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Der mit dem Fläschchen lockt...

Pferdezüchter übernimmt Mutterrolle für Waisenfohlen

ROHRSEN. Das kleine Hengstfohlen schnaubt. Es hat Hunger. Aber es hat auch seine „Mutter“ gesehen, die mit der Flasche in der Hand in den Stall kommt. Die Mutter – das ist in diesem Falle Pferdezüchter Jürgen Hanke aus Rohrsen. Und der päppelt das vierbeinige Waisenkind jetzt mit der Hand auf. Und das nimmt sein Angebot dankbar, ja sogar äußerst gierig an.

veröffentlicht am 25.04.2017 um 19:02 Uhr
aktualisiert am 25.04.2017 um 20:10 Uhr

Pferdezüchter Jürgen Hanke päppelt das vierbeinige Waisenkind mit der Hand auf. Es saugt gierig an der Flasche. Foto: ck
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Autor

Christa Koch Reporterin
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Die Geburt des Fohlens war sehr schwer, der Prämienstute Elinda ging es danach nicht gut. Der Tierarzt, der mehrmals kommen musste, riet dazu, sie in die Tierärztliche Hochschule (TH) nach Hannover zu bringen. Doch noch auf der Fahrt dahin verstarb das Pferd. In Hannover wurde das Fohlen sofort untersucht, es gab leichte Entwarnung: Von der Stute hatte es in den ersten Stunden noch das so wichtige Kolostrum bekommen, die wertvolle Muttermilch. So wurde eine Ammenstute gesucht und auch gefunden. Doch dann ein Anruf des Besitzers: Auch dieses Pferd musste in die Klinik. Verdacht auf Kolik, OP drohte.

Jetzt war guter Rat teuer, musste schnell gehandelt werden. Also übernahm Jürgen Hanke kurzerhand die Mutterrolle. Zu Hause in Rohrsen bekam das kleine Fohlen die erste Notration Milchpulver, die die TH mitgegeben hatte, ebenso wie Trinkpläne für das kleine Waisenkind. Hankes besorgten ein Fläschen und probierten verschiedene Sauger.

Dann rührten sie eine Mahlzeit zusammen und boten sie an. Kein Problem: Anstandslos begann das kleine Waisenkind zu saugen, diese Hürde war genommen. „Amme“ Hanke aber hatte kaum noch eine ruhige Minute, musste das Fohlen doch in der ersten Lebenswoche zehn Mahlzeiten in 24 Stunden bekommen und auch nachts regelmäßig trinken. In der zweiten und dritten Woche immerhin konnten die Intervalle auf acht Mahlzeiten, verteilt auf Tag und Nacht, verkürzt werden.

Doch schon nach drei Tagen ereignete sich im Stall Hanke das nächste Drama: Prämienstute Hannah brachte ein Hengstfohlen zur Welt, es war eine normale Geburt. Doch dann gab es Auffälligkeiten, Mutter und Sohn kamen in die Klinik.

Dort wurde bei dem Fohlen ein Harnleiterriss festgestellt, es musste sofort operiert werden. Zunächst überstand es den Eingriff gut, doch dann stellten sich Komplikationen ein – der kleine Kerl musste erlöst werden.

Nun hatten die Hankes innerhalb von nur wenigen Tagen ein Fohlen ohne Mutter und eine Stute ohne Fohlen. Der Versuch, beide zueinander zu bringen, scheiterte allerdings: Hannah akzeptierte trotz aller Bemühungen das Hengstfohlen nicht.

Da es aber für ein kleines Fohlen äußerst wichtig ist, eine Bezugs- und Erziehungsperson zu haben, reifte die Idee, dem kleinen Ed Sheeran, wie er nun heißen soll, eine Ersatzmutter zuzuführen.

Diese Rolle soll künftig Elitestute Erina übernehmen, eine Tante des Kleinen, die in diesem Jahr kein Fohlen erwartet. Erste Versuche, das Gespann aneinander zu gewöhnen, sind vielversprechend gelaufen. Erina wird dem kleinen Hengst zwar keine „Milchbar“ bieten können, das übernehmen nach wie vor die Menschen, die ihn gern versorgen.

Aber sie achtet auf ihn und lehrt ihn gewissermaßen „Lesen und Schreiben“. Das würde immerhin ein versöhnliches Ende einer dramatischen Entwicklung im Pferdestall bedeuten.

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