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Hinterlassenschaften in Anastasiya Nesterovas „Umwelten“ in der Arche-Galerie

Poetische Irritationen

veröffentlicht am 05.06.2017 um 20:01 Uhr

Künstlerin Anastasiya Nesterova zeigt ihre Bilder nun in der Arche-Galerie. Foto: Wal
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Richard Peter Reporter
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HAMELN. „Übersichtlich“ hätte ein Loriot den Besuch zur Ausstellungseröffnung am Freitagabend in der „Arche“ vermutlich genannt. Das Gros – auch der sonst durchaus Kunst-Geneigten – spielte wohl Pfingsten-Stau auf unseren Autobahnen. Ein Indiz, dass der sogenannte „Homo sapiens“ Erfahrungen nur bedingt zugänglich ist. Doppelt schade, weil mit Anastasiya Nesterova eine Künstlerin in der Galerie am Haspelmathtsturm ausstellt, die mit ihren Arbeiten gleichermaßen poetisch wie irritierend auftritt. Landschaften in unterschiedlichsten Ausformungen, in meist warmen, satten Tönen, manchmal auch in eher kühler Farbigkeit – und fast immer „gestört“ durch Hinterlassenschaften.

Keine vordergründige Kritik, keine Müll-Orgien – alles was einfach so in der Landschaft herumsteht. Vorübergehend verlassen, aber jederzeit wieder benutzbar. Ohne Menschen, die nur stellvertretend durch ihre pragmatischen Werke präsent sind. Straßensperren, Windräder im Rapsfeld. Ein Container-Schiff auf der Elbe. Immer nur indirekt spürbar die Verursacher des vermeintlich Störenden, das immer wieder den Blick anzieht.

Diese so individuelle Bildsprache als Dokumentation des Realen, des Sichtbaren, bezeichnet Nesterova als „Ästhetisierung unästhetischer Dinge“. Und die sorgen allemal für Spannungen in ihren Landschaften, die sich als abstrakte, aufs Wesentliche reduzierte Farbflächen präsentieren. Keine fotografischen Abbilder – Dokumentation von Zuständen und gerade damit assoziative Wirkungen erzielen.

Anastasiya Nesterova wurde 1979 in Sewastopol auf der Krim geboren. Die Mutter, so die Künstlerin, die in Münster lebt und ihr Atelier unterhält, hat als Landschaftsmalerin in ihren Bildern alles Störende ausgeblendet. „Ich beziehe es ein“. Als eine Art Mini-Revolte im Mutter-Tochter-Verhältnis – und dennoch prägend. Auch Erklärung, dass Nesterova so perfekt mit scheinbaren Fremdkörpern in ihren Arbeiten spielt, sie zu ihrem Markenzeichen macht. Der Vater war U-Boot-Kommandant. Auch das so etwas wie eine Irritation in der Familien-Landschaft.

In einem Künstler-Gespräch mit der Arche-Vorsitzenden Britta Samsen-Huch zur Ausstellungseröffnung und der Frage nach den wichtigsten Etappen in ihrer Biografie – eindeutig: die Familie. Und bildlich formuliert: „Ich bin im Atelier aufgewachsen“. Nach ihrem Studium in Odessa wechselte sie nach Münster – widmete sich hier besonders der Grafik, auch wenn sie immer wieder in Öl und Acryl malt. Dennoch – ihr eigentliches, perfekt ausgeschöpftes Medium ist der farbige Holzschnitt. Und immer wieder zeigt sie sich überrascht – „wie Zauberei“ – wie sich die Vorlagen beim Druck entwickeln. Und nennt die Druckstöcke „Suizidplatten“ und jeden Abzug ein Unikat. Dennoch: ihr bevorzugtes Medium, auch wenn die Malerei sich als sehr viel weniger aufwendig als die Drucke erweist. Was sie am Holzschnitt zusätzlich fasziniert: die Maserungen, die sie wie nebenbei ins Spiel bringt.

Nastasiya Nesterova gehört zu den wenigen Künstlern, die von ihrer künstlerischen Arbeit und Profession leben. „Durch Stiftungen“, so die gebürtige Ukrainerin, „ergeben sich Netzwerke“, die dieses von der Kunst leben ermöglichen. Aber auch – mit Büro, Rahmungen, Verhandlungen, Ausstellungen – eine „ganzheitliche Arbeit“, wie sie sagt, bedingen. „Perfekte Organisation“, wie Samsen-Huch ihr bescheinigt.


Info: Die Ausstellung Anastasiya Nesterova „Umwelten“ in der Arche-Galerie bleibt bis Sonntag, 2. Juli, geöffnet.

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