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Überraschende Wende im Prozess gegen eine mutmaßliche Brandstifterin aus Hameln

Psychiatrisches Gutachten ist „unbrauchbar“

Hannover (ube). Die Staatsanwaltschaft hatte die Hamelnerin wegen schwerer Brandstiftung angeklagt. In Folge einer krankhaften Wahnvorstellung sollte die 56-Jährige im Keller eines Mehrfamilienhauses in Tündern den Rasenmäher ihres Ehemannes angezündet haben. Ein psychiatrischer Gutachter kam zu dem Schluss, dass die Frau schuldunfähig ist. Von ihr ginge eine Gefahr für die Allgemeinheit aus, hatte es geheißen. Die 12. Große Strafkammer war offenbar sowohl von der Anklage als auch von der Expertise nicht überzeugt. „Der Vorsitzende Richter hat vor der Hauptverhandlung mit mir telefoniert, und er war am Ende der Meinung, dass es sich hier nicht um einen Fall von schwerer Brandstiftung, sondern juristisch gesehen nur um eine Sachbeschädigung durch Feuer handelt“, sagte gestern Verteidiger Stefan Kock. Offenbar hat die Strafkammer auch mit dem Gutachter Kontakt aufgenommen. Denn gestern erklärte Richter Günther, er halte die Angeklagte für schuldfähig. „Der Psychiater hat nach Meinung des Gerichts nicht die Mindestanforderungen für ein Schuldunfähigkeitsgutachten berücksichtigt“, erklärte Rechtsanwalt Kock die Entscheidung – und fügte hinzu: „Aus Sicht der Kammer ist das Gutachten deshalb unbrauchbar.“

veröffentlicht am 01.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 05:21 Uhr

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Die Sachbeschädigung im Keller des Wohnhauses sei der Frau nicht nachzuweisen, urteilte die Strafkammer und stellte das Verfahren ein. Das ist kein Freispruch. Dennoch: Der 56-Jährigen war die Erleichterung anzusehen. Sie freute sich und war glücklich.

Rechtsanwalt Stefan Kock kritisierte gestern die Staatsanwaltschaft. „Die Behörde hat das Verfahren aufgebläht. Die anfangs elfseitige Anklageschrift ist nach und nach wie ein Kartenhaus zusammengefallen“, sagte Kock.

Der Fall, um den es ging, hatte sich am 22. Dezember 2008 zugetragen. Seinerzeit brannte in dem Haus an der Stettiner Straße ein Rasenmäher. Die Polizei ging davon aus, dass die Frau den Brand gelegt hatte. Weil ihre Kleidung nach Benzin roch, vermuteten die Tatort-Ermittler, dass die Verdächtige auch einen Brandbeschleuniger eingesetzt hatte. Verletzt wurde nur die mutmaßliche Zündlerin selbst – mit leichten Brandverletzungen und Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung wurde sie ins Krankenhaus eingeliefert.

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