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„Das ist vorsorgender Opferschutz“

Psychiatrie-Station in der Jugendanstalt eröffnet

HAMELN. Psychiater therapieren künftig psychisch kranke Jugendstraftäter in Niedersachsen direkt im Gefängnis. Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) eröffnete am Dienstag in der einzigen Jugendanstalt des Landes in Hameln eine psychiatrische Abteilung mit 20 Behandlungsplätzen.

veröffentlicht am 07.11.2017 um 17:32 Uhr

Schlüsselübergabe (v. li.): Peter Bröker (Staatliches Baumanagement), Ministerin Antje Niewisch-Lennartz und JA-Leiter Wolfgang Kuhlmann. Foto: eaw
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Ernst August Wolf Reporter
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Nicht nur für Wolfgang Kuhlmann, den Leiter der Jugendanstalt, erfüllt sich ein langgehegter Wunsch. Auch die niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) ist sich sicher: „Hiermit leistet Niedersachsen bundesweit Pionierarbeit.“

Mit einer feierlichen Schlüsselübergabe durch Peter Bröker, den Amtsleiter des Staatlichen Baumanagements Weser-Leine, an die Ministerin, die Leitung der Jugendanstalt und die Mitarbeiter der neuen Abteilung wurde die neue Station im Hafthaus 5 eröffnet.

Dort können künftig bislang nur ambulant behandelte Häftlinge mit psychischen Erkrankungen auch stationär versorgt werden. Unter der Leitung der Fachärzte Dr. Uwe Meinecke und Dr. Elke Schaffrath kümmert sich ein multidisziplinäres Team um die Patienten. „Dazu gehören u.a. Wohngruppenbetreuer, eine Psychologin, eine Sozialarbeiterin und Physio- und Ergotherapeuten“, erklärt Uwe Meinecke.

Psychiaterin Elke Schaffrath in einem Gruppengesprächsraum der neuen Abteilung. Foto: dpa
  • Psychiaterin Elke Schaffrath in einem Gruppengesprächsraum der neuen Abteilung. Foto: dpa

Insgesamt 20 Plätze werden in der neuen Einrichtung vorgehalten. „Das Gebäude wurde nicht nur saniert, sondern nahezu komplett umgebaut“, so Peter Bröker. In einem „großen baulichen Eingriff“ seien etwa im Erdgeschoss Büros, Therapie- und Arzträume entstanden, sowie „Krisen- und Konferenzräume“ und im Obergeschoss 20 kleine Hafträume.

„Im Rahmen der 2014 begonnen Gesamtsanierung der Jugendanstalt, die seinerzeit mit acht Mio. Euro veranschlagt worden war, sind in der neuen Einrichtung auf 1700 Quadratmetern lediglich 1,9 Mio. verbaut worden“, sagt Bröker. Dabei wurde das Gebäude sowohl energetisch wie brandschutztechnisch auf den neuesten Stand gebracht. Für die jetzt anlaufende stationäre Betreuung entfallen auf die Personalkosten jährlich rund 990000 Euro.

In Zusammenarbeit mit der Psychiatrie-Akademie Königslutter konnten dabei auch in der Jugendanstalt Bedienste zu Frachkrankenpflegerinnen und -pflegern für Psychiatrie weitergebildet werden.

Bereits im Juli hatte die Ministerin auch in der JVA Oldenburg eine ebenfalls 20 Plätze umfassende Station eingeweiht. Auch in Sehnde und Lingen können psychisch erkrankte Häftlinge stationär betreut werden.

Die Station in Hameln ist der vorletzte Baustein in der Umsetzung eines landesweiten Gesamtkonzeptes zur Verbesserung der psychiatrischen Versorgung im Justizvollzug. „Nicht nur die Gefangenen profitieren davon, sondern die gesamte Gesellschaft“, stellt die Ministerin klar. „Ohne eine Behandlung ist das Rückfallrisiko nämlich deutlich größer. Wir betreiben hier also vorsorgenden Opferschutz.“

Bestandteil des 2013 entwickelten Konzeptes ist auch die Vernetzung durch Kooperationen mit Partnern wie der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uni-Klinik Göttingen und dem Sozialpsychiatrischen Dienst. „Im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung leiden Strafgefangene deutlich häufiger an psychiatrischen Störungen“, weiß Elke Schaffrath. Eine mangelnde psychiatrische Versorgung behindere daher den Weg aus der Straffälligkeit.

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