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Plastinator stellt in Hameln Leichenteile zur Schau

veröffentlicht am 19.05.2009 um 19:31 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:37 Uhr

Leichen

Hameln (ube). Er heißt Dirk Piper, wohnt in Hamm – und will in Hameln Menschen schocken. Bei seiner ersten Ausstellung, die den Namen „Art of Bodies – Die Welt der Körper“ trägt. will der 45-Jährige in einer Ausstellungshalle in Klein Berkel gegen Eintritt plastinierte menschliche Leichenteile und Tiere zur Schau stellen. Der gelernte Betriebsschlosser, Hypnosetherapeut und Plastinator hat aber noch mehr im Sinn: Er möchte Aufsehen erregen. Deshalb hat er einen Mordtatort nachgestellt und eine Puppe in Latex-Wäsche an einem Strick aufgehängt. Deshalb stehen bei ihm Embryos in Acryl in der Vitrine, und deshalb zeigt er in einem abgetrennten Bereich Besuchern ab 16 furchtbare und grausame Tatortfotos von schwer entstellten Leichen. Die Bilder, sagt er, stammten von der Polizei und der Rechtsmedizin. Alles habe seine Ordnung.
 Woher er die angeblich echten Tatwerkzeuge (blutverschmierte Messer, Scheren, Hämmer und eine Spitzhacke) hat, möchte er nicht verraten. Alles sei aber legal, betont er. Piper will in Klein Berkel vorführen, wie eine Organentnahme von Statten geht. Dafür hat er auf einem Tisch unter grünen OP-Tüchern etwas abgedeckt, was aussieht wie ein Mensch. In einem Gefrierschrank lagert er Organe von Verstorbenen. „Die sind jetzt tiefgefroren und fixiert. Ich taue sie bei Bedarf auf und benutze sie dann für meine Vorführungen. Besucher können sie auch gern in die Hand nehmen“, sagt der Mann, deren Eltern eigenen Angaben zufolge ein Bestattungsunternehmen besaßen.
 Dirk Piper hat nach eigenen Angaben bereits 36 Menschen, „meist Deutsche, aber auch Russen und Chinesen“, plastiniert. Noch steht keines dieser „Ausstellungsstücke“ in Hameln. Die seien alle ausgeliehen, sagt Piper und beteuert: „Ich bin dabei, ein Humanplastinat zu besorgen. Es wird entweder aus Johannesburg oder aus Las Vegas eingeflogen.“ Auch das präparierte Pferd ist noch nicht an seinem Platz. „Auf der Fahrt von München nach Hameln ist ein Wirbel abgebrochen. Das muss erst repariert werden.“
 Auf den Gründer der „Körperwelten“ und „Erfinder der Plastinationstechnik“ (Landgericht Berlin) Gunther von Hagens ist Dirk Piper nicht gut zu sprechen. „Der verklagt mich immer. Wenn ich Herrn von Hagens sehe, dann nur vor Gericht.“ Der wohl bekannteste Plastinator aus Guben sei neidisch und „fürchterlich sauer“ auf ihn, denn: „Ich spiele in einer ganz anderen Liga. Die Scheibenplastinate, die ich hier zeige, die kann der nicht. Darauf habe ich ein Patent.“
 Gunter von Hagens bezeichnet Dirk Piper „als einen billigen Trittbrettfahrer“, der anatomische Dauerpräparate „von sehr schlechter Qualität“ zeigt. Auch, so von Hagens, plastiniere Dirk Piper nicht selbst. „Er hat die Sachen überall zusammengekauft.“
 Menschliche Organe und Körper, behauptet von Hagens, „hat Herr Piper von meinem ehemaligen Schüler Sui Hongjin aus China bekommen“. Seit 2006 habe die chinesische Regierung aber den Handel mit menschlichen Körpern verboten. Freiwillig stellten Chinesen ihre Körper nicht zur Verfügung. „Das ist nicht mit deren Todeskultur in Einklang zu bringen“, sagt von Hagens. Ein bizarrer Streit tobt da offenbar hinter den Kulissen.
 Dirk Piper erzählt, er sei weltweit unterwegs, plastiniere Körperspender an Universitäten in Dalian (China), St. Petersburg (Russland) und New York (USA). Und er legt Wert auf die Feststellung: „Wir haben nichts mit von Hagens und den Körperwelten zu tun. Ich will ihn nicht kopieren, sondern etwas völlig anderes zeigen.“
 

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