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Öffis nehmen private Busunternehmen in die Pflicht / Geplante Fusion: Kreis winkt auch Bad Pyrmont mit Geld

Per Vertrag zu mehr Pünktlichkeit

Hameln-Pyrmont. Wer in Hameln-Pyrmont in den Linienbus steigt, muss künftig nicht mehr befürchten, dass der Wagen schon seit über 20 Jahren täglich auf Achse ist. Die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs soll bald in jeder Hinsicht moderner und attraktiver werden. Das beginnt mit dem Ambiente von Haltestelle und Bus. Die Verantwortlichen streben auch eine größere Pünktlichkeit und Kundenfreundlichkeit an. „Mit der Festlegung von Qualitätsstandards wollen wir dem Bedürfnis unserer Fahrgäste nach mehr Qualität gerecht werden“, erklärt Thorsten Rühle. Der Geschäftsführer der „Öffis“ wird heute einen Vertrag unterzeichnen, in dem es um sage und schreibe 30 Millionen Euro geht.

veröffentlicht am 13.10.2014 um 15:10 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:05 Uhr

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Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Die landkreiseigene Verkehrsgesellschaft VHP und die Hamelner KVG – bei beiden ist Rühle der Chef – wird eine Bewerbergemeinschaft privater heimischer Busunternehmen damit beauftragen, einen großen Teil des Linienverkehrs in der Region auszuführen. Zwar unterstützen auch bisher schon solche Subunternehmer die kommunalen Öffis, doch jetzt wird erstmals ein „Verkehrsdurchführungsvertrag“ mit einer Bietergemeinschaft geschlossen. Und das über einen langen Zeitraum, was allen Seiten Planungssicherheit geben soll. Der Vertrag läuft für zunächst acht Jahre; er kann um zwei Jahre verlängert werden.

Die Öffis haben zum 1. Januar 2015 gut ein Drittel ihrer Kilometerleistung europaweit ausgeschrieben. Dabei wurden auch technische Standards und Qualitätsanforderungen definiert. Von den vier Interessenten, die sich meldeten, erfüllte nur die „Bewerbergemeinschaft Busverkehr Hameln-Pyrmont“ die Vorgaben. Zur Bewerbergemeinschaft gehören die hier seit langem bekannten Unternehmen Reisedienst Neumann (Bodenwerder), Sonnental-Reisen (Welsede), Weihrauch Verkehrsgesellschaft (Alfeld) und DAU Bus (Barsinghausen). Dieses Kleeblatt hat angekündigt, seinerseits auch den Welseder Busbetrieb Tebbe beauftragen zu wollen. Die Firma Held (Langenfeld) hingegen hatte sich im Sommer aus dem Nahverkehr verabschiedet.

Das Durchschnittsalter der Stadtbusse wird künftig zehn Jahre betragen, das der Regionalbusse zwölf. Rühle lässt zudem ein „Qualitätsmanagementsystem“ installieren, um ab kommendem Jahr beispielsweise Verfrühungen messen zu können. Während sich Busverspätungen aufgrund von Baustellen und Staus „nicht immer vermeiden lassen“, soll es künftig mit Sanktionen belegt werden, wenn der Busfahrer schon vor der planmäßigen Zeit startet und Fahrgäste nur noch die Rücklichter sehen. Die Öffis wollen ebenso den Zustand und die Sauberkeit der Fahrzeuge regelmäßig bewerten und den Unternehmer notfalls mit Geldabzug bestrafen. „Durch die Einführung des Qualitätsmanagements versprechen wir uns eine höhere Kundenzufriedenheit“, sagt Rühle. Letztlich geht es darum, bei sinkender Bevölkerungszahl dem Fahrgastschwund entgegenzuwirken. In Deutschlands Ballungsgebieten erleben Busse und Bahnen derzeit eine Renaissance – in ländlichen Regionen ist hingegen noch Kreativität gefragt, um auch ohne immer weiter steigende Zuschüsse aus Steuergeldern die Mobilitätsbedürfnisse der Bewohner zu befriedigen.

Der neue Vertrag zwischen den öffentlichen Busbetreibern und privaten Subunternehmern ist in Hameln-Pyrmont nur ein Baustein, um fit für die Zukunft zu werden. Seit einem Jahr wird zwischen der Kreisverwaltung und der Hamelner Stadtverwaltung erörtert, ob und wie die kommunalen Busunternehmen fusioniert werden sollen. Das geschieht nicht ganz freiwillig: Das europäische Vergaberecht hatte den Landkreis unter Handlungsdruck gesetzt. Entweder hätte er seinen Anteil am regionalen Busverkehr europaweit ausschreiben und den Zuschlag zum Januar 2015 eventuell an einen ortsfremden Bewerber erteilen müssen. Oder er müsste sich mit der Stadt Hameln einig werden, die kreiseigene VHP und RHP mit der Stadtwerke-Tochter KVG zusammenzuführen. Die Fusionsfrage ist für Hameln heikel, weil das jetzige Konstrukt der Stadt steuerliche Vorteile bietet. Schon deshalb handelt es sich auch um eine politische Frage und damit im Rathaus um eine Chefsache. Im Kreishaus wurde offenbar mit Sorge beobachtet, dass es durch den Oberbürgermeisterwechsel, der erst im November ansteht, zu eng für eine Umsetzung bis zum Jahresende werden könnte. Um das EU-Recht einzuhalten, hat sich der Kreis deshalb für eine Zwischenlösung entschieden: Er ließ für seine Busfirma RHP neun gebrauchte Fahrzeuge beschaffen – zwei weitere kommen noch hinzu – und steigerte damit schon zum jüngsten Fahrplanwechsel den Auftragswert der Beförderungsleistung auf die von der EU verlangten mehr als 50 Prozent. „Damit besteht nun kein unmittelbarer Zeitdruck mehr bei der Fusion“, sagt Rühle. Diese sei aber weiterhin betrieblich und wirtschaftlich sinnvoll. Angeboten wird inzwischen auch, die Pyrmonter Stadtbuslinien zu integrieren, die bisher die dortigen Stadtwerke betreiben.

Nach Worten des Ersten Kreisrates Carsten Vetter könnte sich der Landkreis verpflichten, Defizite der städtischen Busbetriebe, die bisher vom steuerlichen Querverbund mit den Stadtwerken profitieren, auszugleichen. In Hameln könn-

ten es zunächst 1,3 Millionen Euro pro Jahr sein, in Bad Pyrmont 430 000 Euro – abschmelzend über zehn Jahre. Vetter hofft auf einen „ÖPNV unter einem Dach ab Anfang 2016“.



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