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Bürgerinitiative wirbt für bundesweite Volksabstimmung

Per Bus zur direkten Demokratie

Hameln (ch). „Bitte während der Fahrt mit dem Fahrer sprechen“, steht auf dem kleinen Schild, das an der Fensterscheibe neben dem Fahrersitz klebt. Hier kann und soll jeder mitreden. Die Bürgerinitiative „Omnibus für direkte Demokratie in Deutschland“, die mit ihrem Bus seit gestern in der Hamelner Innenstadt steht, engagiert sich für eine bundesweite Volksabstimmung.

veröffentlicht am 09.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 19:41 Uhr

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Auf den roten Ledersitzpolstern stapeln sich Bücher, bunte Regenschirme, ein nasses Geschirrhandtuch und kleine persönliche Dinge wie eine rote Rose oder ein Schmierzettel mit der Aufschrift „Wer nicht denken will, fliegt raus“, erzeugen eine behagliche Mischung von öffentlichem und privatem Raum. Seit 1978 fährt die Bürgerinitiative mit dem Bus durch Deutschland, besucht Städte, Dörfer, Schulen, um dort über direkte Demokratie zu informieren. Am Steuer sitzt Werner Küppers, seit über zehn Jahren isst, schläft und arbeitet er von März bis November in dem 33 Jahre alten Fahrzeug. Finanziert wird er ebenso wie die anderen Mitarbeiter und vor allem die Tankfüllung des Busses dabei „vom Volk“, durch Spenden interessierter Bürger. Ausgegangen ist das Benzin bislang noch nie.

„Auf Bundesebene sind wir nur Zuschauer“, beklagt Küppers. Während die Initiative mit dazu beigetragen habe, dass auf Länder- und Regionalebene gesetzliche Regelungen für landesweite Volksabstimmungen geschaffen worden wären, gibt es auf Bundesebene bislang kein Gesetz. Um das zu ändern, sammeln die Mitarbeiter fleißig Unterschriften, „eine Volksabstimmung für die Volksabstimmung“, nennt es Küppers. Seit einigen Tagen mit an Bord ist auch die siebzehnjährige Leonie Albert, die ein Praktikum im demokratischen Omnibus macht. Sie verteilt Informationen, erklärt Passanten kurz, worum es geht, bevor sie einen der Mitarbeiter zu Hilfe holt, hört bei den vielen politischen Gesprächen zu, beobachtet. „Es ist interessant zu merken, was die Leute denken“, erzählt sie. Kommentare wie „Behüte mich vor direkter Demokratie“, habe sie ebenso schon zu hören bekommen wie positive Rückmeldungen. Doch vor allem junge Menschen täten sich schwer damit, anzuhalten und sich zu informieren, viele hasten vorbei, werfen kaum einen Blick auf den Bus. „Vielleicht komm ich später noch mal wieder“, sagt ein junger Passant, nachdem er kurz stehen geblieben ist, um zu fragen, was es mit dem Bus in der autofreien Innenstadt auf sich habe. „Wir sind für eine bundesweite Volksabstimmung, die Politiker sollten Rücksprache mit den Bürgern halten“, bekräftigt ein älteres Ehepaar aus Unterfranken, das in Hameln zu Besuch ist.

„Wer hier rausgeht und uns viel Glück wünscht, hat nicht verstanden, worum es geht“, sagt Küppers. Nämlich nicht um die Initiative selbst, diese sei „Grundlagenarbeit“. „Omni“, für alle solle es die Möglichkeit geben, sich mit einer Stimme einzubringen. Nicht nur über gewählte Vertreter, sondern auch direkt.

Heute und morgen noch steht der Omnibus vor dem Hochzeitshaus, er ist von 9.30 bis 18 Uhr geöffnet.

Der Omnibus für direkte Demokratie in Deutschland steht heute und morgen noch vor dem Hochzeitshaus. Foto: Dana

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