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Wie Kinder Bad Pyrmonts Naturschützern in der „Krötennacht“ beim Retten der wandernden Amphibien helfen

„Papa, ich krieg’ den Doppeldecker nicht hoch!“

Bad Pyrmont (wlg). Liebe kann tödlich sein. Diese Erfahrung machen zumindest viele männliche Erdkröten während der von März bis April andauernden Paarungszeit. Um sich den Weibchen bestmöglich zu präsentieren, setzen sie sich häufig mitten auf die Straße – und werden dort nicht selten von Autoreifen zermalmt.

veröffentlicht am 19.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 18:41 Uhr

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Um das zu verhindern, haben es sich die Pyrmonter Nabu-Naturschützer zur Aufgabe gemacht, die Tiere mithilfe eines Zauns zu schützen. Das grüne Band zieht sich derzeit auf einer Strecke von etwa 500 Metern entlang des Weges zum Campingplatz im Pyrmonter Schellental.

Am Freitagabend musste der Nabu-Vorsitzende Holm Rengstorf nicht alleine Kröten sammeln: Mehr als 30 Kinder und Eltern kamen zur „Krötennacht“ und halfen ihm.

Da es nicht warm war, fürchtete Holm Rengstorf schon, „dass wir heute wohl keine Kröten zu sehen bekommen“. Zur Freude der Kinder irrte er sich jedoch: Schon nach den ersten Metern entdeckten die Kinder eines der Amphibien mit dem wissenschaftlichen Namen Bufo bufo.

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Im Laufe des Abends rettete die Gruppe etwa 70 bis 80 Exemplare. Rengstorf empfahl den Halbwüchsigen, die Erdkröten nur mit Handschuhen anzufassen, denn: „Wenn wenn sie unter Stress geraten, kann es vorkommen, dass sie giftige Flüssigkeiten absondern. Das dient ihnen zum Schutz.“ Zudem erfuhren die Kinder, dass sich die Männchen bei der Wanderung oft bis zu zehn Kilometer weit auf dem Rücken der größeren und stärkeren Weibchen mitschleppen lassen.

Ein solches Pärchen wurde kurz darauf auch gefunden; ein Junge versuchte, es von der Straße zu heben, was allerdings nicht gleich funktionierte: „Papa, ich krieg’ den Doppeldecker nicht hoch!“

Zwischendurch erzählte Rengstorf Gedichte und Märchen über Frösche und Kröten sowie, dass die Erdkröten zu ihrem Geburtsort wiederfinden, um dort ihren Laich abzulegen. Aus dem entwickeln sich die Kaulquappen, die später zu Kröten werden.

Mit Aktionen wie der Krötennacht will der Nabu-Chef die Menschen für die Tiere sensibilisieren. Zudem warnt Rengstorf davor, dass das Fahren über die Kröten, ohne sie zu berühren, meist ebenfalls tödlich für die Tiere endet: „Durch den Luftdruck, den das Auto verursacht, werden die inneren Organe zum Platzen gebracht. Daher sollte man am besten um die Tiere herumfahren oder anhalten und sie vorsichtig an den Straßenrand setzen.“

Als Kröten-Retter betätigen sich Rengstorf und andere Nabu-Aktivisten allerdings nicht nur an einem Abend. Einmal täglich kommt ein Freiwilliger vorbei und setzt die Kröten aus den Eimern auf die andere Straßenseite, bis die Paarungszeit vorbei ist.

Im Dutzend gesammelt: Arne präsentiert seine Funde.

Fotos: wlg

Holm Rengstorf lässt mit Kindern gerettete Kröten frei.



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