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Kunden bleiben weg: Geschäftsleute beklagen heftige Einbußen / Stadt weist Alternativ-Routen aus

Posthof abgehängt – Museumsumbau ist schuld

Für den Museumsumbau wurde der Michaelishof dichtgemacht. Die Geschäfte am Posthof sind bis weit ins nächste Jahr nur über Alternativ-Routen zu erreichen. Ein Ärgernis für Geschäftsleute, die Einbußen beklagen. Auch viele Kunden scheuen den Umweg.

veröffentlicht am 15.05.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 22:21 Uhr

Rote Punkte markieren die Alternativ-Routen zum Posthof.
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Foto: Wal

Hameln (kar). Der Ärger bei den Geschäftsleuten am Posthof ist gewaltig: Sie fühlen sich abgehängt, seit der Durchgang zur Osterstraße, der Michaelishof, für den Museumsumbau gesperrt wurde. Und das nicht nur für ein paar Wochen, sondern weit bis in das nächste Jahr hinein. „Für uns ist das ganz schlimm“, sagen Karin Meyer und Kerstin Schulz vom Café und Bistro „da Vinci“: „Wir sind noch neu und darauf angewiesen, bekannt zu werden.“ Touristen fänden den Weg zum Posthof jetzt gar nicht mehr, und auch Einheimische machten sich rar, ist der übereinstimmende Tenor der Geschäftsleute am Posthof. „Wir werden von den Kunden angemeckert“, klagt Andrea Lemke, Inhaberin der Turm-Apotheke. Die lange Sperrung des Michaelishofes stoße auf Unverständnis. Vor allem für ältere oder gehbehinderte Kundschaft seien die Wege zu weit.

„Fußgänger wollen immer den kürzesten Weg“, weiß auch Stadtsprecher Thomas Wahmes und räumt daher ein: „Wir machen wirklich nicht gern einen Durchgang dicht.“ Es habe aber keine andere Möglichkeit gegeben: Der Michaelishof sei der „Dreh- und Angelpunkt“ der Großbaustelle für den Museumsumbau – und zwar als Transport- und Lagerfläche sowie Anlieferzone: „Am Posthof hängt das ganze Projekt“, wirbt Wahmes um Verständnis für den Museumsumbau.

„Hier kämpfen Leute um ihre Existenz“

Zwar hatten sich David Dorl von „Scap – Sportcenter am Posthof“ und Jörg-Helge Dammeier vom gleichnamigen Brillenfachgeschäft für die Einrichtung eines „Löwenganges“ für Passanten stark gemacht, waren sogar bereit, die Kosten dafür zu tragen, so ein Tunnel sei aber „aus Gründen der Baustellenlogistik“ nicht durchführbar, sagt Wahmes, der auch temporäre Öffnungszeiten für utopisch hält: „Es handelt sich um eine Großbaustelle samt aller damit verbundenen Risiken.“

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Mit weißen Fußspuren, die auf der Osterstraße vom zugesperrten Michaelishof Richtung Dewezet führen, will die Stadt das Augenmerk der Passanten auf alternative Routen zum Posthof lenken. Zusätzlich sind Pfeile und Banner angebracht, die auf die Geschäfte am Posthof verweisen. „Wir wollen Behinderungen und Benachteiligungen auf ein Minimum reduzieren“, sagt Wahmes, deshalb habe die Stadt auch im Vorfeld das Gespräch mit den Geschäftsleuten am Posthof gesucht. „Aber so eine Baumaßnahme ist nun einmal mit Behinderungen verbunden“, bedauert der Stadtsprecher.

Behinderungen, die nicht nur Geschäftsleute, sondern auch Kunden nerven: „Es ist hier nicht mehr so viel Bewegung wie vorher“, hat „Scap“-Chef Dorl festgestellt. Trotz fester Kundschaft gebe es Einbußen, sagt auch Petra Rasenberger vom Sonnenstudio „Sunpoint“. Denn: Viel zu wenige suchen jetzt erst recht den Weg in den Posthof – wie Margitta Piehl: „Ich komme extra, um das ,da Vinci‘ zu unterstützen.“ Als Stammgast spricht sie gewerbetreibenden Anliegern aus der Seele, wenn sie sagt: „Hier kämpfen Leute um ihre Existenz.“

Eine Existenz, die sie wohl nicht am Posthof gewählt hätte, wenn sie bei Anmietung des Ladens von der Sperrung für den Museumsumbau schon gewusst hätte, gibt Bozana Spieß vom Blumengeschäft „Stiel & Blüte“ zu. Früher befand sich dort ein Teelädchen. Nun gibt’s hier schöne Sträuße, Gestecke oder bepflanzte Schalen – das aber muss sich erst noch herumsprechen. Die Einbrüche bei der Kundschaft spürt Bozana Spieß vor allem samstags: „Da bleiben die Leute weg, die sonst diesen Weg zum Markt genommen haben“, bestätigt sie, was auch Andrea Lemke in ihrer Apotheke registriert hat. „Es muss eine andere Lösung geschaffen werden“, fordert Dorl, „sonst werden wir alle hier auf Entschädigung klagen.“ Bei anderen Großbaustellen käme man den Gewerbetreibenden auch entgegen: „Schließlich schaffen wir Arbeitsplätze, zahlen Steuern und finanzieren so auch den Umbau mit.“

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