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Zur Anmeldung verpflichtet

Prostituiertenschutzgesetz: 17 Frauen im Landkreis gemeldet

HAMELN-PYRMONT. Es war heiß umstritten, umgesetzt wurde es dennoch: Das Prostituiertenschutzgesetz. Seit dem 1. Juli 2017 ist es in Kraft und schreibt unter anderem vor, dass Prostituierte ihre Tätigkeit anmelden und sich hinsichtlich gesundheitlicher Risiken beraten lassen müssen. Im Landkreis sind bislang 17 Frauen gemeldet.

veröffentlicht am 03.04.2018 um 17:05 Uhr
aktualisiert am 03.04.2018 um 20:10 Uhr

Wer als Prostituierte Dienste anbietet, muss sich seit Juli 2017 offiziell anmelden. Grundlage dafür ist das Prostituiertenschutzgesetz, das unter anderem auch eine Kondompflicht für Freier vorschreibt. Wer dagegen verstößt, kann eine Anzeige kassier
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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In Hameln-Pyrmont ist der Landkreis zuständig; allerdings erst seit Oktober, weil erst dann das Land Niedersachsen per Verordnung die Zuständigkeit bestimmt hat.

Nachdem der Landkreis diese Aufgabe übernommen hatte, seien zunächst noch organisatorische Maßnahmen getroffen worden, erklärt Pressesprecherin Sandra Lummitsch auf Anfrage, sodass die Prostituierten sich erst ab Dezember beim Gesundheitsamt Hameln-Pyrmont anmelden konnten – seither hätten 17 Frauen davon Gebrauch gemacht, Männer seien keine dabei. „Weniger als gedacht“, heißt es aus der Kreisverwaltung über die Anzahl der Frauen. „Wir sind mal von 20 bis 25 ausgegangen“ – doch das seien nur grobe Schätzungen gewesen, weil es keine verlässlichen Zahlen gegeben habe. Zum Vergleich: In Hamburg hatten sich statt geschätzter 6000 gerade mal 600 Prostituierte innerhalb des ersten halben Jahres nach Inkrafttreten des Gesetzes gemeldet.

Die Frauen, die in Hameln-Pyrmont zum Gesundheitsamt gegangen seien, sind laut Kreisverwaltung zwischen 21 und 60 Jahren alt und gehen ihrer Arbeit als Prostituierte entweder in einer eigenen Wohnung nach oder in einem Bordell. Die meisten der 17 seien aus Hameln und Bad Münder gekommen. Die wenigsten wiederum hätten einen deutschen Pass, sondern „der Großteil stammt aus Osteuropa und Thailand“. Einige sprächen gut deutsch, andere gar nicht, manchmal seien Englisch-Kenntnisse vorhanden.

Von den 17 Frauen machten neun von der Möglichkeit Gebrauch, eine pseudonymisierte Anmeldebescheinigung zu erhalten, die sogenannte Alias-Bescheinigung. Dem Landkreis aber liegen bei der Anmeldung die Klarnamen der Frauen vor. Nach der Anmeldung erhalten die Frauen einen Ausweis mit Lichtbild und Klar- oder Aliasnamen, der in der Branche abfällig als „Huren-Pass“ bezeichnet wird, den die Dienstleisterinnen bei sich tragen müssen. Betreffende hatten vor der Verabschiedung des Gesetzes das zwingende Outing kritisiert, das mit der Anmeldung einhergeht und Befürchtungen geäußert, dadurch stigmatisiert werden zu können. Auch ob der Datenschutz ausreichend gesichert ist, war infrage gestellt worden.

Verpflichtend sind neben der Anmeldung auch Beratungsgespräche zu Themen wie Schwangerschaft und Verhütung, Krankheiten und Alkohol- und Drogenmissbrauch. „Die Frauen kommen mit einer gewissen Scheu dort hin, weil sie zumeist nicht wissen, was sie erwartet“, erzählt Sandra Lummitsch. Sie nähmen aber die Informationen gerne an und könnten vielfach für sie Neues mitnehmen. Gelegentlich komme es auch zu guten Gesprächen; dass aber die Frauen den Mitarbeitern ihre Probleme anvertrauten, passiert offenbar nicht. „Möglicherweise ist die Atmosphäre in den Folgeberatungen entspannter und vertrauensvoller.“ Denn: Wer jünger als 21 Jahre ist, muss alle sechs Monate erneut zur Beratung, die anderen alle zwölf Monate.

Ob die Frauen dann tatsächlich wieder in Hameln zum Beratungsgespräch kommen, ist offen – genauso unklar ist, ob die 17 Frauen, die sich hier angemeldet haben, noch immer im Landkreis arbeiten oder ob sie längst woanders sind: Die Anmeldebescheinigung gilt grundsätzlich im ganzen Bundesgebiet. Und ob das Gesetz sein Ziel erreicht, vermag auf Kreisebene niemand zu beurteilen. „Hier ist auch nicht bekannt, inwieweit die hier arbeitenden Personen überhaupt daraufhin kontrolliert werden (können), ob sie angemeldet oder ,illegal‘ sind“, erklärt Lummitsch.

Bundesweit sind nach Schätzungen zwischen 150 000 und 700 000 Prostituierte tätig, hatte die Stuttgarter Zeitung vor zwei Jahren berichtet. Die Bundesregierung war demnach von etwa 200 000 ausgegangen, als es um die Erarbeitung des Prostituiertenschutzgesetzes ging.



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