzbeschwerden sind leicht dem Wetter zuzuschreiben. Dazu kamen Stürze im Freibad, mit dem Fahrrad (einer musste intensiv behandelt werden), offene Wunden nach Gartenarbeiten, Verbrennungen, Platzwunden, für die das Wetter als Erklärung auf den ersten Blick nicht herhalten kann, aber auf den zweiten: Die Wärme führe zu Konzentrationsstörungen, sagt Peter Höxter, Sprecher des Krankenhauses, und dann kann passieren, was bei voller Fitness vielleicht ausbleibt.

Arzt rät von Kreislauftropfen ab

Vor allem Älteren und Kranken macht die drückende Wärme eher zu schaffen als Jungen und Gesunden, die jetzt die Freibäder bevölkern. Viele Senioren seien trotz der Temperaturen um die 26 Grad dank Hoch Diana noch viel zu dick angezogen und trinken zu wenig, weil das Durstempfinden abnimmt, weiß der Chefarzt der Kardiologie Dr. Hubert Topf. Patienten mit Herzschwäche hätten auffällig mehr Probleme bei diesem Wetter. Sie haben, wie beispielsweise auch Bluthochdruckpatienten, mit dem Paradoxon zu kämpfen, dass sie mit der Einnahme bestimmter Medikamente eigentlich wenig trinken sollen. Ihre Flüssigkeitszufuhr müsse genau kontrolliert werden.

Wer morgens in den Kühlschrank zum Liter Milch greift, hat vor Augen, was er laut Topf im Laufe eines heißen Tages durch Schwitzen an Flüssigkeit verliert: 1000 Milliliter. Inklusive Salz. Aufzufüllen am besten mit Getränken, die Natrium enthalten. Von Kreislauftropfen, die die Gefäße verengen und den Blutdruck erhöhen, rät er ab wegen der Nebenwirkungen.

Ein Wagen nach dem anderen an der Notaufnahme. Die Rettungsassis
  • Ein Wagen nach dem anderen an der Notaufnahme. Die Rettungsassistenten Daniel Scholl (vorne links) und Christian Altenhoff hatten viel zu tun. Foto: Dana

In der Seniorenresidenz St. Monika nehmen einige Bewohner die erste Wärmewelle des Sommers mit Humor und im luftigen Unterhemd auf dem Flur sitzend, erzählt Leiter Michael Jungnitz. „Ganz schön kalt heute“ habe jemand mit einer Prise Ironie kommentiert. Man achte verstärkt darauf, dass die Damen und Herren jetzt mehr trinken, und Ingo Peter, Leiter sowohl des Seniorenheims „Zur Höhe“ als auch der Scharnhorst Residenz erzählt, dass die Küche auf Kaltspeisen umgestellt werde, wenn es richtig heiß wird. Die Devise für die Bewohner: viel trinken, wenig bewegen, Schatten suchen. Für Pflegeheime bietet der Deutsche Wetterdienst unter www.dwd.de auch in diesem Jahr den Service, Hitzewarnungen per E-Mail-Newsletter zu verschicken.

Wann ist es eigentlich schwül?

Bei der Wetterbeschreibung sind sich alle einig, dabei gibt es für „schwül“ – was laut Etymologen aus „schwul“ entstanden ist und als Pendant zum „kühl“ mit Punkten versehen wurde – gar keine eindeutige meteorologische Definition. Mitteleuropäer empfinden eine Kombination aus 20 Grad und 80 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit als schwül. Auch 25 Grad und 65 Prozent, 30 Grad und 45 Prozent oder 37 Grad und 30 Prozent Luftfeuchte werden als schwül wahrgenommen.

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