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Studien belegen Zusammenhänge mit Diabetes, Arteriosklerose, Lungenentzündung, Herzinfarkt und Schlaganfall

Parodontitis ist schuld an unterschiedlichen Beschwerden

Holger D. (49) aus Hameln fragt: Ich habe wegen starken Zahnfleischblutens den Zahnarzt aufgesucht. Er sagt, es handele sich um Parodontitis. Was ist das genau?

veröffentlicht am 14.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 19:41 Uhr

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Dr. Wolfgang Killmann antwortet: Parodontitis ist eine entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparates (Parodontium). Ursachen sind Zahnbelag (Plaque) und die darin lebenden Bakterien. Gifte (Toxine) aus dem Stoffwechsel der Bakterien setzen sich im Zahnfleisch fest und lösen dort eine Entzündung aus, deren erstes Stadium Gingivitis genannt wird. Das heißt: Nicht der Zahn ist krank, sondern das Gewebe, das ihn im Kieferknochen verankert und ernährt. Für den Zahn ist das problematisch, denn die Parodontitis zerstört Fasern, die den Zahn festhalten. Setzt sich der Prozess fort, lockert sich der Zahn und fällt schließlich aus. Die Parodontitis ist eine bakterielle Infektion, die auch auf andere Zähne übertragen werden kann. Nebenbei sei erwähnt, dass der Mund neben dem Darm das artenreichste Ökosystem des Körpers aufweist. Im Mund „tummeln“ sich auf nur etwa 20 Quadratzentimetern 300 meist harmlose Bakterienstämme, während im Darm den Bakterien ein Areal von bis zu 400 Quadratmetern zur Verfügung steht. Aufgrund ihrer Häufigkeit (45 Prozent der Vierzigjährigen leiden an einer derartigen Erkrankung) kann die Parodontitis neben Karies (98 Prozent) und den Erkrankungen des Kreislauf- und Verdauungsystems als Volkserkrankung bezeichnet werden. Der Krankheitsprozess schreitet in vielen Fällen nur langsam fort (chronischer Verlauf), in einigen Fällen kommt es jedoch zu rasch fortschreitendem Gewebsverlust (aggressiver Verlauf). Anfänglich ist die Parodontitis meist schmerzlos.

Folgende Anzeichen können auf eine Erkrankung hindeuten: Zahnfleischblutung, Schwellung und Rötung des Zahnfleisches, Zahnfleischrückgang, empfindliche Zahnhälse, unangenehmer Mundgeruch, Sekretentleerung aus den Zahnfleischtaschen und gelockerte Zähne. In vielen Studien haben sich das männliche Geschlecht, der soziale Status sowie das Rauchverhalten als Risikofaktoren herausgestellt. Aufgrund der Ursache der Erkrankung als eines bakteriellen Geschehens werden seit einigen Jahren immer mehr die Wechselbeziehungen zu anderen Erkrankungen diskutiert. Studien belegen Zusammenhänge zwischen Parodontitis und Diabetes, Arteriosklerose, Lungenentzündung, Herzinfarkt und Schlaganfall. So konnte gezeigt werden, dass Parodontitis das Risiko für koronare Herzerkrankungen und damit für Herzinfarkt erhöht und in bereits vorgeschädigten Blutgefäßen das Risiko für einen Schlaganfall verstärkt.

Eine unbehandelte Parodontitis kann sogar zu Komplikationen (untergewichtige Frühgeburten) in der Schwangerschaft führen. Es ist davon auszugehen, dass künftig diesbezüglich die Kommunikation zwischen Zahnärzten und Allgemeinmedizinern (Hausärzten, Internisten, Diabetologen) intensiviert und die diabetologische Einstellung, die Parodontitisbehandlung sowie die Nachsorge gemeinsam koordiniert werden müssen. Langfristig werden davon die Patienten in hohem Umfang profitieren.

Dr. Wolfgang Killmann, Zahnarzt, M. A. Medizinethik aus Hameln.



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