weather-image
23°

Ursache für die entzündliche Erkrankung ist Plaque / Bessere Hygiene und Mitarbeit des Patienten erforderlich

Parodontitis – und wie man ihr begegnen kann

Susanne M. (42) aus Hessisch Oldendorf fragt: In einer früheren Sprechstunde hatten Sie das Krankheitsbild der Parodontitis beschrieben. Mich würde interessieren, wie man eine solche Erkrankung vermeiden beziehungsweise therapieren kann.

veröffentlicht am 13.06.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 05:21 Uhr

270_008_5560911_hm222_1306.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Dr. Wolfgang Killmann antwortet: Die Ursache für die entzündliche Erkrankung von Zahnfleisch und Zahnbett ist der nicht entfernte Zahnbelag, auch Plaque genannt. Er breitet sich unterhalb des Zahnfleischsaumes aus. Die darin lebenden Parodontitisbakterien produzieren Gifte, die die Entzündung auslösen (bei rund 45 Prozent mittleren Alters). Erschreckenderweise wird das Krankheitsbild häufig in den Praxen nicht erkannt, obwohl es seit Jahrzehnten zum basalen Lehrinhalt an den zahnärztlichen Universitätskliniken gehört. Der fortgeschrittene Zustand der Erkrankung (bei zehn Prozent) ist schon auf den ersten Blick an dem geschwollenen, zur Blutung neigenden Zahnfleisch zu erkennen. Nicht selten ist damit starker Mundgeruch verbunden.

Diskreter ablaufende Krankheitsfälle sind relativ leicht durch Sondierungen der Zahnfleischtasche (Sulcus) durch den Zahnarzt zu erkennen. Der sogenannte Parodontale Screening Index (PSI) beziehungsweise die Ausdehnung des vorhandenen Zahnbelags (Plaqueindex) geben relativ schnell eine umfassende Information über den Krankheitszustand. Röntgenaufnahmen verdeutlichen zusätzlich das Ausmaß des bereits erfolgten Knochenabbaus. In Einzelfällen kann auch mit mikrobiologischen Sondentests die Bakterienspezies ermittelt werden.

Am Anfang jeglicher Therapie muss eine eingehende Beratung zwischen Zahnarzt und Patient für einen entsprechenden Informationsstand sorgen. In der Regel wird erforderlich sein, dass der Patient vieles an seinem bisherigen Mundhygieneverhalten verändert. Dazu gehören Informationen, mit welcher Art von Zahnbürste, zu welcher Zeit, in welcher Art und Weise oder mit welchem Zeitaufwand die Zähne zu reinigen sind, ebenso Hinweise über die Zahnzwischenraumpflege, sei es mit Zahnseide oder mit Interdentalbürsten. Dieses Wissen zu verinnerlichen und umzusetzen,ist die wesentlichste Maßnahme. Solange dies nicht gelingt und nicht die Bereitschaft besteht, alte Verhaltensmuster zu verlassen, wird jede weitere zahnärztliche Maßnahme langfristig erfolglos sein.

Zusätzliche Leistungen der zahnärztlichen Praxis können Reinigungsmaßnahmen sein, die unter dem Begriff „Professionelle Zahnreinigung“ vorgenommen werden. Insofern kann es durchaus einige Wochen dauern, bis ein entzündungsfreier Zustand (aber lediglich durch gesteigerte Pflegemaßnahmen) erreicht ist. Erst nach Ablauf dieser Zeit ist es sinnvoll, weitere chirurgische Maßnahmen zu prüfen. Durch sogenanntes Scaling (Zahnwurzelglättung) oder aufwendigere operative Maßnahmen können betroffene Zähne unterhalb des Zahnfleischsaumes unter lokaler Betäubung bearbeitet und geglättet werden. In Einzelfällen kann auch eine Antibiotikatherapie notwendig werden.

Aber auch damit ist die Therapie noch nicht beendet. Grundsätzlich ist nach erfolgreicher Behandlung ein Wiederauftreten der Parodontitis möglich. Als entscheidender Punkt ist ein langfristiger Behandlungserfolg von der eigenen Vorsorge durch kontinuierliche Mitarbeit abhängig. Dazu gehören Fortsetzung der erlernten Zahnpflegemaßnahmen, Überprüfung der Essgewohnheiten und regelmäßige Kontrolle. Viele Praxen bietenein Rückrufsystem (sogenanntes Recall) an. Unbefriedigenderweise werden von den gesetzlichen Krankenkassen zwar die (viel kostenintensiveren) chirurgischen Maßnahmen übernommen, aber leider nicht die Reinigungsmaßnahmen mit zeitintensiven Aufklärungsgesprächen. Bei Privatpatienten dürften mittlerweile durch die Änderung der Gebührenordnung die Kosten der professionellen Zahnreinigung erstattet werden.

Dr. Wolfgang Killmann, Zahnarzt, M.A. Medizinethik, Hameln



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?