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Preußen Hameln bekommt Kunstrasen auf Profi-Niveau

HAMELN. Seit Anfang der Woche sind die Kunstrasenexperten am Vereinsheim des FC Preußen tätig. Fußballer von Preußen Hameln bekommen Kunstrasen auf Profi-Niveau. Hameln ist damit in guter Gesellschaft: Bayern München, Borussia Dortmund, RB Leipzig – zählen zu den Kunden der Bielefelder Firma, die den Rasen verlegt.

veröffentlicht am 27.04.2017 um 17:39 Uhr

Am Preußen-Vereinsheim war lange nur ein grauer Belag auf dem Sportplatz zu sehen Mit dem Trecker werden die Kunstrasenbahnen ausgerollt. Foto: ll
Lars Lindhorst

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Lars Lindhorst Reporter zur Autorenseite
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„Bürsten, bürsten, bürsten“, sagt Sebastian Bahre. Dann hält der neue Rasen wieder 20 Jahre. Ohne ausreichende Pflege aber hat auch ein Fußballplatz mit grünem Kunststoffbelag eine geringe Lebensdauer. Sebastian Bahre ist 32 Jahre alt. Er ist Vorabeiter bei einer Bielefelder Spezialfirma, die den Kunstrasensportplatz an der Ohsener Landstraße erneuert. Hameln ist damit in guter Gesellschaft: Bayern München, Borussia Dortmund, RB Leipzig – und viele weitere Vereine aus der Fußball-Bundesliga zählen zu den Kunden der Bielefelder. Sie machen die Rasenplätze in den großen Stadien und auf den Trainingsgeländen fit oder gleich ganz neu – egal, ob es sich dabei um Natur- oder Kunstrasen handelt.

Seit Anfang der Woche sind die Kunstrasenexperten am Vereinsheim des FC Preußen tätig. Anfangs ging es nicht sehr zügig voran. Immer wieder machte das unbeständige Wetter den Arbeitern einen Strich durch die Rechnung. In aller Regel ist die Erneuerung des Kunstrasenbelags in maximal zwei Wochen erledigt, meint Bahre. „Aber dann muss das Wetter auch perfekt mitspielen.“ Bei zu starkem Wind oder bei Regen wird es nichts damit, den Kunstrasen zu verlegen. „Dann fliegen uns die Bahnen wie ein Segel um die Ohren.“

Sebastian Bahre, der schon so manchen Sportplatz in der Republik gesehen hat, hegt zwar „gewisse Sympathien“ für manche Bundesligavereine, Fußball-Enthusiast ist er aber nicht.

Sebastian Bahre kontrolliert die Höhe der Halme auf den Grasbahnen mit dem Zollstock. Foto: ll
  • Sebastian Bahre kontrolliert die Höhe der Halme auf den Grasbahnen mit dem Zollstock. Foto: ll
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„Eigentlich habe ich mit Fußball gar nichts am Hut“. Vielleicht ist es so auch etwas einfacher, dass er als gebürtiger Westfale von der Arbeit beim emporgeschossenen Bundesligaklub RB Leipzig schwärmt. So rein technisch betrachtet. Denn, was die Leipziger da mit finanzieller Unterstützung eines österreichischen Getränkeherstellers geschaffen haben, beeindruckt Bahre schon. Das sieht er ganz nüchtern – ohne die teils hochkochenden Emotionen eines eingefleischten Fußballfans bei diesem Thema. Vor wenigen Jahren war er selbst dabei beim Bau des neuen Trainingszentrums in Leipzig, wo „acht oder neun“ Sportplätze Reihe an Reihe angelegt worden sind.

Der Hamelner Kunstrasenplatz ist da wohl eher eine kleine Nummer. Bahre sagt, dass der Sanierungsaufwand nicht allzu hoch sei. Zumindest muss das Gelände nicht von Grund auf erneuert werden. Die vorhandene, etwa 40 Zentimeter dicke, Schotterschicht sei noch tragfähig genug, um die nächsten 20 Jahre lang den Spiel- und Trainingsbetrieb auszuhalten. Der alte Kunstrasenbelag ist in den vergangenen Wochen schon abgetragen worden.

Was jetzt noch zu sehen ist, ist eine elastische Schicht aus schwarz-grauem Gummi. Dieser Belag sei auch noch weitgehend intakt gewesen. „Da haben wir an einigen Stellen nur ausbessern müssen“, erklärt Bahre.

Rund 350 000 Euro hat die Stadtverwaltung für die Sanierung eingeplant. Nach derzeitigem Stand, teilt eine Sprecherin der Stadt mit, liege es aber durchaus im Bereich des Möglichen, dass diese Summe „deutlich unterschritten“ wird.

Die Arbeiter gehen bei der Sanierung Bahn für Bahn vor. Angeliefert wird der Rasen aus Tschechien, von einem Hersteller, der für seine Qualität bekannt ist, sagt Vorarbeiter Bahre. In vier Meter breiten Rollen liegt er nun auf dem Parkplatz neben dem Sportplatz. Rund 800 Kilogramm schwer ist so eine Rasenrolle. 70 Meter lang ist so eine Rasenbahn, die quer über das Spielfeld verlegt wird. 25 solcher Rollen werden benötigt. Dann ist der rund 7000 Quadratmeter große Sportplatz vollständig mit Kunstrasen bedeckt. Die einzelnen Bahnen werden miteinander verklebt. Die weißen Linien müssen später extra ausgeschnitten und zwischen den Bahnen verklebt werden.

Seit vorgestern sei die Wetterlage jedenfalls so akzeptabel gewesen, dass der neue Kunstrasenbelag komplett verlegt werden konnte. In den nächsten Tagen werden noch gut 300 Tonnen Füllmaterial auf den Rasen aufgebracht: rund 250 Tonnen Sande, der das Kunstgras beschweren soll, zusätzlich etwa 50 Tonnen Gummigranulat. Das soll später das Verletzungsrisiko eindämmen, erklärt Bahre.

Gebürstet werden muss der Sportplatz aber regelmäßig – damit die etwa 40 Millimeter langen Kunstgrashalme sinch nach starker Beanspruchung wieder aufrichten. Das verlängert die Lebensdauer des Platzes, sagt der Vorarbeiter. „Es kommt immer auf die Beanspruchung an, aber am besten nach jedem Trainingstag“, meint er.

Noch bis Mitte Mai werden die Bielefelder Spezialisten brauchen. Dann werde der runderneuerte Kunstrasenplatz termingerecht der Stadt übergeben.

Nach Feierabend zieht es die Kunstrasenkolonne Richtung Weser. Nach Hajen. Dort haben die sechs Männer um Vorabeiter Bahre vorübergehend Quartier bezogen, privat, auf einem Bauernhof. „Ganz schön da“, urteilt Bahre. Auf einen sonnigen Feierabend im Biergarten an der Weser haben die Westfalen es aber auch noch nicht geschafft. Aprilwetter eben…

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