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Abschied nach 19 Jahren

Pastorin Friederike Grote verlässt Hameln

HAMELN. Ihr Lieblingsplatz im Münster ist – Friederike Grote überlegt kurz – „der Hohe Chor. Schön hell, mit dem farbenfrohen Christusfenster“. Überhaupt hat sie mit dem ehrwürdigen Münster einen Arbeitsplatz, der es anderen schwer macht, beeindruckender zu sein. Trotzdem verlässt sie Hameln und wechselt zur St.-Pankratius-Kirche nach Burgdorf – nach 19 Jahren als Pastorin am Münster und fast 25 Jahren in Hameln.

veröffentlicht am 09.08.2018 um 16:53 Uhr

Friederike Grote ist seit fast 19 Jahren Pastorin am Münster und betreut auch einen Bezirk in der Marktkirche. Ihre neue Gemeinde in Burgdorf zählt 7800 Gemeindeglieder – über 5000 mehr als die Münstergemeinde. Allerdings arbeiten in der St.-Pankrati
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Warum? „Einfach weil“, beginnt Friederike Grote mit der Antwort und stoppt gleich wieder. Das sei doch gar nicht so einfach zu beantworten. Neuer Anlauf: „Es ist einfach dran, im Leben einer Pastorin mal zu wechseln“, sowohl für die Gemeinde als auch für sie selbst sei das eine Chance für Veränderung. „Ich spreche ja auch nicht jeden an“, sagt sie erklärend und meint damit, dass ihre Art vielleicht nicht jedem gefällt.

Zum Beispiel teilt offenbar nicht jeder ihre Leidenschaft für das eine Ziel: aus zwei eins zu machen, die beiden Gemeinden „Marktkirche“ und „Münster“ zu einer zu formieren. „Das wäre leichter“ hinsichtlich Verwaltungsaufgaben und Strukturen, findet Friederike Grote. Immerhin arbeiteten die beiden Stadtkirchengemeinden in vielen Bereichen schon Hand in Hand und hätten einiges gemeinsam geschaffen und geschafft: Es gibt einen gemeinsamen Gemeindebrief, zum Beispiel, und das Haus der Kirche, das in diesem Jahr zehnjähriges Bestehen feiert.

Als Friederike Grote ans Münster St. Bonifatius kam, war das noch längst nicht in Planung. Dass sie als Pastorin letztlich an Hamelns Geburtsstätte arbeiten konnte, verdankte sie 1999 auch dem Umstand, dass der damalige Pastor Udo Wolten gerade gerne den Vorsitz des Sportvereins VfL übernehmen und daher eine halbe Pfarrstelle abgeben wollte. Normalerweise würden Pastoren einer ersten Gemeinde erst zugewiesen, erzählt Grote, doch in diesem Fall sei sie von Herrn Wolten direkt gefragt worden, ob sie sich das vorstellen könne. Zu dem Zeitpunkt war sie schon seit fünf Jahren in der Hamelner Paul-Gerhardt-Gemeinde tätig, zweieinhalb Jahre als Vikarin, dann ehrenamtlich in der Wartezeit. Ihre Reaktion, innerlich: „Ich kann doch nicht als kleine Anfängerin ans große Münster….“ Sie konnte. Und geht jetzt weiter.

Die ökumenische Arbeit in der Stadt ist herausragend.

Friederike Grote, Pastorin

Der Stein, sich trotz aller positiven Erfahrungen in Hameln nach etwas Neuem umzusehen, kam 2016 ins Rollen. „Da bin ich ins Studiensemester gekommen“, erzählt sie und erinnert sich noch gut an jenen Moment, in dem sie einer Berufsberaterin von dem Wunsch erzählt habe, „dass ich gut was anderes machen könnte“. Ein Hauptanker – „Aber mein Team ist so toll“ – sollte kurze Zeit später gehievt werden. Toll sei ihr Team natürlich auch heute, betont Grote, doch im vergangenen Jahr verließ erst Thomas Risel die Marktkirche Richtung Schweiz, dann Christiane Brendel das Münster Richtung Wangelist. Beide waren langjährige, lieb gewonnene Wegbegleiter. Hinzu kommt, dass ihre zwei Kinder erwachsen sind, also: Auf zu neuen Ufern, aber nicht zu jene, die zu weit von Hameln entfernt liegen. Eine offene Stelle südlich von Hamburg sei für sie nicht in Betracht gekommen, habe sie gemerkt. Burgdorf liegt näher an Hameln, Familie und Freunden.

Für ihre Entscheidung sei ihr durchweg Verständnis entgegengebracht worden, sagt die 53-Jährige, Verständnis manchmal gemischt mit Trauer, teils verbunden mit der dadurch aufgeworfenen Frage: „Wer soll mich denn jetzt beerdigen?“ Gerade diese engen Beziehungen sind es, die Friederike Grote schätzt. Die „Kasualarbeit“, wie sie im Fachjargon heißt, zu der Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Beerdigungen zählen, ermöglichen „ganz intensive Begegnungen“. „Aber auch Gottesdienste mache ich gerne“, sagt sie und könnte noch mehr auflisten. Mit jedem Satz wird deutlich: Friederike Grote mag ihren Job.

In besonders guter Erinnerung bleibt ihr zum Beispiel die Diakonische Arbeit in der Stadt, „überhaupt die ökumenische Arbeit hier in Hameln“ beschreibt sie als herausragend, vor allem der ökumenische Gottesdienst am Pfingstsonntag in der Hochzeitshausterrasse und die Arbeit des Senior-Schläger-Hauses. Auch von den „Tauffesten an der Weser“ schwärmt sie inzwischen, was sich keinesfalls von Beginn an abzeichnete. „Als aus anderen Orten über die ersten Tauffeste berichtet wurde, habe ich noch gedacht, was für’n Quatsch. Als wir das dann 2011 hier das erste selbst veranstaltet haben – das war so toll!“ Am kommenden Sonntag gestaltet sie das Hamelner Tauffest zum letzten Mal als Münster-Pastorin mit.


Termin: Der Abschiedsgottesdienst findet Sonntag, 21. Oktober, um 17 Uhr im Münster statt.

Mein Standpunkt
Birte Hansen
Von Birte Hansen-Höche

Dass beide großen Stadtkirchen innerhalb eines Jahres Wechsel erleben, ist für viele Menschen ein Verlust. Sowohl Thomas Risel als auch Friederike Grote haben Hamelns Leben aktiv gestaltet und geprägt. Dass beiden nach vielen Jahren der Sinn nach Veränderung steht – verständlich. Schade ist es trotzdem.

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