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Drei Monate nach dem großen Fischsterben in der Humme: „Fall aus kriminalistischer Sicht geklärt“

Polizei sucht mit Theaternebel nach Tatort

Aerzen (ube). Die Polizei glaubt, dem Verursacher des Fischsterbens in der Humme auf der Spur zu sein. Aus kriminalistischer Sicht sei der Fall geklärt, sagt Kommissar Thomas Bleibaum. Die Aerzener Station hat die Ermittlungsakte bereits an die Staatsanwaltschaft Hannover geschickt. Dort prüft der für Umweltschutzsachen zuständige Dezernent, wie es in dieser Sache weitergehen soll. Staatsanwältin Kathrin Söfker bestätigt: „Wir ermitteln wegen Verdachts der Gewässerverunreinigung.“ Es gibt offenbar starke Indizien. Ob es zu einer Anklage oder gar Verurteilung kommen wird, ist aber noch unklar. Der Verdächtige soll die Tat bestreiten.

veröffentlicht am 06.09.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 15:21 Uhr

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Staatsanwaltschaft und Polizei ließen in den vergangenen Monaten nichts unversucht, um dem Verursacher auf die Spur zu kommen: Experten der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt (Lufa) in Hameln und des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) in Oldenburg haben Wasserproben und Fischkadaver untersucht. Ein von der Staatsanwaltschaft beauftragter Diplom-Biologe nahm zudem das Flussbett in Augenschein. Ermittler Bleibaum setzte bei seinen Nachforschungen sogar Theaternebel ein.

Bei der Suche nach dem Einleiter waren Polizisten am Flussufer auf ein Rohr gestoßen. Unterhalb dieses Auslaufs trieben tote Fische in der Humme, oberhalb nicht. Mit Unterstützung des Bauhofes wurde nun künstlicher Nebel in das Rohr geleitet. Er waberte durch den unterirdischen Kanal und stieg auf einem Gehöft aus einem Gully auf; ganz in der Nähe befindet sich ein Güllebehälter. Die Polizei schließt daraus, dass an dieser Stelle Gülle in den Oberflächenwasserkanal gelaufen ist. Ein Gemisch aus tierischem Urin und Kot könnte ein solches Fischsterben verursachen: Der Biologe hat festgestellt, dass es seinerzeit zu einer temporären Einleitung einer sauerstoffzehrenden Substanz gekommen sein muss. Eine Schadstoff-Welle soll dazu geführt haben, dass größere Tiere wie Fische erstickten, während Kleinstlebewesen wie Köcherfliegen- und Mückenlarven oder Flohkrebse, die unter Steinen saßen, überlebten. Tatsächlich haben Laves-Experten herausgefunden, dass die eingeschickten Fische erstickt sind. Noch etwas spricht für Gülle als Auslöser des großen Fischsterbens: Eine Augenzeugin hat bei Selxen beobachtet, dass das Wasser des kleinen Flusses schwarz war. Dort wurde ein erhöhter Ammoniakgehalt nachgewiesen.

Mehrere Tausend Stichlinge, Mühlkoppen und Bachforellen hatten Ende Mai/Anfang Juni auf dem Grund der Humme gelegen (wir berichteten). Die Mäuler der Forellen waren weit aufgerissen. Für den Gewässerwart des Angelvereins Aerzen, Manfred Franke, war es „das größte Fischsterben seit dem Chemie-Zugunfall von Bad Münder im Jahre 2002“. Der 1. Vorsitzende Wolfgang Steffen nannte das, was hier passiert ist, „eine Katastrophe“. Ein Fischsterben von einem solchen Ausmaß habe es in den vergangenen 15 Jahren an der Humme nicht gegeben, meint Steffen.



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