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Antifa-Unterstützer regen Umbenennung an / Miegel „war keine harmlose Heimatdichterin“ / Infos für die Bewohner

Protest von links gegen den Straßennamen „Miegelweg“

Hameln (wul). Rauf auf die menschliche Feuerleiter, Pappschild über das echte gehängt – schon hieß der Miegelweg in Hameln, der parallel zur Fischbecker Landstraße verläuft, für einige Minuten Anna-Liechmann-Weg. Für die Umbenennung der Straße machen mehrere junge Männer und Frauen stark, die sich zur „Antifa“ Hameln zählen, und die über die Vergangenheit der vermeintlichen Namensgeberin Agnes Miegel aufklären wollen. Miegel war Mitglied der NSDAP.

veröffentlicht am 15.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 07:21 Uhr

Kurz hatte Hameln einen „Anna-Liechmann-Weg“. Foto:
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Die kurzzeitige Umbenennung geschah im Rahmen der „Aktionstage gegen den deutschen Geschichtsrevisionismus“ der Kritischen Initiative Schaumburg, wie die Teilnehmer erklärten. Dort, in Bad Nenndorf, fanden am Wochenende die „Agnes-Miegel-Tage“ statt, in deren Rahmen das Gedenken an die ostpreußische Heimatdichterin bewahrt werden soll. Die Kritiker entgegnen, dass Agnes Miegel, die 1879 in Königsberg geboren wurde und 1964 in Bad Salzuflen starb, eben keine „harmlose Heimatdichterin“ gewesen sei, sondern eine Unterstützerin der Nazi-Ideologie.

Anwohnerin ruft die Polizei

Gegen die „unbeschwerte Verehrung“ von Agnes Miegel richten sich die Hamelner Anhänger der antifaschistischen Szene und würden eine Umbenennung des Miegelweges in Anna-Liechmann-Weg begrüßen. Anna Liechmann wurde als Tochter einer Zwangsarbeiterin in Dehrenberg geboren, so die Beschreibung auf der Internetseite des Hamelner Historikers Bernhard Gelderblom. Sie starb 1944 im Alter von eineinhalb Jahren im Kinderlager Hemeringen. „Wir wollen heute symbolisch diesen Weg umbenennen als Zeichen des Gedenkens an alle Kinder, die im Nationalsozialismus getötet wurden“, erklärte Kirsten S. am Samstag stellvertretend für die Initiatoren.

Zuvor hatten sie Zettel an die Anlieger des Miegelweges verteilt mit Hintergrundinformationen zu der spontanen Aktion – woraufhin eine Anwohnerin die Polizei informierte. Zwei Männer im Streifendienst kamen prompt, informierten sich über den Hintergrund der symbolischen Umbenennung durch die kleine Gruppe und fuhren gleich wieder. „Kein Problem“, hieß es von ihrer Seite. Kurze Zeit später erhielt der Anna-Liechmann-Weg wieder seinen offiziellen Namen Miegelweg, und die zwei Pappschilder – eines an der Ecke Fontanestraße, das andere an der Ecke Ziesenisstraße – wurden zwischen Pfahl und Hecke geklemmt. „Wir wollen ja, dass Krankenwagen weiterhin die Straße finden.“ Ob ihre Aktion Aussicht auf Erfolg hat bei der Stadt Hameln? „Es soll ja nur erstmal eine Anregung und Aufklärung sein“, sagt Kirsten S.Fakten: „Miegel hat unter dem Irrtum gelitten“:AAgnes Miegel (1879- 1964) stammte aus Ostpreußen und fand nach ihrer Flucht aus Königsberg im niedersächsischen Bad Nenndorf ihren Alterssitz. Sie erhielt für ihre Werke bedeutende literarische Preise – den Schillerpreis, Kleistpreis, den Herderpreis und die Ehrendoktorwürde der Königsberger Universität, schließlich den Goethepreis der Stadt Frankfurt. Die Agnes-Miegel-Stiftung in Bad Nenndorf schreibt auf ihrer Internetseite, dass Agnes Miegel nie ein politisch denkender Mensch gewesen sei und nicht durchschaut habe, dass das NS-Regime sie für seine Ziele und Zwecke instrumentalisiert habe. Weiter: Die Nationalsozialisten konnten sie gebrauchen, glaubten sie doch in ihrer ostpreußischen und altpreußischen Thematik etwas von „Blut und Boden“ zu erkennen. Miegel unterlag „wie unzählige andere, dem Bann Adolf Hitlers und seiner Propaganda und trat der NSDAP bei“. Nach dem Zusammenbruch der Hitler-Ära habe sie entsetzt von dem unvorstellbaren Unrecht erfahren, den Gewalttaten, Konzentrationslagern, und habe schwer unter ihrem großen Irrtum gelitten, schreibt die Gesellschaft.



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