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„Schlägermusik“mit Falkenberg

Polit-Lyriker mit Power

Falkenberg ist einer, der sich aufregt, ein immer Zorniger. Ein Solist, der sich nicht vergleichen, nicht einordnen lässt. Ein sympathischer Grenzgänger zwischen Ost und West - diesmal zwischen Halle und Hameln, wo er mit seinem 15. Soloalbum unterwegs war.

veröffentlicht am 25.06.2017 um 14:41 Uhr

Hämmerte seine Botschaften ins Publikum: Protestler Falkenberg. Foto: Dana
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Richard Peter Reporter
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HAMELN. Perfekte Planung – oder einfach: Glück gehabt. Nur einen Tag zuvor wäre die dritte „Schlägermusik“ zwischen Papa Hemingway und Papa Hameln, alias Senior Schläger, am Münsterkirchhof im Donnergrollen untergegangen und vom Gewitterguss weggeschwemmt worden. Auf der Mini-Bühne am Freitagabend vor rund 300 Besuchern: Falkenberg – der „einzige DDR-Popstar“, wie es einmal in der ARD hieß und damit dem Liedermacher aus Halle sein anhängliches Etikett verpasste. Dabei war er, wie er sich erinnert, damals „nicht würdig, die DDR im nichtsozialistischen Ausland zu vertreten“.

Jetzt war er mit seinem 15. Solo-Album unterwegs, mit „Menschen auf Brücken“. Falkenberg als eine andere Art von „Pontifex“, von Stefan Gliwitzki als „ein echter Kracher“ angekündigt. Und Falkenbergs ehemals solide Brücken allemal als „korrodiert“ ausgemacht. „Menschen auf Brücken“ quasi als Titelsong, die „zitternd Hände halten“ und den Schiffen hinterher seh’n. Ein lyrisch gestimmter Protestler, der seine Ansichten und Botschaften ins Publikum hämmert. Immer wieder und wieder wiederholt, worauf es ihm ankommt. Einfache, eindeutige Bilder, die hängenbleiben. Einer, der sich aufregt, ein immer Zorniger. Ein Solist, der sich nicht vergleichen, nicht einordnen lässt. Ein sympathischer Grenzgänger zwischen Ost und West - diesmal zwischen Halle und Hameln.

„Kontemplation“ als eines seiner Themen und die Glotze als „Gott flaches Rechteck“ ausgemacht und gereimt: „Wahrnehmungslücken, die Leere überbrücken“. Kompliment ans Publikum, sich von der „Sitzlandschaft“ gelöst zu haben. Und empfohlen: „Finde die Taste in die Freiheit“. Sozusagen „Aus“ für „Ein“. Für den Pazifisten Falkenberg ein gefundenes Fressen: die zwei Prozent fürs Militär. 70 Milliarden, die seiner Meinung nach besser in die Bildung investiert wären um die Kids zu „fähigen Menschen“ zu erziehen und wütender Protest gegen die „Dirigenten des Todes“. Geradezu kryptisch: „Du hast deine Brückenköpfe in das Fleisch der Welt geschlagen“.

Wechsel vom Klavier zur Gitarre für sein „Lied gegen den Hass“ – auch hier Brückenbau und über Freiheit nachgedacht und die als „Abwesenheit von Angst“ definiert. „Es geht uns gut“ – der Versuch kollektiven Singens allerdings nicht das große Erlebnis.

Tieftraurig: „Die Sehnsucht wurde für immer vertrieben“ und einen AfD-Abgeordneten aus dem Landtag von Sachsen-Anhalt mit „deutschem Volkskörper“ zitiert und angesichts ausgedünnter Kultur-Kassen befürchtet, dass die Tage eines Samuel Beckett und anderer gezählt sein könnten. „Nur noch Bio-deutsche Autoren“.

Dann rasselten Schlüsselbunde oder Schlüsselbünde, kreischten die Damen – auch wenn Ratten sie als Hamelnerinnen eher weniger schocken. Und in den Münsterkirchhofraum behauptet: „Frauen exaltierter als Männer“. Und Schlag auf Schlag Schlagworte: „Menschensammler, Lügenkäufer, Seelensäufer“ sowie „Blender, Täuscher, Scharlatane“.

Ein Kernsatz zum Nachdenken: „Wir stammen alle von Flüchtlingen ab“ – und zur Warnung: „Jeder Krieg kommt nach Hause“. Finale über die Angst, die „klein und gemein macht“ und „das Rückgrat so weich“.

So ein bisschen heiter gemotzt über das „alberne Spazierengehen mit Stöcken“ sowie der Schnelligkeit eine Abfuhr erteilt und als Bild: „Der Gepard ist ein schönes, schnelles Tier – aber die Schildkröte lebt länger“. Entschleunigung also und „Angst vor der Angst der Menschen die sie gefährlich macht“ – und ganz andere Ängste vor den neuen „Kathedralen der Macht“, in denen das Geld regiert.

„Geliebtes Leben“ versöhnlich nachgeschoben und eine glückliche Ute Fehn als Geschäftsführerin des Landschaftsverbandes auf deren Mist die schöne Blüte „Schlägermusik“ gedeihen durfte. Auch diese Woche wieder.

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