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Winzige Kunststoffpartikel in der Weser: Forscher stellen nur geringe Belastung fest

Plastik im Fluss?

Hameln. Winzige, möglicherweise gefährliche Kunststoffkörnchen sind bereits in vielen Flüssen zu finden. Die gute Nachricht: Die Weser scheint nicht so stark mit Mikroplastik belastet zu sein wie andere Binnengewässer. Das geht aus einer Untersuchung von sieben Flüssen durch die Universität Bayreuth hervor.

veröffentlicht am 08.02.2016 um 18:23 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 20:21 Uhr

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Autor:

Andreas Timphaus
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Hameln. Ob als Verpackung, in Pflegeprodukten oder Textilien: Kunststoffe beherrschen den Alltag – und sorgen für eine Menge Müll, der oft in den heimischen Flüssen landet. Durch Wind und Wetter wird der Abfall zu kleinsten Plastikpartikel zermahlen und landet als sogenanntes Mikroplastik im Meer. Aber auch in den Flüssen sind die Kunststoffkörnchen bereits zu finden, die nach Ansicht von Forschern womöglich gefährlich für Menschen sind. Die gute Nachricht: Die Weser scheint nicht so stark mit Mikroplastik belastet zu sein wie andere Binnengewässer. Das geht aus einer Untersuchung von sieben Flüssen durch die Universität Bayreuth im Auftrag des nordrhein-westfälischen Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz hervor.

Einen ersten Zwischenbericht der Studie, die in den nächsten zwei Jahren noch fortgesetzt wird, hatten die Forscher kürzlich in einer Sitzung des nordrhein-westfälischen Landtags vorgestellt. Mit 0,487 Partikeln pro Kubikmeter blieb die Weser dabei aus Sicht der Wissenschaftler eher unauffällig. Auch an der Lippe, Sieg und Wupper wurden nur relativ wenige Plastikpartikel im Wasser entdeckt. Ganz anders sah die Lage an der Ruhr aus: Dort wurde mit 166 Partikeln pro Kubikmeter der höchsten Wert der Untersuchung festgestellt. Im Rhein schwammen 1 bis 4,5 Plastikpartikel pro Kubikmeter, in der Emscher gab es bis zu 15,7 Plastikpartikel pro Kubikmeter im Wasser.

Die Wasserproben hatten die Wissenschaftler bei Porta Westfalica entnommen. Doch auch in Hameln wären die Ergebnisse nicht sonderlich anders ausgefallen, vermutet Dr. Andreas Hoffmann von der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt (Lufa) Nord-West mit Sitz in Hameln. „Die Zahlen werden womöglich noch niedriger sein“, glaubt der Experte.

Hamelner Experte: „Versalzung ist ein viel

größeres Problem“

Über den Schaden durch Mikroplastik ist noch relativ wenig bekannt. Klar ist aber immerhin, dass die Partikel schon von kleinsten Organismen aufgenommen werden. In Würmern, Schnecken, Muscheln, Wasserflöhen und Muschelkrebsen ließen sich bereits Mikropartikel nachweisen. Gefährlich ist vor allem, dass sich die Partikel mit Schadstoffen anreichern. Pestizide wie PCB zählen dazu – gesundheitsschädlich oder krebserregend. Ihre Konzentration kann in den winzigen Plastikpartikeln nach Analysen bis zu 100 000-fach höher sein als in der Umgebung.

Aber wie gelangen die Kunststoffpartikel in die Weser? Mikroplastiken können von Kläranlagen oft nicht aus dem Abwasser gefiltert werden. Entsprechende Filter sind teuer und werden deshalb bei den wenigsten Anlagen eingebaut. Über die Nahrung aufgenommen, könnten die kleinen Kunststoffteilchen bei Menschen zu Krankheiten führen, vermuten einige Forscher. Die Industrie setzt sie dennoch bei vielen Produkten ein – bei Reinigungsmitteln und Kosmetik ebenso wie bei Kleidung. Die winzigen Partikel stammen beispielsweise aus Fleecejacken, dem Abrieb von Frischhaltedosen, aber auch aus Zahnpasta, Shampoo und Hautcremes.

Hoffmann schätzt die Situation anders ein als viele Wissenschaftler. „Man soll das ganze nicht überdramatisieren. Eine unmittelbare Gefahr, die von Mikroplastik ausgeht, sehe ich nicht.“ Auch wenn die möglichen negativen Auswirkungen auf die Gesundheit noch nicht ausreichend erforscht sind, glaubt Hoffmann, das Thema werde „politisch hochgezogen“. „Kunststoffe kommen in unserem Alltag überall vor. Da ist es klar, dass sie auch in unseren Gewässern nachgewiesen werden. Mit diesen Konsequenzen müssen wir leben“, sagt er.

Ohnehin seien sich Fachleute noch nicht über die toxikologische Relevanz von Mikroplastik einig, argumentiert der Wissenschaftler. „Natürlich sollten wir unseren Plastikmüll nicht überall verstreuen. Aber für die Weser sehe ich in der Versalzung ein viel größeres Problem“, sagt Hoffmann und verweist auf kürzlich in Hessen erfolgte Entscheidung, das Raumordnungsverfahren für den Bau einer Salzwasserpipeline des Düngemittelherstellers K+S in die Weser zu eröffnen.



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