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„Wir leben in einer asozialen Zeit“

Oskar Lafontaine trommelt auf dem Rathausplatz für die Linke

HAMELN. Eigentlich sollte ja Sahra Wagenknecht den Wahlkampf der lokalen Linken am Freitag unterstützen. Wegen Terminkollisionen schickte sie dann aber ihren Mann Oskar Lafontaine auf den Hamelner Rathausplatz – ein nicht weniger prominenter Name.

veröffentlicht am 25.08.2017 um 20:04 Uhr

Die Linken-Kreissprecher Jutta Krellmann und Peter Kurbjuweit freuten sich am Freitag über hohen Besuch aus dem Saarland. Foto: MZ
Michael Zimmermann

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Immerhin war dieser einmal Ministerpräsident des Saarlandes, SPD-Kanzlerkandidat und Bundesfinanzminister und führt aktuell die Linksfraktion im saarländischen Landtag an.

Sofort nach seiner Ankunft ist der 73-Jährige im Wahlkampfmodus, schüttelt Hände, gibt Autogramme, posiert für Fotos. Als Lafontaine die Bühne betritt, hat sich der Platz bereits gut gefüllt. Pflichtgemäß lobt er die örtliche Bundestagsabgeordnete Jutta Krellmann, die im September wieder ins Parlament einziehen will, als „tapfere Frau“, die beim Kampf gegen Leiharbeit und befristete Arbeitsverhältnisse „ganz vorn dabei“ sei. Unsichere Arbeitsplätze sorgten dafür, dass in Deutschland weniger Kinder geboren würden und schwächten die Kampfkraft der Arbeitnehmer.

„Wir leben in einer asozialen Zeit“, sagt Lafontaine mit Blick auf die Wirtschaftsordnung und erntet dafür lauten Beifall. Eine Gesellschaft sei nicht demokratisch, wenn sich die Interessen der Mehrheit nicht mehr durchsetzten, sondern nur die der „oberen Zehntausend“. Dass es in Deutschland 197 Milliardäre gebe, mache ihn zornig. Diese Werte seien von „hunderttausenden Arbeitnehmern“ geschaffen worden. Der Eindruck, dass alle Parteien in wichtigen Fragen dieselbe Auffassung hätten, treffe nicht zu. Nur die Linke wolle die Hartz-Gesetze abschaffen, die ein „Freibrief für Lohndumping“ seien und zu niedrigen Renten führten, so Lafontaine. Viele Menschen wählten trotzdem „gegen ihre Interessen“, weil sie etwa der „Lüge“ glaubten, bessere Renten seien nicht bezahlbar. Österreich zeige, dass es anders gehe.

Lafontaine schlug in seiner Rede einen großen Bogen von Sozialpolitik über Europa bis zur Frage von Krieg und Frieden. Foto: MZ

Auch zur Außenpolitik hat Lafontaine einiges zu sagen: Deutschland sei in Europa weniger beliebt als noch vor 20 Jahren, behauptet er. Der Grund: Kanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble, die Europa ein „Spardiktat“ verordneten, um Banken zu retten. Aus einer „Politik der guten Nachbarschaft“ sei „Überheblichkeit“ geworden. In diesem Zusammenhang betont Lafontaine auch, dass Frieden nur mit Russland möglich sei. Die Milliarden, die die Nato für die Rüstung ausgebe, sollten eher in Schulen und höhere Renten fließen, findet er. An den „blutigen Kriegen der großen Konzerne um Rohstoffe und Absatzmärkte“ dürfe sich Deutschland nicht beteiligen.



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