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Protec-Insolvenz - Strafverteidiger gibt Bank Mitschuld

veröffentlicht am 16.11.2010 um 19:49 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:36 Uhr

Hameln (ube). Der Prozess gegen den ehemaligen Chef der Hamelner Walzenfirma Protec ist am Dienstag fortgesetzt worden. Aus Sicht der Verteidigung, die für den Angeklagten eine 40-seitige Erklärung abgab, geht es um die Frage: Wer trägt die Schuld am Niedergang der Unternehmen Protec und Stratec? Die Staatsanwaltschaft wirft dem 59 Jahre alten ehemaligen Geschäftsführer Unterschlagung, Bankrott und Insolvenzverschleppung in zwei Fällen vor. Die Verteidigung sieht den Ex-Boss auch in der Opfer-Rolle. Er habe seinen Beratern mehrere Hunderttausend Euro bezahlt und ihnen „voll und ganz vertraut“. Das sei sein Fehler gewesen. Aber auch die damalige Hausbank der beiden Unternehmen trage eine große Mitschuld an der Misere, sagt Dr. Michael Nagel vor er gestern vor der 6. Großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Hildesheim. „Das Verhalten des Geldinstituts war am Ende unerträglich. Es hat sich jeglicher Lösungsvariante in den Weg gestellt.“ Mehr noch: Eines Tages sei ein Mitarbeiter der Bank zu seinem Mandanten gekommen und habe ihm die Kündigung aller Kredite mit einer Forderung über mehr als 7,6 Millionen Euro überreicht. „Gleich nach der Übergabe des Schriftstücks hat der Banker meinem Mandanten geraten, die Verhandlungen mit einem möglichen Investor aus der Schweiz fortzusetzen und erklärt, das Schreiben sei lediglich als rechtliche Absicherung für die Bank gedacht“, behauptet der Verteidiger – und sagt: „Ich werte ein solches Vorgehen als Anstiftung zur Insolvenzverschleppung.“
Nach Meinung des Strafverteidigers sind vier Unterschlagungstatbestände, die seinem Mandanten vorgeworfen werden, längst verjährt. Die Kammer muss nun prüfen, ob das stimmt. Zudem sei die Beschlagnahme von Akten am 22. Februar 2005 rechtswidrig gewesen, behauptet Dr. Nagel. Und weil sich nicht mehr rekonstruieren lasse, welche Dokumente seinerzeit sichergestellt wurden, dürften sämtliche Akten nicht in den Prozess eingeführt werden, argumentiert der Anwalt.

Der Prozess wird am Mittwoch, 17. November, um 9.30 Uhr im Saal 32 (Nebengebäude) fortgesetzt.



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